Nachdem er seine Geldbörse verlor, wurde einem jungen Castrop-Rauxeler die Identität gestohlen. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Kriminalität

Geldbörse verloren: Jungem Castrop-Rauxeler wurde die Identität gestohlen

Ein 25-Jähriger verlor im letzten Herbst seine Geldbörse mit wichtigen Dokumenten. Das hatte Folgen. So wurden mit seiner Identität gleich mehrere Handyverträge geschlossen.

Im Spätherbst 2020 vermisste ein 25-Jähriger seine Geldbörse. Er glaubte kurz, seine Kinder hätten diese zwischen den Spielsachen versteckt. Bis auf dem Konto Abbuchungen auftauchten, die sich der Lokomotivführer nicht erklären konnte.

Ihm schwante, dass jemand im Besitz seiner Börse war, inklusive Bargeld, Girocard, Führerschein und vorläufigem Personalausweis.

Jemand hatte sich seiner Identität bemächtigt und gleich mehrere Geschäfte abgeschlossen. Insgesamt wurden vier Mobilfunkverträge mit unterschiedlichen Anbietern abgeschlossen, die als Draufgabe neben dem Smartphone noch ein Tablet und eine Smartwatch boten.

Paketkarte verriet Namen

Um an die bestellte Ware zu kommen, wurde in einem Haus eine der Klingeln mit dem Namen des Bestohlenen überschrieben, die Lieferung abgefangen. Allerdings traf die Post in einem Fall niemanden an und hinterließ eine Abholkarte für einen Paketshop. Dort tauchte auf der Vollmacht für Dritte ein Name auf, der tatsächlich an der fraglichen Anschrift gemeldet war.

Er gehört zu einer 47-jährigen Frau, die sich nun vor dem Strafrichter wegen mehrerer Diebstähle sowie Urkundenfälschung verantworten musste.

Die Angeklagte wies jedoch alle Schuld von sich, lenkte den Verdacht auf andere Mitbewohner des Mehrfamilienhauses. „Das ist nicht meine Unterschrift“, bekundete sie angesichts der Vollmacht für den Habinghorster Paketshop. Wo sie aber, wie die Inhaberin des Shops als Zeugin aussagte, sich neben der Unterschrift auch per Personalausweis habe legitimieren müssen.

Währenddessen war der namentliche Empfänger nicht untätig. Gemeinsam mit seiner Partnerin verfolgte er die Belastungen auf seinem Konto zurück, erhielt von den Mobilfunkanbietern Daten. Und damit die Adresse der Angeklagten.

Weiterer Verdacht

Vor Ort entdeckte das Paar, dass der Name des Bestohlenen auf einer der Klingeln prangte und erstattete Anzeige. Außerdem händigte ihnen ein Anwohner aus dem Gemeinschaftsbriefkasten diverse Briefe aus, die an den Namen des Zeugen mit der fingierten Anschrift eingetrudelt waren. Allesamt Rechnungen und Mahnungen.

Eine Wendung nahm der Prozess, als die Partnerin des Bestohlenen weitere Fakten nannte, die dem Gericht nicht vorlagen. Dabei ging es um Lieferungen eines Getränkedienstes. Andere Adresse, gleiche Masche.

Weil die Firma der Zeugin keine Auskünfte gab, sollen diese nun mit richterlichem Beschluss eingeholt werden. In drei Wochen wird die Verhandlung fortgesetzt. Da will die Angeklagte dann auch freiwillig erscheinen. Weil sie einen früheren Termin ignoriert hatte, wurde sie jetzt aus der Untersuchungshaft heraus ins Gericht geleitet.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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