Die Wohnungssuche ist schwer, vor allem für Familien mit mehreren Kindern. Aber spielt dabei auch die Herkunft eine Rolle? Haben es Familien mit ausländischen Namen schwerer? Wir fragten zwei Experten. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Wohnungsmarkt

Experten: Gibt es Diskriminierung wegen der Herkunft bei der Wohnungssuche?

Eine Castrop-Rauxeler Familie vermutet, wegen ihres ausländischen Namens keine Wohnung zu bekommen. Gibt es diese Diskriminierung? Wir haben Eigentümer-Verband und Mieterverein gefragt.

Familie Gül hält ihren Nachnamen dafür verantwortlich, keine Wohnung in Castrop-Rauxel zu bekommen. Mehrere selbst geschaltete Anzeigen und auch Wohnungsbesichtigungen brachten keinen Erfolg. Die Familie möchte eigentlich nicht aus Castrop-Rauxel weg, aber sie beginnt bereits, außerhalb zu suchen.

Unsere Berichterstattung hat eine intensive Debatte ausgelöst. Einige Leser schildern, dass sie auch mit ihrem deutschen Nachnamen Schwierigkeiten hätten, eine Wohnung zu finden, dass auch Kinder und Haustiere Gründe seien, bei der Suche leer auszugehen.

Ein Experte sieht kein grundsätzliches Problem

Was aber sagen Experten, die tagtäglich mit den Problemen von Mietern und auch von Vermietern konfrontiert sind? Gerold Happ ist Geschäftsführer des Haus-Eigentümerverbandes Haus & Grund. Im Gespräch mit unserer Redaktion schließt er zwar nicht aus, dass es Vermieter gibt, die Wohnungssuchende diskriminieren. Ein grundsätzliches Problem in der Branche sieht er aber nicht.

„Vermieter, besonders private Vermieter, legen Wert auf andere Dinge“, sagt er. „Die wünschen sich vor allem solide Mieter, bei denen man weiß, dass die Zahlungen zuverlässig kommen.“

Gerold Happ erklärt, dass privaten Vermietern besonders das Gespräch und das Kennenlernen wichtig sei: „Wenn es sich um ältere Leute handelt, die nebenbei vermieten wollen: Sie suchen unauffällige Mieter. Das ist aber eine individuelle Entscheidung.“

Klar sei: „Wenn Vermieter ein Haus haben, in dem vor allem Rentner leben, dann nehmen die natürlich eher einen weiteren Rentner.“ Ausländische Familien, gerade wenn sie mehrere Kinder haben, würden dann eher nicht berücksichtigt.

Rechtsanwalt Bernd Holthoff vom Mieterbund Dortmund hingegen erkennt schon Muster: „Das ist ein sehr großes Problem, das kann ich mir sehr gut vorstellen“, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Der Wohnungsmarkt sei sehr angespannt. Gerade dann sei Diskriminierung und Ausgrenzung auf der Basis der Herkunft ein Problem.

Das Kernproblem sei aber: Wie beweist man das? Bernd Holthoff: „Ein Vermieter muss nicht darlegen, wieso er sich für oder gegen einen Bewerber entschieden hat.“ Nur wenn es eindeutige Beweise für eine Diskriminierung gibt, dann könne man den Vermieter auf Schadensersatz verklagen, erklärt er. „Wenn man sich deswegen eine andere teure Wohnung nehmen musste, könnte man das geltend machen. Aber das ist wegen der fehlenden Beweisbarkeit kaum möglich.“

Große Familien haben es schwer

Im Zuge der Berichterstattung hatten sich bei uns verschiedene Familien gemeldet, die mit vielen Kindern nach einer Wohnung suchen. Dass die Wohnungssuche für große Familien unabhängig von der Herkunft schwierig ist, bestätigt Gerold Happ von Haus & Grund: „Als Vermieter muss man immer schauen, dass man eine Wohnung nicht überbelegt.“

In der Corona-Zeit seien in seinen Augen zwar die Mieten unverändert geblieben, aber die Suche gestalte sich deutlich schwieriger.

Bernd Holthoff erlebt es beim Mieterbund immer wieder, dass Familien Probleme haben, eine Wohnung zu finden: „Kinder machen Lärm und sind laut. Das ist das Normalste auf der Welt.“ Viele Vermieter würden es sich nicht mit bestehenden Langzeitmietern verscherzen wollen, indem sie an junge Familien vermieten.

Gerold Happ merkt an: „Es ziehen weniger Menschen aus und Wohnungsbesichtigungen sind schwierig geworden.“ Mit Maske und Abstand sei das alles andere als optimal.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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