Die Willy-Brandt-Gesamtschule will einheitliche Endgeräte für alle Schüler. © Jens Lukas

Gesamtschule will Laptops für alle – dagegen regt sich Widerstand

Die Willy-Brandt-Gesamtschule will in die digitale Zukunft. Ohne iPads. Schüler sollen gleiche Laptops kaufen oder leasen. Das gefällt nicht allen Eltern. Auch für die Politik ist das Thema.

Wenn digitaler Unterricht gelingen soll, brauchen Lehrer und Schüler Endgeräte. In den meisten weiterführenden Schulen in Castrop-Rauxel werden iPads eingesetzt. Nicht aber in der Willy-Brandt-Gesamtschule (WBG). Sie hat ein Konzept für digitalen Unterricht erarbeitet, das allen Schülern die gleichen Voraussetzungen bieten soll. Doch dieses Konzept sorgt nun für allerlei Aufregung.

Die WBG setzt nämlich auf Rechner, die mit dem Betriebssystem Windows von Microsoft laufen. Und sie möchte, dass möglichst viele Schüler und Lehrer diese Rechner nutzen. Dabei fühlt sich die Schule von der Stadt zu wenig unterstützt.

Am Mittwoch (26.5.) hatte sie ihr Konzept bei einem digitalen Infoabend erneut erläutert. Es sei auch darum gegangen, Falschmeldungen richtig zu stellen, sagte Thomas Grube, Koordinator an der Willy-Brandt-Gesamtschule, hinterher unserer Redaktion. Doch um was geht es, wo liegen die Probleme?

Problem Nr. 1: Alle Schüler, so sieht es das Konzept der Schule vor, sollen mit den gleichen Windows-Laptops arbeiten. Sie müssen von der Schule administrierbar sein, lautet ein Argument. Die Schule hat dafür in Zusammenarbeit mit der Firma AfB-Mobiles Lernen in monatelangem Verhandeln ein attraktives Leasingmodell entwickelt.

Schulkonferenz hat im März Einsatz einheitlicher Endgeräte beschlossen

19,50 Euro im Monat sollen Eltern für das Dell-Gerät zahlen. Auch eine Kaufoption für 660 Euro gibt es. Damit verbunden ist technische Unterstützung. Empfänger von Sozialleistungen oder Eltern mit niedrigem Einkommen können die Geräte zu günstigeren Konditionen erhalten.

Die Einführung wurde in der Schulkonferenz im März beschlossen, in der Lehrer, Eltern und Schüler vertreten sind. Dennoch haben Eltern gegen das Konzept protestiert. Unter anderem haben die Elternvertreter einer siebten Klasse an die Bezirksregierung in Münster geschrieben. Am Donnerstag (27.5.) hat eine Elternvertreterin die Klassenpflgeschaftsvorsitzenden und die Schulleitung über eine Antwort aus Münster informiert.

Demnach entspreche der Beschluss der Schulkonferenz nicht der Rechtslage, die Einführung der Dell-Geräte müsse freiwillig geschehen und die Schule brauche einen Plan B, fasst die Klassenpflegschaftsvorsitzende die Auskünfte zusammen, die sie von der Bezirksregierung erhalten habe.

Doch Schulleiterin Violetta Kroll-Baues bestätigt diese Auskunft am Freitag (28.5.) auf Anfrage unserer Redaktion nicht. Sie habe sich von der Bezirksregierung bestätigen lassen, dass der Beschluss der Schulkonferenz regelgerecht sei. Eltern seien nicht verpflichtet gewesen, ein Gerät zu leasen. „Wir freuen uns, dass so viele Eltern sich freiwillig dafür entschieden haben“, sagt sie.

Eltern haben wegen Corona bereits Geräte für ihre Kinder gekauft

„Die Schule entscheidet über unseren Kopf hinweg“, sagt dagegen Dirk Bittner. Er ist Vater einer WBG-Schülerin und nennt konkrete Kritikpunkte. „Es geht um die Vorgehensweise der Schule, gar nicht mal um das konkrete Angebot.“ Eine Einzelbefragung habe es nicht gegeben. Viele Eltern hätten in der Corona-Pandemie ihren Kindern bereits digitale Geräte gekauft, nennt er ein ihm wichtiges Argument.

Die Schule hat zwar informiert, dass die Firma AfB solche Geräte auch per Kauf übernehmen würde. Für Dirk Bittner ist aber klar, dass das einen finanziellen Verlust für Eltern bedeuten würde. Und wer seinen Laptop oder ähnliches mit Ratenzahlung erworben hat, könne das Gerät ja gar nicht verkaufen.

