Joane Milletat war im Erinpark unterwegs, als die Windhose durch Castrop-Rauxel zog. © Joane Milletat
Windhose

Im Erin-Park begegnete sie dem Tornado: „Ich dachte, ich werde sterben“

Das Unwetter Bernd brachte Starkregen mit sich. Und eine Windhose, die Obercastrop heimsuchte und für Verwüstungen sorgte. Joane Milletat sagt, sie war im Wirbelsturm. Noch immer hat sie Angst.

Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer: Den Horror des Unwetters Bernd bekamen viele Castrop-Rauxeler zu spüren. Es war nicht so schlimm wie anderswo, bei weitem nicht. Aber Joane Milletat erlebte einen Alptraum der anderen Art. Während am Mittwoch (14.7.) eine Windhose durch den Ortsteil Obercastrop zog, befand sie sich draußen. Sie war dem Sturm schutzlos ausgeliefert.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Sie war im Erinpark spazieren. „Ich wollte nur rausgehen“, erzählt sie. Denn eigentlich möge sie Regen und Gewitter. Als es jedoch heftiger wurde, lief sie vom Erin-Teich aus die Halde hinauf. Und dann plötzlich, wie aus dem nichts, traf sie der Sturm mit voller Wucht.

„Auf einmal konnte ich nichts mehr sehen. Ich wurde nach hinten gerissen“, berichtet Milletat. Sie habe sich an Dornenbüschen festhalten müssen. Wenn sie versuchte, weiter zu laufen, sei sie vom Wind zu Boden gestoßen worden. Trotzdem habe sie versucht, den Berg hinunterzulaufen. „Ich habe dann um Hilfe gerufen“, erzählt sie. Doch niemand war in der Nähe.

Später sei sie weggerobbt, der Wind ließ nichts anderes zu. Auf dem Weg verlor sie ihr Handy. „Als ich es merkte, bin ich bin zurück gerobbt und habe es geholt. Ich habe versucht, jemanden anzurufen“, erinnert sie sich. Der Versuch blieb erfolglos.

„Irgendwann war mein einziger Gedanke: Ich werde sterben“, erzählt sie. Zehn Minuten vielleicht habe der Horror angedauert. „Es hat sich aber viel länger angefühlt“, berichtet Milletat. Nachdem das Gröbste ausgestanden war, sei sie dann zum Erinturm gelaufen. „Ich wollte Autofahrer anhalten“, erklärt sie, doch es war wenig los, und es hielt niemand an.

„Das war bestimmt ein Tornado“

Daher sei sie zurück nach Hause gelaufen. Auf dem Rückweg sah sie, dass „alle Bäume rausgerissen waren“, so ihre dramatische Schilderung.

Das war kein normaler Sturm, das spürte sie. „Das war bestimmt ein Tornado“, habe sie noch am Abend vermutet. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine Windhose, womöglich sogar ein Tornado war. Ein Wetter-Experte bestätigte unserer Redaktion diese Erkenntnis.

Im Nachhinein verstehe sie immer noch nicht ganz, was in dieser Nacht passiert ist. „Ich habe keine Ahnung, wie ich das überlebt habe“, erzählt sie nun, etwa eine Woche später. Doch sie habe Glück gehabt: Nur „ein paar blaue Flecken, Splitter und Kratzer“ habe sie davon getragen.

Den Park besucht sie nach der Horror-Nacht weiterhin. „Am ersten Tag hatte ich schon ein ungutes Gefühl“, gibt sie zu. Inzwischen habe sich das jedoch gelegt. Eines aber wolle sie in ihrem Leben verändern: „Wenn es demnächst Gewitter und Starkregen gibt, bleibe ich zu Hause.“

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