In Castrop-Rauxel gibt es zwei Schnelltest-Stationen direkt vor Moscheen - eine musste jetzt schließen. © Ahmed Inan
Coronavirus

Erst testen, dann beten: Das ist jetzt vor zwei Moscheen möglich

Mehr als 20 Schnelltest-Stellen gibt es in Castrop-Rauxel. Neu dabei sind Testmöglichkeiten direkt vor zwei Moscheen. Der Anbieter möchte damit muslimische Gläubige ansprechen. Aber nicht nur.

Mitte März haben die ersten Schnelltest-Stellen in Castrop-Rauxel eröffnet. Anfangs haben vor allem Ärzte und Apotheker mitgemacht. Im April richtete die Stadt dann das kommunale Durchfahrts-Testzentrum auf dem Europaplatz ein, auch die Altstadt hat mittlerweile eine zentrale Anlaufstelle, um sich auf Corona testen zu lassen.

Seit kurzem gibt es noch zwei neue Schnelltest-Orte: an der Vinckestraße 114 in Ickern und an der Dortmunder Straße 175 a auf Schwerin. Geöffnet sind die beiden Zentren täglich jeweils von 8 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 9 bis 17 Uhr.

Das Besondere dabei: Unter diesen Adressen finden sich jeweils Moscheen. Auf Parkplätzen vor muslimischen Gotteshäusern zu testen ist das Hauptkonzept von „Corona Schnelltests NRW“. Das Hauptziel: Das Zusammenkommen beim und nach dem Beten sicherer zu machen..

Älteren Gläubigen soll die Hemmschwelle genommen werden

Indem die Teststation quasi zum Gebet mitgeliefert werde, wolle man es den Gläubigen einfacher machen, sich testen zu lassen, sagt Projektleiter Ahmet Inan. Er habe beobachtet, dass sie sich gerade von den Älteren, die vor allem eine Moschee besuchen, viele schwer täten mit all den Regeln und Vorgehensweisen. Selbst wenn die Bereitschaft da sei, einen Test zu machen, scheitere es oft an der Terminbuchung. Oder daran, dass es zu umständlich sei, sich vor dem Gebet noch woanders testen zu lassen.

Zumal es auch gar nicht vorgeschrieben ist: Weder vor dem Besuch einer Moschee noch einer christlichen Kirche, muss man einen negativen Corona-Test vorweisen. „Dass da je nach Größe der Moschee auch mal 70 Leute zusammenkommen dürfen ohne Test, finde ich erschreckend“, sagt Inan. Selbst wenn Maskenpflicht herrscht.

So kam er – selbst in Kurzarbeit in seinem eigentlichen Job – mit seinem Chef auf die Idee der Moschee-Tests. Auch in anderen Städten im Kreis Recklinghausen gibt es das Angebot. Castrop-Rauxel ist bisher die einzige Stadt, in der Inan und sein Team gleich zwei Mal vertreten sind.

Testen fürs Morgengebet beim Zuckerfest

Die Station an der Dortmunder Straße ist gerade erst an den Start gegangen: Am Mittwochabend (12.5.) hat sie eröffnet. „Damit man sich zum Morgengebet beim Zuckerfest am Donnerstag testen lassen konnte“, erklärt Inan. Es sei gut angelaufen, sagt er jetzt.

Die Teststation an der Dortmunder Straße darf weiter geöffnet werden.
Die Teststation an der Dortmunder Straße darf weiter geöffnet werden. © Ahmed Inan © Ahmed Inan

Generell sei die Testbereitschaft von Gemeinde zu Gemeinde „erstaunlich unterschiedlich“. Und man brauche Geduld. So seien anfangs in Ickern gerade mal 15 Leute zum Testen gekommen. Pro Tag. Aber es steige an, sagt Inan. „Die Bürger nehmen uns langsam wahr.“ Das Angebot ist offen für alle, nicht nur für Gemeindemitglieder.

Wer sich testen lassen will, muss sein Auto nicht zwingend verlassen: In Ickern kommen die Mitarbeiter auch zu den Wagen und nehmen den Abstrich. „Wir nennen es Drive-Sit“, so Inan. An der Dortmunder Straße ist der Parkplatz so groß, dass man einen richtigen Drive-In aufbauen konnte. Man kann allerdings auch zu Fuß kommen.

Erst nach dem Testergebnis zum Gebet

Die Mitarbeiter sprechen alle Türkisch und Deutsch. So würden Migranten besser erreicht. Und sensibilisiert für wichtige Zusammenhänge. Es komme immer wieder die Idee auf, sich testen zu lassen, dann zum Gebet zu gehen und danach das Testergebnis abzuholen. „Das ist zwar zeitoptimiert, doch komplett am Ziel vorbei“, so Inan.

Die Mitarbeiter machten die sinnvolle Reihenfolge klar: Erst testen, aufs Ergebnis warten. Wenn es negativ ist, zum Gebet gehen. Und danach dann mit gutem Gefühl zum traditionellen Verwandtenbesuch.

Einmaliger QR-Code reicht

Um sich bei „Corona Schnelltests NRW“ testen zu lassen, reicht es, sich einmalig auf der Seite zu registrieren. Danach bekommt man einen QR-Code aufs Handy, mit dem man sich immer wieder an allen Stationen im Kreis Recklinghausen testen lassen kann. Man kann Test-Termine buchen oder auch einfach vorbeikommen. Das Ergebnis des Tests gibt es per SMS und Mail aufs Handy. Die Teststationen haben täglich geöffnet.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski

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