Rund 200 Zuschauer saßen am Freitagabend (11.6.) im Publikum. © Timo Pianka
Als gäb‘s kein Morgen

Erste Open-Air-Veranstaltung in Castrop-Rauxel: Sehnlich erwartet und gefeiert

Endlich: Am Freitag (11.6.) durfte das WLT zum ersten Mal wieder vor Publikum spielen. Die 20er-Jahre waren das Motto – und das Lebensgefühl dieser Zeit war zu spüren. Auch abseits der Bühne.

Als gäb’s kein Morgen – so hieß das erste Stück, bei dem die Castrop-Rauxeler nach dem Lockdown wieder live dabei sein durften. Und schnell wurde klar: Das Westfälische Landestheater (WLT) hätte an diesem Freitagabend (11.6.) kein passenderes Motto wählen können. Wir haben uns abseits der Bühne umgesehen.

Musikalisch und tänzerisch wurde den rund 200 Zuschauern die Geschichte der 20er-Jahre erzählt. Es war der Auftakt des Freilichtwochenendes „Bühne raus!“, das wie bereits im letzten Jahr auf der eigenen Open-Air-Bühne am Proben- und Logistikzentrum stattfindet.

Das Programm des WLT-Theaters am Freilichtwochenende.
Das Programm des WLT-Theaters am Freilichtwochenende. © Timo Pianka © Timo Pianka

Auch Petra Neveling sitzt an diesem Abend im Publikum: „Es war traurig, als eine Veranstaltung nach der anderen ausfallen musste“, erzählt sie. Umso mehr freue sie sich, nun wieder mit ihren Bekannten dabei zu sein – „Kulturfreunde“ nennen sie sich. Sie besuchen nämlich bereits seit Jahrzehnten die Aufführungen des WLT.

Mit Abstand, aber Hauptsache mal wieder dabei: Petra Neveling (l.) besucht mit ihren
Mit Abstand, aber Hauptsache mal wieder dabei: Petra Neveling (l.) besucht mit ihren „Kulturfreunden“ bereits seit Jahrzehnten die Aufführungen des WLT-Theaters. © Timo Pianka © Timo Pianka

Hoffnung auf Rückkehr zum alten Spielort

Am Freitagabend (11.6.) trifft man hier viele Stammgäste an. So auch Ludger und Ulla Vollmer: „Normalerweise hat es ja immer im Parkbad Süd stattgefunden, das Ambiente dort war natürlich etwas schöner“, geben sie zu. Doch das Ehepaar führt fort: „Für uns steht jetzt im Vordergrund, dass es überhaupt wieder los gehen kann!“

Neben ihnen betonen auch weitere Zuschauer, dass der reguläre Spielort schon mehr Charme habe. Die Betreiberin des Parkbad Süds, Marlen Kempf, gibt ihnen Hoffnung: „Ich rechne stark damit, dass wir es im nächsten Jahr wieder bei uns machen können“, erzählt sie. An diesem Abend ist Kempf mit ihrem Team für die Gastronomie zuständig.

Das WLT war indes froh, dass nach langer Zeit wieder eine derartige Aufführung stattfinden konnte. Damit dies möglich wurde, achteten die Veranstalter auch streng auf ihr Hygienekonzept: Handdesinfektion am Eingang, Abstand an den Plätzen, Masken beim Aufstehen. Darüber hinaus mussten die Besucher natürlich ihre Kontaktdaten hinterlegen.

Bedenken, wenn es drinnen stattgefunden hätte

„Etwas Sorgen hätte ich mir gemacht, wenn es drinnen stattgefunden hätte“, gibt eine Zuschauerin zu. Sie sei jedoch vorab informiert worden, wie alles abläuft: „Die Leute wissen Bescheid, was sie berücksichtigen müssen. Die Besucher halten sich an die Regeln, das gibt uns ein absolut sicheres Gefühl“, erzählt sie.

Die „Goldenen Zwanziger“ – eine Zeit, die von Zuversicht und Lebensfreude geprägt war. Ein vergleichbarer Optimismus war auch am Freitagabend (11.6.) in Castrop-Rauxel deutlich zu spüren.

„Die 20er-Jahre standen dafür, dass es wieder vorwärts geht. Für mich passt das einfach zu diesem Abend“, erzählt Ulli Neuhaus. Und das aus gutem Grund: Nach Monaten trifft er mit seiner Frau heute wieder ein befreundetes Ehepaar. Aufgrund der Pandemie haben die Freunde darauf lange verzichtet. Nun seien sie aber vollständig geimpft und genießen die neue Freiheit.

