Am Castroper Marktplatz entfernt die Baufirma Boymann erneut die Pflastersteine. © Rebekka Wölky
Altstadt-Pflaster

EUV verlegt jetzt Hochleistungs-Steine am Castroper Marktplatz

Das Pflaster am Castroper Markplatz ist lose und klappert. Mehrmals musste der EUV es in den vergangenen Jahren austauschen. Nun ergreift man eine angeblich endgültige Maßnahme.

Schon wieder wird die Fahrbahn am Castroper Marktplatz saniert, und schon wieder wird dafür die Straße Am Markt aufgerissen und gesperrt. Diskussionen um das Marktplatz-Pflaster gibt es schon seit der ursprünglichen Sanierung der Fläche vor mehr als vier Jahren.

Seitdem musste die Straße Am Markt, die von Norden nach Süden rund 90 Meter am Marktplatz entlang verläuft, mehrmals ausgebessert werden. Denn immer wieder lösen sich Pflastersteine aus ihrem Fundament. Die Folge sind lockere Steine. Jedes hier fahrende Fahrzeug, ob Auto, Fahrrad oder Motorroller, erzeugt stellenweise ein klackerndes Geräusch.

Pflastersteine halten dem Verkehr nicht stand

Dass das Pflaster an dieser Stelle einer enormen Belastung ausgesetzt sein würde, wussten die Stadt, der EUV und die ausführenden Baufirmen von Anfang an. Denn über den Markt fahren hier nicht nur Autos und Fahrräder, sondern zum Wochen- und Weihnachtsmarkt sowie bei Kirmessen auch Lastwagen.

Vor Beginn der ursprünglichen Marktplatzsanierung habe man die Steine und das Verlegesystem gründlich geprüft. „Nach mehreren Jahren mussten wir jetzt aber endgültig feststellen, dass das damals gewählte Pflaster einer Belastung von bis zu 60 Tonnen nicht standhält“, erklärt EUV-Vorstand Michael Werner. „Trotz Gutachten und statistischen Berechnungen. Wir haben damals eine Gesamtleistung bestellt. Man kann uns also nicht vorwerfen, wir hätten in Kauf genommen, eine Fehlentscheidung zu treffen.“

Die Gesamtstruktur ist das Problem

„Die Bindung ist in der Gesamtheit nicht gegeben“, sagt Michael Werner im Fachjargon. Heißt: Die einzelnen Steine sind intakt, das Problem liegt in der Art, wie sie verlegt sind. Die mit nur acht Zentimetern relativ dünnen Steine liegen auf Kunststoffschienen. Die Dynamik beim Befahren ist sehr hoch. „Das Fugenmaterial wird zerrieben und wandert in das Fundament“, erklärt Werner. Dort wird es wasserundurchlässig und hebt die Steine aus der Bettung.

Auf dieser Testfläche im Deininghauser Weg in Castrop-Rauxel hat der EUV geprüft, ob das neue Pflaster den hohen Belastungen durch Auto- und LKW-Verkehr auch wirklich standhält.
Auf dieser Testfläche im Deininghauser Weg hat der EUV geprüft, ob das neue Pflaster den hohen Belastungen durch Auto- und LKW-Verkehr auch wirklich standhält. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

„Wir haben in den letzten Jahren mehrfach nachgebessert“, sagt Werner. Der EUV müsse schließlich sicherstellen, dass niemand über die losen Steine stolpert. „Aber nachbessern kann man da lange und immer wieder“, sagt Werner.

Deshalb bekommt die Straße jetzt neue „Hochleistungs-Steine“ (O-Ton EUV) mit anderem Fundamentsystem. „Wir sind überzeugt, dass das die richtige Entscheidung ist, um endlich mal Ruhe in den Schacht zu bringen“, sagt Werner.

Fugenloses Pflaster soll es künftig entlang des Marktplatzes geben. Anders als das bisher verlegte Natursteinpflaster aus hellgrauem Granit besteht es aus Beton und ist etwas dicker. Außerdem hat es einen Kautschuk-Mantel. Das Verlege-System hat eine Stabilitätsgarantie, Steine und Fundament kommen von einer anderen Firma als die erste Version.

Pflaster auf zwei Testflächen geprüft

Um sicherzugehen, dass das neue Pflaster hält, was es verspricht, hat der EUV die Steine 15 Monate lang auf zwei Testflächen geprüft: in der Einfahrt eines Logistikzentrums am Deininghauser Weg und auf einer Straßenkreuzung. Die Bilanz des EUV: Qualität und Stabilität reichen für die Verhältnisse am Marktplatz aus.

EUV beteiligt sich nicht an Facebook-Diskussion

  • Die neue Baustelle am Castroper Markplatz bietet Stoff für heftige Diskussionen auf Facebook. Nutzer werfen dem EUV vor, sich für die kostengünstigste anstatt für die nachhaltigste Lösung entschieden zu haben.
  • Der EUV-Vorstand weiß um diese Vorwürfe. „Wir antworten auf solche Facebook-Kommentare aber nicht, weil das sinnlos wäre“, sagt Michael Werner. „Wer sich informieren will, soll uns direkt kontaktieren. Wir haben nichts zu verbergen.

Am Montag (11.10.) fing nun die Firma Boymann, die bereits 2016 die Marktplatzsanierung durchgeführt hatte und in Zwischenzeit wiederholt nachbesserte, das Pflaster im ersten Bauabschnitt auszutauschen. Dieser verläuft von der Straße Am Stadtgarten bis zum Eingang der Sparkasse. Bis Anfang November will man auch mit dem zweiten Bauabschnitt fertig sein. Dann beginnen die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt mit Adventszelt.

Die Materialkosten für die erneute Sanierung belaufen sich auf 45.000 Euro. Den Einbau übernimmt Boymann Garten- und Landschaftsbau, das Material zahlt der EUV. Die Granitsteine, die entfernt werden, lagert der EUV ein. „Die nehmen wir für Ausbesserungsarbeiten an anderen Stellen“, sagt Werner.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky

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