Das Café del Sol will über seine Preise nichts verraten, heißt es auf Anfrage aus der Träger-Gesellschaft. Die inhabergeführten Lokale sind da auskunftsfreudiger. © Martin Goldhahn (A)
Coronavirus

Hat Corona die Restaurant-Preise in Castrop-Rauxel verändert?

Wie haben sich die Restaurant-Preise in der Corona-Pandemie Castrop-Rauxel entwickelt? Wir haben bei einigen Restaurants nachgefragt und liefern eine Übersicht – das Ergebnis überrascht.

Viele Menschen stellen fest, dass die Restaurant-Preise während der Corona-Krise gestiegen sind. Aber stimmt das wirklich? Wir haben das zum Anlass genommen, bei einigen Castrop-Rauxeler Restaurants nach Preisentwicklungen im vergangenen Jahr nachzufragen. Das Ergebnis ist überraschend.

Grundlage für die Recherche ist der Preis einer großen Cola und des beliebtesten Hauptgerichts des Restaurants – jeweils der Preis von vor einem Jahr und dem heutigen.

  • Trattoria Puglia
    Eine große Cola, das ist hier ein halber Liter, kostete vor einem Jahr 4,60 Euro, heute sind es 4,80 Euro.
    Bei dem bei Gästen beliebtesten Gericht (hausgemachte Bandnudeln mit Steinpilzen in Weißwein-Sahnesauce) hat sich der Preis nicht verändert, er liegt wie vor einem Jahr bei 15 Euro.

  • Gaststätte Zum Reiterhof
    0,3 Liter Cola kosten heute wie vor einem Jahr 1,50 Euro.
    Der Preis des beliebten Schnitzels, dem Reiterhof Krüstchen, hat sich von 8,60 Euro auf 8,80 Euro erhöht.

  • Haus Oestreich
    Ein halber Liter Cola kostet hier 3,50 Euro. Der Preis hat sich im vergangenen Jahr nicht geändert.
    Auch der Preis des Wiener Schnitzels ist gleich geblieben und liegt nach wie vor bei 9,90 Euro.

  • Zum Yachthafen
    Auch im Restaurant zum Yachthafen haben sich die Preise nicht geändert. Sie liegen weiterhin bei 4,20 Euro für einen halben Liter Cola und 11,90 Euro für das beliebteste Hauptgericht Schweinemedaillon mit Champignons und Salat.

  • Parkbad Süd
    Genauso sieht es auch beim Parkbad Süd aus. Hier zahlen Gäste für 0,3 Liter Cola 2,90 Euro und für das Wiener Schnitzel 18,50 Euro.

  • Il Gambero Due
    Auch hier bleiben die Preise unverändert. 0,3 Liter Cola kosten 2,70 Euro, das beliebteste Gericht, die hausgemachten Gnocchi, kosten wie vor einem Jahr 13,90 Euro.

  • Pizzeria Bambino
    Bei der Pizzeria Bambino kostet eine 0,3 Liter Cola 1,90 Euro, die Preise bei den Pizzen haben sich auch nicht verändert. Hier kostet eine kleine Margherita 3 Euro, eine große 4 Euro, wie vor einem Jahr.

  • Vicino
    Die Preise bei Vicino sind bei Cola und der beliebten Thunfisch-Pizza ebenfalls unverändert. Hier zahlen Gäste 2,50 Euro für einen Liter Cola und 6,50 Euro für die Pizza.

  • Brauhaus Rütershoff
    Der Preis der Cola hat sich im Vergleich zum letzten Jahr um 10 Cent erhöht, von 2,20 Euro auf 2,30 Euro. Bei den Schnitzeln ist der Preis zwischen 10 und 30 Prozent angehoben worden.


  • Glückshaus
    Hier hat sich der Preis von einem halben Liter Cola nicht verändert, der liegt weiterhin bei 3,70 Euro. Bei den panierten Hühnerstreifen, dem beliebtesten Gericht, soll der Preis bald von 8,50 Euro auf 9,50 Euro angehoben werden.

Fazit: Die inhabergeführte Gastro

Viel hat sich bei den von uns stichprobenartig abgefragten Preisen also nicht geändert. Von den zehn befragten Restaurants haben lediglich zwei den Preis der Cola leicht angehoben. Bei den beliebtesten Hauptgerichten wurde bei zwei von zehn Restaurants der Preis erhöht, bei einem soll der Preis bald steigen.

In Castrop-Rauxel hat sich also nicht so viel getan. Warum ist das so? Erich Brennecke, Geschäftsführer vom Brauhaus Rütershoff hat eine Erklärung. Er sagt: Wenn er die Preise massiv erhöhen würde, würden die Gäste ausbleiben.