Für die befreundeten Ehepaare Neuhaus und Kroos (v.l.) war es ein besonderer Tag: Seit Monaten haben sie sich am Freitag (11.6.) zum ersten Mal wieder getroffen.
Für die befreundeten Ehepaare Neuhaus und Kroos (v.l.) war es ein besonderer Tag: Seit Monaten haben sie sich am Freitag (11.6.) zum ersten Mal wieder getroffen. © Timo Pianka © Timo Pianka

„Das Leben geht jetzt wieder los“

So auch Regina Hochkirchen, die mit einer Freundin im Publikum sitzt: „Die letzten Monate hat man ja quasi nur Zuhause gesessen, weil man nirgendwo hingehen konnte. Das Leben geht jetzt wieder los“, sagt sie. Für die beiden sei das Event nun „wie eine Befreiung.“

„Ein weiterer großer Schritt in Richtung Normalität“, betonen zudem Monika Kurilla und Christine Ewert. Sie führen fort: „Das Wetter und alles Drumherum passt, es ist ein super Auftakt.“ Seit vielen Jahren sind die Freundinnen aus der Schulzeit schon bei den Veranstaltungen des WLT dabei.

Es gehe es ihnen nun auch darum, das Theater in der schwierigen Zeit zu unterstützen: „Uns liegt es am Herzen, dass die Kultur hier auch in den nächsten Jahren noch weiter lebt“, erzählen sie.

Vorführungen vor leeren Reihen

Für Günter Wohlfarth, den geschäftsführenden Direktor des WLT, ist diese Unterstützung sehr wichtig. Der Neustart sei für ihn „einfach nur fantastisch“, denn die letzten Monate beschreibt er als sehr frustrierend: „Wir haben unsere Stücke geprobt, um das Ergebnis dann vor leeren Reihen zu präsentieren“, so Wohlfarth.

Die Reaktion des Publikums habe ihm daher am meisten gefehlt: „Bei Komödien zum Beispiel, da ist man einfach auf das Feedback der Zuschauer angewiesen“, erzählt der Direktor. Nun müsse man sich erst einmal wieder daran gewöhnen, vor Gästen zu spielen.

Chris, Anne, Thyra und Luisa (v.l.) freuen sich: Am Sonntag (12.6.) dürfen auch sie endlich wieder vor einem Publikum auftreten.
Chris, Anne, Thyra und Luisa (v.l.) freuen sich: Am Sonntag (12.6.) dürfen auch sie endlich wieder vor einem Publikum auftreten. © Timo Pianka © Timo Pianka

Das müssen sicherlich auch Chris, Anne, Thyra und Luisa: Sie sitzen am Freitag auf dem Boden hinter der letzten Sitzreihe – doch man hört sie bis auf die Bühne. Sie arbeiten beim Kinder- und Jugendtheater und jubeln ihren Kollegen heute noch lautstark zu. Am Sonntag dürfen sie hier dann selbst wieder auftreten.

Wirtschaftlich noch kein Erfolg

Auch beim Applaus der Gäste ist die Begeisterung an diesem Abend deutlich zu hören. Günter Wohlfarth mache es auch nichts aus, dass erst mal nur 200 statt normalerweise 500 Menschen dabei sein durften: „Hauptsache es geht wieder los“, betont er.

Die Zuschauer waren begeistert von der Auftaktveranstaltung des WLT-Theaters.
Die Zuschauer waren begeistert von der Auftaktveranstatlung des WLT. © Timo Pianka © Timo Pianka

Rein wirtschaftlich lohne es sich jetzt noch nicht. Trotzdem sagt der Direktor: „Die kommenden Tage machen uns allen sehr viel Mut.“ Nun „drücken alle die Daumen“, dass zur nächsten Saison vielleicht schon wieder mehr Gäste zugelassen werden, so Wohlfarth. Starten wird sie dann im August.

Bühne Raus

  • Bühne raus am Proben- und Logistikzentrum des WLT (neben dem Testzentrum am Stadtmittelpunkt): „Als gäb‘s kein Morgen – die wilden 20er-Jahre“ ist am Samstag (12.6.) und Sonntag (13.6.), jeweils 19.30 Uhr, zu sehen.
  • Es gibt nur noch Restkarten.
  • Sonntag (13.6.), 14 Uhr, folgt das Kinderstück „Die Konferenz der Tiere.“ Informationen auf der Homepage des WLT.
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