Es gibt aber auch noch Problem Nr. 2: Als es um Endgeräte aus dem Beschaffungsprogramm von Land und Bund ging, konnten die Schulen aus mehreren Paketen wählen. Eines davon enthielt Windows-basierte Rechner, wie es die WBG wünschte. Die bekamen die Lehrer auch. Nur: Beim Sofortbeschaffungsprogramm für Schüler gab es keine Wahl. Die 172 Geräte, die an bedürftige Schüler verteilt werden, sind iPads. iPads, die sie also gar nicht brauchen.

iPads für bedürftige Schüler sind vor allem für Homeschooling

Schulleiterin Violetta Kroll-Baues hatte in der Vergangenheit erklärt, es sei wünschenswert, dass auch diese Kinder einen Rechner leasen oder kaufen. Denn mit den iPads könne einiges nicht in der Schule gemacht werden. Zum Beispiel könnten sie nicht an digitalen Prüfungen teilnehmen oder Schul-Software nutzen. Das gilt im Übrigen auch für andere private Geräte, die Schüler mitbringen.

Die iPads seien vor allem für das Homeschooling nützlich, so sagt es die Schulleiterin. Und so erläutert auch die Stadt auf Anfrage dieser Redaktion. „Es spricht aber auch nichts gegen den vollwertigen Einsatz im Unterricht, dazu bedarf es in diesem Fall keiner Verbindung zum lokalen Schulserver mit einem Windows-Notebook“, schreibt Stadt-Pressesprecherin Julia Schulze.

Dass die Lehrer Windows-Geräte bekommen konnten, sei möglich gewesen, weil bei dieser Zahl der Geräte der Mehraufwand beim Support durch die Stadtverwaltung vertretbar sei.

„Für die Ausstattung der größeren Zahl der bedürftigen Schüler gemäß Förderprogramm konnte ausschließlich ein Paket angeboten werden“, schreibt Julia Schulze. Hintergrund sei es, den Support-Aufwand und damit die dabei entstehenden Kosten möglichst gering zu halten.

Stadt spricht für iPads, Schule sieht Vorteile bei Windows-Geräten

Für iPads, so die Stellungnahme der Stadt, sprächen viele Argumente, zum Beispiel geringerer Wartungsaufwand, leichtere und intuitivere Nutzung, geringeres Gewicht und eine größere Auswahl an pädagogischen Apps. Sie stellt außerdem klar: „Das Arbeiten mit persönlichen mobilen Geräten ist auch in der Schule (nicht nur zu Hause) über die Online-Lernplattform möglich, die mit nahezu jedem internetfähigen Gerät nutzbar ist, und nicht über den Windows-basierten Schulserver.“

Die Gesamtschule dagegen sieht in den Windows-Geräten viele Vorteile. Sie bedeuten, so Thomas Grube, einen Ausbildungsvorteil für die Schüler, da fast alle Unternehmen mit Windows und Microsoft Office arbeiten. Im Informatikunterricht könne man damit anders als mit iPads Programmieren lernen. Eine Neiddebatte unter den Schülern werde vermieden. Die Geräte seien wie ein Tablet nutzbar, könnten im Prüfungsmodus eingesetzt und mit digitalen Schulbüchern versehen werden, die meistens auf Windows ausgelegt seien.

CDU will das Thema im Ausschuss diskutieren

Auch die Politik beschäftigt sich mit der Situation an der WBG. Michael Fritsch (CDU), stellvertretender Vorsitzender des für Schule zuständigen Ausschusses B 2, will das Thema im Juni auf die Tagesordnung setzen. Es müsse Klarheit geschaffen werden, wie es weitergehe. Stadt und Bezirksregierung seien gefordert.

Mit einheitlichen Notebooks will die Willy-Brandt-Gesamtschule digitalen Unterricht gestalten (Symbolbild). © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Dass die WBG einen Alleingang mache, könne für Schüler problematisch werden, wenn sie in der Oberstufe mit anderen Schulen kooperieren oder die Schule wechseln. Wenn die iPads für bedürftige Schüler langfristig nicht in digitale Arbeitsprozesse eingebunden werden könnten, wie es in einem Brief der Schule stehe, müsste das auch diskutiert werden, sagt Fritsch auf Anfrage unserer Redaktion.

Rund 300 Eltern haben bisher Verträge unterschrieben

Noch einen Kritikpunkt gibt es. In Schreiben hat die Willy-Brandt-Gesamtschule aufgefordert, bis zum 30. Mai die Verträge mit AfB abzuschließen. Nach diesem Termin sollen die ausgehandelten Konditionen sich ändern. Dennoch fühlen sich Eltern wie Dirk Bittner unter Druck gesetzt,.

Aktuell haben mehr als 300 Eltern einen Vertrag mit AfB abgeschlossen. Das sei etwas mehr als die Hälfte, sagt Thomas Grube. Und täglich würden es mehr. Nicht alle Jahrgänge und damit nicht alle der 1000 Schüler sind betroffen. Gestartet werden soll nach den Sommerferien.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen