Wer Frischwasser im Garten vergießt, muss dafür keine Abwassergebühr bezahlen. Dieses Vorgehen will der EUV nun erschweren, indem er den teuren Festeinbau von Gartenwasserzählern durch Fachleute vorschreibt. © Christin Klose/dpa-tmn
Abwassergebühr und neue Wasserzähler

Kritik an Gartenwasserplänen des EUV: „Engagement der Bürger würde bestraft“

In die Diskussion zum Thema Wasserzähler schaltet sich nun die erste Fraktion ein. Die FWI hält nichts von der Neuregelung der Stadtbetriebe und nennt Gründe. In Castrop-Rauxels Nachbarstädten geht man indes unterschiedliche Wege.

Die Neuregelung, die der Stadtbetrieb EUV beim Gartenwasser vornehmen will, wird bei Grundeigentümern sehr kontrovers diskutiert, überwiegend mit einem Kopfschütteln und Unverständnis zur Kenntnis genommen.

Nun hat sich als erste Partei auch die FWI in die Diskussion eingeschaltet. FWI-Fraktionschefin Annette Korte teilt dabei das Unverständnis vieler Gartenbesitzer. Bei der Abwasserrechnung orientiere man sich am Frischwasserverbrauch, da die Schmutzwassermengen selbst nicht gemessen werden kann.

Schmutzwasser- und Frischwassermenge unterschiedlich

Dabei sei aber jedem klar, dass die Schmutzwassermengen, die die Haushalte in die Kanalisation entsorgen, deutlich niedriger sind als der Frischwasserverbrauch. Annette Korte: „Denn jeder Haushalt braucht zum Beispiel auch Wasser für das Blumengießen in der Wohnung, auf Terrassen und/oder im Garten, oder auch für das Reinigen von Wegen im Außenbereich.“

Daher sei jeder Haushalt eh schon mit höheren Verbrauchsmengen bei der Schmutzwassergebühr belastet worden, als er tatsächlich verursacht habe, so die FWI-Politikerin. Da der Frischwassermaßstab sich aber bewährt habe und als gerecht empfunden wurde und wird, gab es bisher keine Probleme.

Bürger haben auch städtische Bäume gerettet

Nicht wenige Bürger hätten in den vergangenen sehr trockenen Sommern zudem auch auf Bitten der Stadt hin mit so manchem Eimer Wasser städtische Bäume an Grundstücksgrenzen oder vor der Haustür an der Straße mit bewässert. Denn gerade in regenarmen Jahren müsse die Natur unterstützt werden, da sie sonst verbrenne.

Dass der EUV nun vom Fachmann fest eingebaute Wasserzähler verlangen will, empört Annette Korte: „Damit wird dieses Engagement der Bürger für die Allgemeinheit mit Füßen getreten.“

Nach einer Kostenanfrage der FWI bei einem ansässigen Fachbetrieb sei der Partei eine Kalkulation von etwa 250 Euro genannt worden für An- und Abfahrt, Einbau und Stundenlohn des Handwerkers. „Dieses Vorhaben darf vom Rat

der Stadt nicht abgesegnet werden“, so der Appell der FWI-Fraktionsvorsitzenden. „Denn alle Zusatzkosten werden wieder einmal komplett dem Bürger aufgehalst und das braucht keiner.“

Wie gehen andere Städte beim Gartenwasser vor?

Wie sieht es mit dem Gartenwasser-Prozedere eigentlich in anderen Städten aus? In der großen Nachbarstadt Dortmund zahlt man auch weniger Abwassergebühren, wenn man das Frischwasser nachweislich auf dem Grundstück belässt (etwa für die Gartenbewässerung), so heißt es bei der Stadt Dortmund.

Nötig dafür ist ebenfalls ein geeichter Zwischenzähler in der Leitung. „Der Zähler muss dauerhaft in das Leitungsnetz eingebunden sein. Wenn ein dauerhafter Einbau nicht umsetzbar ist (z.B. Leitungen hinter Fliesen), kann auch ein geeichter Zapfhahnzähler installiert werden“, so ist dort nachzulesen.

In Bochum verfährt man so, wie jetzt der EUV ebenfalls verfahren möchte. Für Wassermengen, die nachweislich nicht in die öffentliche Abwasseranlage eingeleitet werden, muss keine Abwassergebühr bezahlt werden. Die Bochumer Stadtwerke aber fordern den fachgerechten Einbau eines Zwischenzählers durch ein geeignetes Installationsunternehmen.

„Es muss sich um eine feste Installation an der Wasserleitung handeln. Zähler, die z.B. auf die Entnahmestelle geschraubt sind oder sich im Außenbereich befinden, werden nicht anerkannt“, heißt es hier in einem Informationsblatt.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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