Bei einer Fragerunde stellten sich die Bundestagskandidaten (v.l.) Marlies Greve (FDP), Frank Schwabe (SPD), Michael Breilmann (CDU) und Nils Stennei (Grüne) den Erstwählern im Bürgerhaus. © Nora Varga
Bundestagswahl 2021

Fragerunde in Castrop-Rauxel: Wenn Erstwähler auf Politprofis treffen

Vier Bundestagskandidaten haben sich in Castrop-Rauxel Erstwähler-Fragen gestellt. Schnell wird klar: Die jungen Wähler haben es schwer, die erfahrenen Politiker in Verlegenheit zu bringen.

Etwa 15 Jugendliche und die Bundestagskandidaten von SPD, CDU, FDP und Grünen sitzen am Montagnachmittag (30.8.) im Bürgerhaus in Castrop-Rauxel. Die Fragerunde mit den Kandidaten ist der Abschluss der Konferenz für Erstwähler, veranstaltet von der Volkshochschule, dem Verein zur Förderung politischen Handelns (v.f.h.) und dem Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa). Vor Beginn gibt es Irritation, Linken-Kandidat Uwe Biletzke fehlt. Er hat die Veranstaltung vergessen.

Die Veranstaltung ist unterteilt in mehrere Themenblöcke. Es geht um Klimaschutz, soziale Fragen, Wirtschaft und Integration. Nach einer Schnellfragerunde, in der die Kandidaten mit Smileys ihre Meinung zu CO2-Steuer oder Klimawandel kundtun, dürfen die Schüler Fragen stellen.

Die Antworten der Kandidaten darauf bleiben ein Einheitsbrei. Das liegt aber nicht nur an den Politikern, sondern auch an den Fragen der Erstwähler. Wer auf Fragen wie „Hätte man die Klimakrise früher erkennen können?“ oder „Sollte man mehr gegen Kinderpornografie tun?“ eine echte Debatte oder gar Streit erwartet, hatte es noch nie mit Politik-Profis zu tun.

Schüler sind gut vorbereitet

Dabei haben sich die Schülerinnen und Schüler gut vorbereitet: Sie konfrontieren beispielsweise den SPD-Kandidaten Frank Schwabe konkret mit seinen Aussagen im Bundestag. Dass sie es dann dann versäumen, bei seinen Antworten nachzuhaken, mag ihrer Unerfahrenheit geschuldet sein.

Routiniert geben die Kandidaten Antworten, und nur wenn man zwischen den Phrasen genau zuhört, kann man die unterschiedlichen Positionen der Parteien ausmachen. Spannend wird es vor allem dann, wenn die Kandidaten sich gegenseitig sticheln. Aber über ein „Sie haben das ja verhindert“, geht auch das nicht hinaus.

Die AfD war zu der Runde nicht eingeladen. Das passiere grundsätzlich bei Veranstaltungen des v.f.h. nicht, heißt es von diesem. Die Partei sei gerade in den letzten Jahren zu rechtsradikal geworden. Der Beschluss soll die Teilnehmer und Gäste schützen.

Trotzdem sind Erstwähler und Veranstalter mit der Diskussionsrunde zufrieden. Eine Schülerin, Lia Steinberg (17), sagt: „Ich fand es sehr interessant, den Politikern zuzuhören und mehr Einblick in ihr Wahlprogramm zu erhalten.“ Für den Schüler Federico Ogliastro (16) zählt vor allem der persönliche Kontakt. Oft sei einem der Kandidat sympathischer, als die Partei, für die er steht. Dass es in einer Partei trotzdem verschiedene Meinungen geben darf, macht für den Schüler Demokratie aus.

Die Teilnehmer sind sich bewusst, dass sie die Entscheidungen, die die Politik jetzt trifft, noch lange tragen müssen. Rosalie Starke (16): „Wir sind die Zukunft, deshalb müssen wir uns politisch beteiligen.“

Über die Autorin
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Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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