Auch in diesem Jahr gibt es in Castrop-Rauxel nicht genug Kita-Plätze. © picture alliance/dpa
Kindergarten

Familie Hein wartet seit Monaten auf Kitaplatz: „Das ist ein Systemfehler“

Maximilian Hein wird im Oktober drei Jahre alt. Eigentlich soll er bald in die Kita. Aber freie Plätze gibt es in Castrop-Rauxel nicht mehr. Seine Mutter startet einen verzweifelten Aufruf.

Eileen Hein ist verzweifelt. Mittlerweile sucht sie sogar mit einem Facebook-Aufruf nach einem Kitaplatz für ihren Sohn Maximilian. Der Zweijährige soll ab August in den Kindergarten, aber im Januar kassierten die Heins eine Absage der Stadt Castrop-Rauxel. Man könne der Familie keinen Platz anbieten.

Eileen Hein: „Wir haben uns dann natürlich direkt auf die Warteliste setzten lassen, aber seitdem ist nichts mehr passiert.“ Immer wieder haben sie und ihr Mann bei der Stadt angerufen, aber wurden bisher nur vertröstet.

Wenn ein Kind nicht in die Kita gehen kann, dann ist die Tagesmutter eine Option. Aber Kinder dürfen nur bis zum dritten Lebensjahr in die Tagesbetreuung. „Mein Sohn wird im Oktober drei Jahre alt. Ich habe zwar Tagesmütter mit freien Plätzen gefunden, aber die dürfen uns nicht nehmen.“ Bis zum Oktober würde es sich bei der Tagesmutter nicht lohnen. „Bis der Kleine da eingewöhnt ist, müsste er schon wieder raus. Das ist nicht gut fürs Kind.“

Für Eileen Hein aus Ickern ist ein Kitaplatz gerade die einzige Option, aber den bekommt sie nicht. „Man merkt im Umgang mit Gleichaltrigen jetzt schon, dass ihm etwas fehlt.“ Gerade wegen der Corona-Pandemie habe Maximilian kaum noch Kontakt mit anderen Kindern: „Es ist ja alles ausgefallen. Am Anfang gab es noch Krabbelgruppe und Babyschwimmen, aber wegen der Pandemie war nichts.“ Für die Kinder nicht die beste Lösung: „Das können Eltern nicht leisten, was ausgebildete Erzieher und Gleichaltrige dem Kind geben können.“

Viel Vitamin B im Spiel

In ihrem Umfeld hätten viele Eltern schon im Januar die Zusage für die Wunsch-Kita bekommen: „Da waren dann auch öfter Verbindungen im Spiel. Da kennt jemand wen, der wen kennt.“ Eigentlich möchte Eileen Hein wieder arbeiten gehen, aber vorerst wird daraus nichts.

Wenn nur ein Elternteil berufstätig ist, dann sinkt das Kind in der Kita-Priorität. Aber bis Maximilian im Kindergarten ist, kann sich Eileen Hein keinen neuen Job suchen. Ein Teufelskreis. „Es stellt einen so ja niemand ein, wenn man nicht sagen kann, wie das mit der Kinderbetreuung aussieht.“

Die Kitaplätze in Castrop werden über die Online-Plattform Kita-Navigator vergeben. Eltern können sich drei Kitas wünschen und geben alle relevanten Informationen an. Kinder, die schon Schwester oder Bruder in der Kita haben, werden bevorzugt, der Wohnort spielt eine Rolle, ob die Eltern arbeiten oder nicht. Nach diesen Kriterien steht Familie Hein recht schlecht da. Eileen Hein: „Es ist ja auch richtig, dass Alleinerziehende Vorrang haben, aber es muss einfach insgesamt mehr Plätze geben.“

Absagen im März verschickt

Es gibt insgesamt 41 Kitas im Stadtgebiet. Trotzdem gibt es nicht genug Platz für alle Familien. Bereits 2020 gingen 167 Kinder leer aus. Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann: „Im Januar erhalten Eltern die Zusagen über einen Kitaplatz, dann werden die Betreuungsverträge zwischen den Einrichtungen und den Eltern geschlossen, und da dann immer noch etwas Bewegung drin ist, werden die Absagen im März verschickt.“ Wer wie Familie Hein eine endgültige Absage erhält, der kann sich danach auf die Warteliste setzen.

Es gibt in Deutschland einen Anspruch auf einen Kitaplatz, allerdings müssen per Gesetz Kommunen nur darauf „hinzuwirken, dass für diese Altersgruppe ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht.“ Eltern können sich auf einen Kitaplatz einklagen. Für Familie Hein noch keine Option: „Wir haben drüber nachgedacht, aber wer weiß, wie lange das dauert. Und kurzfristig löst es unser Problem nicht.“ Wenn sich auf der Warteliste nichts tut, muss Eileen Hein wohl oder übel zu Hause bleiben. „Wir haben das Glück, dass wir uns das leisten können, weil mein Mann die Familie versorgt.“

Das System ist Schuld

Der Fehler liegt für die Mutter nur in Teilen bei der Stadt Castrop-Rauxel, auch das System sei Schuld: „Das ist ein Systemfehler. Es ist ja klar, wie viele Kinder in Castrop-Rauxel geboren werden. Direkt nach der Geburt bekommt man ja sogar Besuch vom Jugendamt. Da könnten die ja mit nachfragen, wann man sein Kind in die Kita geben will.“

So hätte die Stadt genug Vorlaufzeit, um für ausreichend Plätze zu sorgen, findet Eileen Hein. Die Regelung, dass Tagesmütter Kinder nur bis zum dritten Lebensjahr betreuen dürfen, hält sie für unsinnig, solange es nicht genügend Kitaplätze gibt „Wir haben schon Plätze in Datteln gesucht, aber da ist natürlich auch nichts mehr frei.“ Sie würde für einen Platz mittlerweile auch nach Waltrop oder Dortmund-Mengede fahren, aber Kitaplätze würden auch dort fehlen.

Ihren Sohn schon mit einem Jahr in die Kita zu schicken, habe sie immer abgelehnt, weil sie das zu jung fand: „Mittlerweile überlege ich wirklich, ob das die richtige Entscheidung war. Vielleicht hätte er dann jetzt einen Platz.“ Auf ihren Facebook-Post meldete sich auch noch eine weitere Familie. Auch sie rutscht offenbar durchs System: „Das Problem haben wir auch. Sind aber erst im Dezember nach Castrop gezogen. Das heißt, ich konnte mich gar nicht vorher anmelden. Keine Ahnung, wie die sich das immer vorstellen.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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