„Die Preise der Lebensmittel sind teilweise explodiert“, so Brennecke. Eigentlich müsste er die Preise drastisch erhöhen, tut es aber nur zum Teil, weil Gäste darauf nicht gut reagieren würden und dann vielleicht nicht wiederkommen. „Schon wenn wir die Bierpreise um 10 Cent erhöhen, fragen die Leute nach“, erzählt Brennecke.

Das Restaurant Vicino in Castrop-Rauxel litt wie viele andere Lokale unter der Corona-Pandemie. Nun, wo die meisten Einschränkungen aufgehoben sind, müssen sie zwischen höheren Einkaufspreisen und einem hohen Wettbewerbsdruck austarieren.
Das Restaurant Vicino in Castrop-Rauxel litt wie viele andere Lokale unter der Corona-Pandemie. Nun, wo die meisten Einschränkungen aufgehoben sind, müssen sie zwischen höheren Einkaufspreisen und einem hohen Wettbewerbsdruck austarieren. © Matthias Stachelhaus © Matthias Stachelhaus

Der Inhaber des Vicino, Nicola Markise, meint, er müsse gucken, „wie lang wir die Preise noch halten können“. Er plant, die Preise nächstes Jahr leicht zu erhöhen. Auch Svan Kishvan von der Pizzeria Bambino würde die Preise gerne erhöhen, tut es aber aufgrund der Corona-Pandemie gerade nicht. Denn viele Menschen hätten im Moment sowieso weniger Geld.

Aldo Segat von Il Caffé hat den Preis einer Cola um 10 Cent erhöht. Ansonsten hätte man keine großen Preiserhöhungen vollzogen oder geplant. Anders sieht es beim Parkbad Süd aus. Inhaberin Marlen Kempf meint, „wir werden nicht um eine Preiserhöhung herumkommen“. Ihr Grund: Sie geht davon aus, dass der Mindestlohn bald auf 12 Euro oder mehr angehoben wird.

Beim Haus Oestreich auf Schwerin gab es keine Preisveränderungen. Das liege daran, dass das Restaurant erst im vergangenen Jahr eröffnet habe und deswegen die Preise halten könne, meint Alexandra Galwas.

Und wie ist es bei den Ketten?

Und was sagen die Restaurant- und Fastfood-Ketten? Nicht viel. Anfragen unserer Redaktion an die Pressestellen von Burger King und die L‘Osteria von Donnerstagmittag (7.10.) blieben bis Montag (11.10.) unbeantwortet. Allerdings sind zum Teil auch die Franchise-Nehmer der einzelnen Restaurants vor Ort für die Preisgestaltung zuständig.

Wie bei McDonald‘s. Die Pressestelle schreibt: „Final festgelegt werden die Preise von den Franchise-Nehmerinnen und Franchise-Nehmern, die den Großteil unserer Restaurants betreiben und als selbstständige Unternehmer auch individuell entscheiden.“

Man überprüfe sowohl sein Produktangebot als auch seine unverbindlichen Preisempfehlungen, die die McDonald’s-Zentrale ausspreche, in regelmäßigen Abständen auf Ausgewogenheit und Angemessenheit, heißt es weiter. „Bei unserer Kalkulation fallen wie bei jedem anderen Unternehmen auch besonders folgende Punkte ins Gewicht: Qualität der Rohprodukte, die Verfügbarkeit, die benötigten Mengen und der sonstige Aufwand, der an das entsprechende Produkt gekoppelt ist.“

Das meint wohl auch Silke Bode aus der Marketingassistenz der Firma Fastro & Soul, zu der die Standorte von Café del Sol zählen. Sie antwortet: „Ohne auf die Verkaufspreise näher einzugehen kann ich Ihnen mitteilen, dass wir jederzeit versuchen, die Preise für unsere Gäste stabil zu halten. Durch gestiegene Einkaufspreise sind jedoch auch wir gezwungen, unsere Preise an der ein oder anderen Stelle anzupassen, da wir als Unternehmen wirtschaftlich denken, arbeiten und handeln müssen.“

McDonald’s verfolge mit seiner App eine „flexible Preisstrategie“, indem registrierten Nutzern Rabatte in Form von Coupons zur Verfügung gestellt werden, „die in teilnehmenden Restaurants eingelöst werden können“.

Ihre Autoren
Freier Mitarbeiter
2002 in Bochum geboren, aufgewachsen in Dortmund, BVB-Fan. Seit dem Abitur 2020 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Immer auf der Suche nach guten Geschichten am Puls der Stadt.
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Julien März
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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