Das Verkehrschaos brach am 4. Oktober in der Castroper Altstadt aus. Dieser Gelenkbus fuhr sich in einer engen Kurve fest und schabte sich den Lack am Heck ordentlich ab. © Tobias Weckenbrock
Stau am Biesenkamp

Gelenkbus-Havarie und ob die Stadt aus diesem „Einzelfall“ lernt

Ein Gelenkbus verstopfte am 4. Oktober fast zwei Stunden lang Teile der Castroper Altstadt. Was lehrt dieser Vorfall die Stadtverwaltung? Wir fragten an und bekamen nun Antworten.

Das kleine „Gelenkbus-Drama“ in Castrop: Es war nur eine kurze Angelegenheit von 90 Minuten, dann war alles Geschichte. Die Bogestra hatte auch anschließend noch Arbeit damit, denn der Hybrid-Bus des Unternehmens hatte erhebliche Schäden an der Hinterseite. Ansonsten verlief die Sache bis auf einige Buslinien-Ausfälle im ganzen Stadtgebiet glimpflich.

Aber vielleicht nur, weil drei engagierte Bürger, die die anfangs chaotische Lage auf dem Biesenkamp beobachteten, beherzt reagierten: Als Autos sich auf dem Gehweg am havarierten Bus vorbeizudrängeln begannen, da ließen sie die Arbeit bei der Diakonie-Tagespflege am Wichernhaus ruhen und regelten den Verkehr: Sie ließen ihn vom Markt und von der Wittener Straße auf die Straße Am Bennertor fließen. Genau die richtige Idee.

Aber offen bleibt die Frage: Hätten die Stadt als Ordnungsbehörde und die Feuerwehr hier nicht am 4. Oktober der Polizei aushelfen können/müssen? Die gab nämlich an, dass sie gerade an anderer Stelle zu viel zu tun gehabt habe und darum hier nicht mit einem Streifenwagen eingreifen könne.

Die Stadtverwaltung antwortet nun nach einer Woche auf unsere Anfrage vom 5. Oktober: „Es handelte sich hier um einen absoluten Einzelfall. Der Kommunale Ordnungsdienst hat sich, nachdem die Meldung über den Vorfall einging, umgehend zum Unfallort begeben. Als die Mitarbeiter eintrafen, war die Situation jedoch bereits gelöst.“

„Es werden zusätzliche Absprachen getroffen“

Umleitungen wie die, die der Auslöser für das Bus-Drama war, gäbe es immer wieder bei Veranstaltungen in der Altstadt, die von Einbahnstraßenregelungen geprägt ist. „Sofern Busunternehmen durch Baumaßnahmen, Veranstaltungen etc. involviert sind, werden diese ebenfalls informiert und, falls notwendig, werden zusätzliche Absprachen getroffen“, so Sprecherin Uta Stevens. „Das Konzept der Absperrung und die Umleitungspläne waren dem ÖPNV bekannt.“

Am Ende flexte die Feuerwehr nach etwa 90 Minuten Straßensperre durch den Gelenkbus ein Parkplatz-Schild, das vom Biesenkamp in Richtung Marktplatz weist, ab. So konnte der Bus weiter fahren. Aber wird das Schild wieder an derselben Stelle aufgerichtet? Oder gibt es andere Lehren aus diesem Einzelfall? „Neu bekannt werdende Verkehrsprobleme werden durch den Bereich 32 immer aufgenommen und bei der Planung der nächsten Veranstaltung berücksichtigt“, so Stevens.

Bleibt die Frage, ob die Diakonie-Mitarbeiter sich richtig verhalten haben, indem sie den Verkehr regelten. Die könne nur die Polizei beantworten, so die Stadtverwaltung. Und was sagt die? „Generell sind für uns hier der Paragraf 36 und 44 der Straßenverkehrsordnung relevant“, erklärt Sprecher Andreas Lesch. Geregelt ist darin, dass die Polizei den Verkehr mit Zeichen und Weisungen regeln kann, wie also mit welchen Zeichen und Weisungen sie es zu tun hat und dass Verkehrsteilnehmer denen Folge zu leisten haben.

Es sei sinnvoll, dass die Polizei als Ordnungsbehörde diese Aufgabe übernehme, „weil der fließende Verkehr mit Gefahren verbunden ist“ – und weil ein nicht als Polizist zu erkennender Bürger nicht die Autorität und Sichtbarkeit auf die Straße bringt.

Und zum konkreten Fall, ob es gut war, dass die Diakonie-Mitarbeiter eingesprungen sind, weil die Polizei nicht da war: Dazu werde man sich nicht offiziell äußern, so Lesch.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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