Bürgermeister Rajko Kravanja im Gespräch mit den Streikenden Verdi-Mitgliedern vor dem Real an der Siemensstraße. © Nora Varga
Streikaktion

Fronten in der Real-Belegschaft verhärtet: „Für mich sind die gestorben“

Globus wird den Real in Castrop-Rauxel übernehmen, inklusive Mitarbeiter. Die Entscheidung spaltet die Belegschaft. Am Donnerstag standen sich die Fronten vor dem Geschäft gegenüber.

Zwei Menschengruppen stehen sich am Donnerstagmorgen (20. Mai) auf dem Real-Parkplatz gegenüber. Die eine ist gekleidet in gelbe Westen, trägt Verdi-Anstecker und hat sich mit Kaffee auf einen langen Streik-Morgen eingestellt.

Auf der anderen Seite stehen dreimal so viele Menschen in den typischen Real-Arbeitswesten. Sie bleiben nur kurz und gehen dann geschlossen wieder in den Markt.

Zwischen den Gruppen steht Bürgermeister Rajko Kravanja.

Konflikt schwelt in der Real-Belegschaft

Der Warnstreik der Verdi-Fraktion und der Gegenprotest der Globus-Befürworter am Donnerstag sind der Gipfel eines Konflikts, der in der Real-Belegschaft schwelt. Die einen fürchten eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Löhne durch die Globus-Übernahme. Die anderen freuen sich auf die Übernahme und halten es für einen Schritt in die richtige Richtung.

Heiko Paschek gehört zu denen, die die Übernahme befürworten. Er findet es ein wichtiges Zeichen der Globus-Befürworter, sich am Morgen als große Gruppe gezeigt zu haben: „Wir wollen unterstreichen, dass die Mehrheit der Real-Beschäftigten für die Übernahme ist. Wir sind nicht feige, wir zeigen uns.“

Auch Rolf Wingels steht auf der Seite der Globus-Befürworter: „Das ist ein familiengeführtes Unternehmen. Wir freuen uns auf eine vernünftige Zukunft mit sicheren Arbeitsplätzen.“ Dass sich ihre Verträge verschlechtern könnten und sie dann weniger Lohn bekommen, bereite ihnen keine Sorgen. Aileen Ganskoweit: „In der Sitzung des erweiterten Betriebsrates, wurde dargelegt, was wir da erwarten können. Es gibt für uns keinen Grund, Globus da zu misstrauen.“ Auch in anderen Städten habe die Übernahme durch Globus eine Verbesserung für die Beschäftigten gebracht.

Auch Bürgermeister Rajko Kravanja betont das Vertrauen in den neuen Partner Castrop-Rauxels: „Ich habe in den Gesprächen einen guten Eindruck gewonnen und für mich gibt es keinen Grund, Globus zu misstrauen.“ Für Castrop-Rauxel sei das Familienunternehmen eine Bereicherung. Neben mehr Jobs entstünden auch wieder eine eigene Bäckerei und mehr Raum für Auszubildende.

Angst um die künftigen Arbeitsbedingungen

Auf der anderen Seite stehen etwa zwei Dutzend Real-Mitarbeiter, die sich vehement gegen die Folgen einer Übernahme wehren. Was für ihre Kollegen eine sichere Zukunft ist, klingt für sie nach einem Albtraum.

Dennis Walter aus dem Betriebsrat: „Bei Globus werden eigene Entgelt-Strukturen angewandt, die zum Teil deutlich weniger Lohn bedeuten als der Verdi-Flächen-Tarifvertrag.“ Die Streikenden fordern die Allgemeinverbindlichkeit der Tariflöhne, damit die Arbeitsbedingungen beim Übergang auf Globus nicht schlechter werden. Die Aktion ihrer Kollegen ärgert Desiree Simon: „Wir müssen nach Außen als eine Einheit stehen.“

Dennis Walter und Desiree Simon fürchten schlechtere Arbeitsbedingungen unter Globus.
Dennis Walter und Desiree Simon fürchten schlechtere Arbeitsbedingungen unter Globus. © Nora Varga © Nora Varga

Rajko Kravanja kann auch die Position der Globus-Skeptiker verstehen. Für ihn sind die beiden Positionen durchaus vereinbar. Auf der einen Seite gehe es um die Frage, ob man Globus vertrauen schenke. „Auf der anderen Seite geht es aber darum, auch langfristig noch mal für Tarifverträge einzustehen. Und die Lösung jedes Konfliktes im Einzelhandel wäre eben ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag, der in jedem Unternehmen gleich gilt.“

Die Fronten zwischen den Positionen scheinen verhärtet und die Grabenkämpfe in der Belegschaft wirken trotz beschwichtigender Worte des Bürgermeisters tiefer den je. Auch Mitglieder des Betriebsrates stehen unter den Globus-Befürwortern. Für einige Streikende auf der Gegenseite ein krasser Widerspruch. Eine Streikende wählt drastische Worte: „Für mich sind die da drüben gestorben.“

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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