Am Biesenkamp gibt es seit Januar einen Plattenladen, der erst seit Juni geöffnet hat – und das auch nur an vier Tagen in der Woche zu bestimmten Zeiten. © Tobias Weckenbrock
Am Biesenkamp

Lockdown-Lückenfüller: Was wird aus dem Castroper Platten-Pop-Up-Store?

Das Ladenlokal am Biesenkamp stand leer. Im Dezember 2020 kam Oliver Turrek und mietete es an. Erstmals öffnen konnte er im Juni. Und in Zukunft? Wir sprachen mit ihm über die Idee und die Pläne.

Wer den Biesenkamp entlang schlendert, der wird den besonderen Laden schon längst entdeckt haben: Ein Plattenladen ist dort seit einigen Monaten in einem Eck-Lokal zu Hause. Instrumente gibt es dort auch zu sehen. Es ist der „Lockdown Vinyl Pop-Up-Store“ von Oliver Turrek.

Turrek ist 51 Jahre alt, hat zwei Kinder. Er wohnt in der Altstadt und ist in der Kneipenkultur-Szene in Castrop-Rauxel bekannt: Er war einst in der „Bahia de Cochinos“, einer alternativen Eck-Kneipe an der Wittener Straße, als Techniker bei so gut wie jedem Konzert der zentrale Mann für den reibungslosen Ablauf.

2013 schloss das Lokal. Danach versuchte man, die Kneipen-Kultur-Szene, der damit in Castrop-Rauxel zumindest im Alternative-Bereich quasi ein Ende gesetzt war, im Verein Kulturbucht an anderer Stelle aufrecht zu erhalten. Turrek war im Vorstand dabei, der Verein hatte 25 Mitglieder. Heute ruht er. Konzerte wie damals in der „Schweinebucht“ gab es durch Corona ohnehin lange nicht, und wenn, dann vielleicht noch in der Habinghorster Wurstküche oder im Haus Oe auf Schwerin.

Das waren noch Zeiten: Oliver Turrek (M.), Vorsitzender des Vereins Kulturbucht, mit einer finnischen Band in der Bahia de Cochinos. Ihm gelang es wie nur wenigen anderen in Castrop-Rauxel, die Sub- und Kneipenkultur aufrecht zu erhalten. 2013 schloss die Szene-Kneipe an der Wittener Straße.
Das waren noch Zeiten: Oliver Turrek (M.), Vorsitzender des Vereins Kulturbucht, mit einer finnischen Band in der Bahia de Cochinos. Ihm gelang es wie nur wenigen anderen in Castrop-Rauxel, die Sub- und Kneipenkultur aufrecht zu erhalten. 2013 schloss die Szene-Kneipe an der Wittener Straße. © Christian Püls (A) © Christian Püls (A)

Heute ist Turrek Plattenhändler. Im Lokal stehen keine LPs von Heino oder James Last, sondern Vinyl-Scheiben, die mehr Wert haben. Sie sind zum Teil begehrt in der Sammlerszene. „Ich kaufe im Geschäft an und verkaufe Platten“, sagt Turrek nun auf Anfrage unserer Redaktion. Er habe so wie die meisten, die Schallplatten verkaufen, selbst als Sammler angefangen.

„Dann kauft man mal eine Kiste mit 100 Platten und braucht aber nur 20 für sich. So fangen alle an, die die restlichen 80 dann auf Börsen verkaufen.“ Für Menschen wie ihn ist die Platte weit mehr als eine bloße Handelsware.

Im Dezember 2020 verwirklichte er eine Idee: Muss man die Kisten mit den Platten hochgestapelt irgendwo rumstehen haben? Wenn man sie aufstellt, kann man sie besser nutzen, anschauen, sortieren. Als er das leere Lokal in der Altstadt entdeckte, griff er zu: Der Hauseigentümer hatte es bei Ebay-Kleinanzeigen zur Vermietung angeboten.

Als er öffnen wollte, kam der Lockdown

So bereitete er im Dezember alles vor. Und dann? „Der Name ist Programm gewesen: Ich hatte das erst eigentlich nur für Januar, Februar und März angemietet, konnte dann aber gar nicht öffnen wegen des Lockdowns. Also hatte ich nur ein teures Schaufenster“, erzählt Turrek. Dann habe er entschieden, den Mietvertrag für ein Jahr zu verlängern.

Der Blick ins Schaufenster verrät: Hier geht es um Musik. Instrumente, Abspielgeräte und Platten gibt es hier zu sehen und zu kaufen.
Der Blick ins Schaufenster verrät: Hier geht es um Musik. Instrumente, Abspielgeräte und Platten gibt es hier zu sehen und zu kaufen. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Bis Juni habe er gar nicht aufmachen dürfen. „Ich hatte einen Aushang gemacht: ‚Wenn andere schließen, mach ich erst gar nicht auf‘“, so Oliver Turrek. Viele hätten geschmunzelt, andere mit dem Kopf geschüttelt und sich gefragt: Was macht der da? „Seit Juni kann ich aber endlich öffnen.“ Am Dienstag, am Mittwoch und Freitagnachmittag und samstags ist er da.

Aber gibt es denn einen Markt für die Dinge, die er dort verkauft, in der Castroper Altstadt? „Das Gros der Leute kommt von außerhalb, Leute, die man von Plattenbörsen oder aus Sammlerkreisen kennt. Aber es kommen auch immer mal Castrop-Rauxeler rein“, sagt Turrek. Auch solche, die ihm eine Kiste Platten bringen und fragen, was er dafür zahlt.

Eigentlich repariert er Musikinstrumente

Sein Hauptberuf und -geschäft sind Musikinstrumente: Er kauft gebrauchte an, „alles, was man für Rockmusik braucht“, sagt Turrek, macht sie wieder frisch und verkauft sie dann weiter. Vor allem über Ebay, aber nun habe er eine gute Anlaufstelle – nicht zu Hause in seiner Wohnung, sondern im Laden. „Das war einst mein Hobby, das ich zum Beruf machen konnte. Ich beschäftige mich nur mit dem, was mir Spaß macht“, sagt er und erfreut sich daran.

Im März 2022 werde er Bilanz ziehen. „Dann muss ich sehen, ob sich das hier mit dem Laden gerechnet hat“, sagt Oliver Turrek. Es sei eben „teurer als eine Doppelgarage“ – aber es hat auch eindeutig mehr Flair.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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