Ein Spaziergang in der Castroper Altstadt kann für ältere Menschen gefährlich werden. © Patricia Böcking
Castroper Straßen

„Lebensgefährlich“: Castrop-Rauxeler beklagen sich über Altstadt-Wege

Die Straßen in der Castroper Altstadt sind in schlechtem Zustand. Der EUV möchte die Straße neben dem Marktplatz sanieren. Das Problem ist aber umfangreicher, finden viele Menschen.

Gemütlich und bedenkenlos durch die Altstadt zu schlendern, fällt vielen älteren Menschen in Castrop-Rauxel schwer. Viele Pflastersteine stehen lose von den Gehwegen ab. Der Boden ist vielerorts wellig und uneben.

Wer jung und fit ist, dem fallen die Unebenheiten auf den Straßen der Altstadt kaum auf. Für Fußgänger mit Stock und Rollator können die Pflastersteine aber schnell zum Problem werden. Und davon gibt es in der Altstadt einige Menschen.

Hedwig Rüter ist seit 81 Jahren auf den Straßen von Castrop-Rauxel unterwegs. Sie ist hier geboren. Mittlerweile geht sie mit einem Rollator durch die Altstadt.

Hedwig Rüter findet den Zustand der Straßen in der Castroper Fußgängerzone „furchtbar“.
Hedwig Rüter findet den Zustand der Straßen in der Fußgängerzone „furchtbar“. © Patricia Böcking © Patricia Böcking

„Es ist furchtbar“, sagt sie. Gestolpert sei sie bis jetzt noch nicht, weit entfernt davon sei sie aber auch nicht gewesen. „Ich konnte mich immer am Rollator festhalten“, erzählt sie. „Aber es ist sehr unangenehm.“

„Echt lebensgefährlich“, findet Susanne Dombrowski, 60, die Straßen in der Castroper Altstadt. „Wenn man nicht schaut, stolpert man“, sagt sie.

Laufen wie auf Schmierseife

Besonders gefährlich sei es auf den Straßen im Winter und bei Regen. „Im Winter läuft man auf den Steinen wie auf Schmierseife“, sagt Dombrowski. „Man läuft wie eine Ballerina, damit man nicht fällt“, erzählt auch eine Passantin im Video-Interview.

Um die lockeren Steine auf dem Castroper Marktplatz möchte sich der EUV kümmern. „Eine Ausschreibung der Sanierungsmaßnahme ist in Vorbereitung“, sagte EUV-Chef Michael Werner unserer Redaktion. Lockere Steine sind aber nicht nur auf dem Marktplatz ein Problem. „Das Problem ist überall, in der ganzen Stadt“, sagt Hedwig Rüter.

Dabei seien die Straßen in der Altstadt nicht immer so unsicher gewesen. „Bevor die roten Steine gesetzt wurden, waren hier große Platten. Das war viel besser“, sagt Tadeos Zaworski, 66. „Das war eine schlechte Planung der Stadt“, findet er. „Früher war es besser“, erklärt auch Hedwig Rüter.

Fußgänger jüngeren oder mittleren Alters stören sich nicht an den Straßen in der Altstadt. „Man merkt, dass es uneben ist, aber richtig stören tut es mich nicht“, sagt Nicole Syberg, 31, trotz des Doppelkinderwagens, mit dem sie in der Altstadt unterwegs ist. „Man arrangiert sich damit“, sagt auch ein Passant mittleren Alters.

Kaputte Straßen als Problem im ganzen Ruhrgebiet

Castrop-Rauxel ist nicht die einzige Stadt mit unsicheren Fußwegen. Michael Muth, 75, kommt aus Dortmund und ist in Castrop-Rauxel am Mittwochmorgen nur zu Besuch. „In Dortmund ist es das Gleiche, seit Jahren ist alles marode“, sagt er.

Michael Muth kennt schlechte Straßen auch aus Dortmund.
Michael Muth kennt schlechte Straßen auch aus Dortmund. © Patricia Böcking © Patricia Böcking

„Im Ruhrgebiet sind mehr als 50 Prozent der Straßen kaputt. Wenn man die Augen nicht richtig aufmacht oder einen Kaffee in der Hand hat – batsch, man stolpert!“, erzählt Muth. In anderen Teilen Deutschlands seien die Straßen in besserem Zustand. „An der Nordsee und an der Ostsee, da ist alles tip top“, findet er.

Die Lösung für das Problem? „Reparieren“, sagt Muth. Hedwig Rüter hat noch einen anderen Vorschlag. „Man bräuchte einen Streifen am Boden, über den man glatt durch die Stadt kommt“, schlägt sie vor.

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