Auf der Straßengabel Kreuzstraße / Grüner Weg in Obercastrop wurden am 14. Juli durch den Tornado Bäume entwurzelt. Einer stürzte auf einen Kleinwagen, andere auf Häuser. © Tobias Weckenbrock
Unwetter-Reaktion

EUV-Vize fordert radikales Umdenken: Klimaschutz muss Gesetz werden

Nach dem Unwetter fordert EUV-Vize Thorsten Werth-von Kampen ein radikales Umdenken. Klimaschutz müsse verankert werden, Stadt und Bürger müssten sich in der Verantwortung sehen.

Ein Tornado tobt durch Obercastrop. Die Emscher tritt fast über die Ufer. Felder nehmen kein Sickerwasser mehr auf. Der Mühlenteich überschwemmt Grundstücke. Die Kanalisation kann den Starkregen nur schwer fassen. Was Castrop-Rauxel am 14. Juli bei Tief „Bernd“ erlebt hat, reicht nicht an die Katastrophen heran, die sich etwa im Ahrtal abgespielt haben. Aber sie haben einen Vorgeschmack darauf gegeben, was in den kommenden Jahren passieren könnte.

An dieser düsteren Aussicht ließ Thorsten Werth-von Kampen, Vize des Stadtbetriebs EUV, bei einer Befragung durch den Betriebsausschuss 1 am Dienstag (27.7.) keinen Zweifel: „Wir haben mit dem Tornado in Obercastrop eine neue Qualität erreicht, dass ein lokales Ereignis einen Vorort mit solcher Kraft erwischen kann.“ Frohlinde sei vom Wasser gebeutelt worden, aber das, was in Obercastrop passiert sei, „war schon etwas Besonderes“, so Werth-von Kampen.

Dieses Besondere, dafür sprächen alle Hinweise, könnte sich in Zukunft aber zur Normalität entwickeln. „Es fehlt nach wie vor an Umwelt- und Klimaschutz, es fehlt uns an einem Stadtbild, das für solche Katastrophen gemacht ist“, so der Umweltexperte des EUV.

Nach 2013 hat man sich auf Katastrophen-Lagen vorbereitet

Man sei als Stadt mit Feuerwehr, EUV, THW gut eingespielt, um solche Lagen bewältigen zu können. Man müsse aber dringend daran arbeiten, dass sie gar nicht erst einträten, so der dringende Appell Werth-von Kampens gerade an die Politik.

Nach dem großen Unwetter von 2013 habe man eine weitgehende Überflutung des Stadtgebietes als Simulation durchgespielt. „Wir wären dafür gerüstet, zur Not auch bei einem Zusammenbruch aller Telefon- und Mobilfunknetze, mit dem uralten Meldezettel-System die Kommunikation und Infrastruktur wiederherzustellen“, so der EUV-Mann.

Der Mühlenteich in Frohlinde trat am 14. Juli über die Ufer. Das Wasser ergoss sich über den Mühlenkamp und in angrenzende Häuser.
Der Mühlenteich in Frohlinde trat am 14. Juli über die Ufer. Das Wasser ergoss sich über den Mühlenkamp und in angrenzende Häuser. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Bei der Alarmierung der Bevölkerung werde ab Ende des Jahres auch das dann wohl voll ausgebaute Sirenensystem helfen, so Feuerwehr-Chef Ulrich Vogel. Am 14. Juli sei das aus technischen Gründen aber „leider nicht einsatzfähig“ gewesen, gestand Vogel. „Das werden wir in Zukunft aber nicht mehr erleben“, versprach er.

Eine punktgenaue Warnung darüber, wo eine Windhose entlang ziehen oder ein Starkregen niedergehen werde, könne man aber auch in Zukunft nicht erwarten, machte Vogel auf Nachfrage klar. Auch in Bezug auf Warnungen vor Ereignissen, die am Ende gar nicht eintreten. Eine sublokale Genauigkeit in der Wetterwarnung sei nicht erreichbar: „Wir sind immer wieder mal alarmbereit, müssen dann aber nicht eingreifen. Damit müssen die Bürger umgehen lernen.“

Thorsten Werth-von Kampen sah die Castrop-Rauxeler in der Mitverantwortung. Einen Tornado könne man kaum vorbereiten, eine Überschwemmung etwa am Mühlenbach schon. Aber: „Wenn ich am Wasser baue, muss ich zur Not auch mit dem Wasser rechnen“, schrieb er den An- und besonders den Unterliegern des Bachs ins Stammheft. „Dann kann ich nicht immer nach der Stadt rufen.“

„Auch mal Grünflächen von Bebauung freihalten“

Solche Ereignisse würden sich häufen, das erfordere die Anpassung von Siedlungsbereichen, Hochwasserschutz an Gewässern, Kanalisation, Rückhaltemöglichkeiten. „Und wir müssen in Zukunft Grünflächen von Bebauung freihalten“, sagte Werth-von Kampen.

Im neuen Klimaanpassungskonzept, das man erarbeitet habe, würden solche Fragen aufgezeigt. Dazu geistere vielfach der Begriff der „Schwammstadt“ in den Diskussionen herum, der verdeutliche, worum es ginge: Nämlich im Notfall mit vielfältigen Maßnahmen möglichst viel Wasser aufnehmen zu können, ohne dass es Schaden anrichtet.

Zuletzt wurde Werth-von Kampen grundsätzlich: „Klimaschutz muss endlich die gleiche Priorität haben wie andere Dinge. Das muss von Land und Bund normativ verankert werden und nicht wie bisher wischiwaschi in Konzepten empfohlen werden.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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