Der Mühlenteich in Frohlinde trat über die Ufer. Das Wasser ergoss sich über den Mühlenkamp und in angrenzende Häuser. Rund um den Mühlenbach gibt es hier ein Überschwemmungsgebiet, das in der Geodatenbank erfasst und bekannt ist. © Tobias Weckenbrock
Unwettertief Bernd

Geoportal weist drei bewohnte Überschwemmungsgebiete in Castrop-Rauxel aus

Während sich in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz die Katastrophenlage bis Freitag verschärft hat, ist Castrop-Rauxel zwei Tage nach dem starken Regen mit Hochwasser nicht konfrontiert. Warum?

Alle Augen schauen auf die Ruhr. Und die Rur. Und die Talsperren. Auf kleinere Flüsse und Bäche. Auf die Emscher auch, doch da ist alles glatt gelaufen. Darum ist Castrop-Rauxel von den schlimmsten Auswirkungen, die die Unwetter-Katastrophe andernorts hatte, verschont geblieben.

Aber es gibt zumindest drei Überschwemmungsgebiete in Castrop-Rauxel, in denen Häuser stehen. Und dort gab es zum Teil am Mittwochabend auch Probleme mit vollgelaufenen Kellern.

Auf einer Karte im Geoatlas des Kreises Recklinghausen und des Regionalverbandes Ruhr im Internet (www.geoportal.gkd-re.de) kann man sich Hochwasserrisikogebiete anzeigen lassen. Vor allem die „Überschwemmungsgebiete“, die in drei Klassen eingeteilt sind, sind interessant.

In drei Stufen klassifiziert

Demnach sprechen die Daten von drei Gefahrenstufen: HQ 10 bis 50, HQ 100 und HQ 500. Sie bezeichnen Gebiete, in denen ein Hochwasserereignis statistisch gesehen einmal in 500 Jahren, in 100 Jahren und in 10 bis 50 Jahren zu erwarten sind.

Wenn man sich bei der Betrachtung allein auf Wohngebiete beschränkt, ist ein Viertel in Frohlinde das mit der größten Betroffenheit: Rund um den Mühlenbach liegen einige Abschnitte der Anwohnerstraßen Melchiorstraße / Kirchlinder Straße / Merklinder Straße / Mühlenkamp in einem Gebiet der Klasse HQ100, hier bezeichnet auch als Überschwemmungsgebiet ohne technischen Hochwasserschutz.

Und in der Tat: Hier kam es am Mittwochabend zu Problemen. Im Eckhaus an der Merklinder Straße / Dortmunder Straße sahen wir gegen 19.30 Uhr Pumparbeiten mit einem Traktor, von dessen Fassanhänger ein riesiger Schlauch in den Keller des Gebäudes führte. Und vom Mühlenkamp meldete die Feuerwehr gegen 18 Uhr drei Einsätze mit dem Einsatzstichwort „Keller“.

Der Mühlenteich, durch den der Mühlenbach fließt, trat hier wie berichtet über die Ufer. Obwohl es hier mehrere Becken gibt, die auch ein Überlaufen verhindern sollen. Der vorhandene Hochwasserschutz reichte hier nicht aus.

Auch in Ickern und Rauxel gibt es Überschwemmungszonen

In Ickern gibt es eine zweite als Überschwemmungsgebiet gekennzeichnete Zone rund um Heinestraße / Karolinenstraße / Ruprechtstraße und Friedrichstraße. In derselben Rubrik liegt ein kleiner Bereich in Rauxel Bahnhofstraße auf Höhe der Venusstraße / Alleestraße / Maslingstraße. Hier hängt die Problematik auch mit dem durchfließenden Deininghauser Bach zusammen.

Die größte Überschwemmungszone ist aber die am Hochwasser-Rückhaltebecken Ickern / Mengede. Genau dafür ist sie aber auch da und verrichtete ihren Dienst zum Katastrophenschutz am Mittwochabend und Donnerstagmorgen hervorragend.

Die Stadt Castrop-Rauxel befasst sich seit einigen Jahren intensiver mit dem Thema. Es gibt ein Klimaanpassungskonzept, in dem es heißt: „Bereits heute ist der Klimawandel in Castrop-Rauxel spürbar. Analysen für die Stadt zeigen, dass aufgrund der zukünftig steigenden Temperaturen mehr Hitzewellen und Trockenheit sowie veränderte Niederschläge zu erwarten sind. Die Verteilung von Niederschlägen im Jahresverlauf wird sich verschieben: Sommer werden trockener und Winter bzw. Frühjahr feuchter.“

„Klimaanpassungskonzept“ in Arbeit

Und dann: „Zusätzlich ist zu erwarten, dass ein größerer Anteil der Niederschläge als Starkregen fällt. Das städtische Kanalnetz kann für diese extremen Niederschläge nicht ausgelegt werden. Der Umgang ist eine Gemeinschaftsaufgabe, an der sich alle in der Stadt beteiligen müssen.“

Mögliche Maßnahmen, heißt es, seien sehr vielfältig, müssten aber auch auf das Quartier zugeschnitten sein. Regenwasser kann geregelt auf Grünflächen abgeleitet oder in Becken zurückgehalten werden, man kann aber auch konkret Gebäude mit Fenster-Abdichtung oder Überlaufschützen sichern.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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