Um körperliche Gewalt ging es in einem Prozess. Doch dahinter zeigte sich eine große Tragödie für die Ehefrau. © picture alliance / dpa
Familientragödie

Mann schlägt seine Ehefrau: Vor Gericht zeigt sich, es geht um viel mehr

Angeklagt waren drei Körperverletzungen. Doch was sich dahinter verbarg, entpuppte sich als Tragödie. Das sprengte den Rahmen einer Strafverhandlung. Sogar eine Untersuchungshaft stand im Raum.

Ursprünglich war dem 37-jährigen Syrer schriftlich ein Strafbefehl zugestellt worden. Über eine Geldstrafe, weil er seine Frau drei Mal körperlich misshandelt haben soll. Da er dagegen Einspruch eingelegt hatte, kam es zu einem Verfahren vor Gericht. Und dort kamen Dinge zutage, die den Rahmen eines Strafverfahrens weit überschritten. Selbst eine sofortige U-Haft stand im Raum.

Die Anklage ging davon aus, dass der Mann seine Ehefrau zwischen dem 18. und 20. Dezember letzten Jahres geschlagen haben soll. Unter anderem, weil sie Make-up aufgelegt hatte. Streit schwelte schon länger, weil die Frau sich trennen wollte.

Ausreiseverbot für die kleinen Kinder erwirkt

Man habe innerhalb der Wohnung nur per Whatsapp miteinander kommuniziert, so der Verteidiger des 37-Jährigen, der auch sagte, sein Mandant habe seine Frau nie geschlagen. Vielmehr sei er in Sorge gewesen, dass die Ehefrau die Kinder tagsüber schlägt. Allerdings lief da schon ein Gewaltschutzverfahren, das ihn auf Distanz halten sollte.

Er lebt inzwischen in einer Nachbarstadt, doch die Frau kann nicht in die Wohnung, weil er noch immer den Schlüssel haben soll. Doch er soll ihr noch viel übler mitgespielt haben. Als die 32-Jährige im Sommer mit den beiden gemeinsamen Kindern in Syrien war, erwirkte er über Dritte ein Ausreiseverbot für die Söhne.

Frau versteckt sich vor dem Noch-Ehemann

Während die Mutter zurück musste, blieben die Kinder, vier und acht Jahre alt, bei den Großeltern. Bis heute. Und die am Boden zerstörte Frau versteckt sich vor dem Noch-Ehemann. Nach islamischem Recht geschieden, ist die Trennung nach deutscher Gesetzgebung noch nicht gültig.

„Entweder du lebst wie ich will oder ich mache dein Leben kaputt“, soll der Mann gedroht haben. Ihr Mann habe stets verhindert, dass sie die deutsche Sprache erlernen und einen Beruf ausüben konnte, sagte die junge Frau, die in ihrer Heimat Anwältin war.

Drastische Wende

„Dieser innerfamiliäre Konflikt sprengt den Rahmen einer Strafverhandlung“, erkannte der Richter schnell. „Das ist wirklich starker Tobak, aber nicht unsere Baustelle, wir sind hier das Strafgericht“, erklärte er, dachte laut über die Anordnung einer U-Haft nach, zum Schutz der Frau. Und unterbrach die Sitzung für eine Pause.

Die Verhandlung nahm dann eine drastische Wende, der Angeklagte hatte wohl erkannt, dass eine U-Haft möglicherweise die Kündigung seines Arbeitsplatzes bedeute. „Mein Mandant gesteht alles“, so der Verteidiger. Er akzeptierte die geforderte Geldstrafe über 90 Tagessätze zu je 10 Euro. „Die familiären Probleme müssen an anderer Stelle geklärt werden“, sagte der Richter abschließend. Die Zeugin wurde, vom Dolmetscher begleitet, sicher heimgebracht.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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