Über den Empfang im St. Rochus Hospital sind Annelie M. und ihre Tochter enttäuscht. © Volker Engel
St. Rochus Hospital

„Meine Mutter stand weinend vor mir“: Rochus-Hospital weist Patientin ab

Eine Seniorin fürchtet, einen Herzinfarkt zu haben. Im St.-Rochus-Hospital weist man sie jedoch ab. Die Familie der Patientin ist entsetzt. Das Krankenhaus spricht von einem Missverständnis.

Einen Herzinfarkt hatte Annelie M. (74) bereits. Vor einem zweiten hat sie Angst. Entsprechend groß war ihre Sorge, als am vergangenen Sonntag (25.7.) ihr Blutdruck auf über 160 stieg und sie ihn selbst nicht mehr in den Griff bekam.

Gegen den Vorschlag ihrer Tochter, einen Rettungswagen zu rufen, sträubte sich die ältere Dame jedoch. Schließlich brachte Katja J. ihre Mutter mit dem Auto ins Rochus-Hospital in der Castroper Altstadt. Dort wollte sie sich untersuchen lassen. „Man hört ja viel Gutes vom Rochus, da dachten wir, das sei die beste Adresse“, sagt Katja J.

Entsetzt über den Empfang im Krankenhaus

Dort angekommen, sei sie jedoch entsetzt über das Verhalten einiger Krankenhausmitarbeiter gewesen. „Meine Mutter ist schwer krank, hatte bereits einen Infarkt und große Angst. Ich habe sie am Eingang abgesetzt, damit sie nicht so weit laufen musste. Dann habe ich einen Parkplatz gesucht. Als ich zurückkam, stand sie weinend vor mir“, erzählt sie.

Die Frau am Empfang habe der älteren Dame gesagt, es sei kein Arzt da, der sie behandeln könne. „Die haben uns zuerst gar nicht ins Krankenhaus reingelassen“, erzählt Katja J. „Ich habe dann sofort dort angerufen und gefragt, wie es denn sein könne, dass kein Arzt im Haus sei. Da sagte man mir, das Rochus habe keinen ärztlichen Notdienst, dafür sei das EvK zuständig.“

Nach weiterem Bitten hätten Katja J. und Annelie M. dann doch noch ein „Na gut, dann soll sie halt reinkommen“ von der Schwester gehört. Allerdings galt das wegen der Corona-Pandemie nur für die Mutter, nicht die Tochter. „Und in einem unmöglichen Ton, fast mit einem genervten Lachen“, sagt Katja J.

Rochus Hospital spricht von einem Missverständnis

Nach diesem Empfang seien sie dann doch ins EvK weitergefahren. Dort wurde Annelie M. behandelt, ihre Tochter durfte als Begleitperson bei ihr bleiben. Einen Herzinfarkt hatte sie nicht, sondern tatsächlich bloß hohen Blutdruck. „Das ist aber bei der Vorgeschichte meiner Mutter etwas Ernstes und nicht nur ein verstauchter Finger“, sagt Katja J.

Auf Nachfrage dieser Redaktion spricht Holger Böhm, Pressesprecher des Rochus-Hospitals, von einem möglichen Missverständnis, dem man nachgehen werde. „Die klaren Anweisungen für die Notfallversorgung schließen einen Vorfall wie den geschilderten aus“, heißt es.

Jeder Patient werde einem Arzt vorgeführt, der dann über eine weitere Behandlung entscheide, sagt er weiter. „Dazu gibt es klare verbindliche Vorgaben. Weder Pflegekräfte noch andere Mitarbeiter etwa des Patientenempfangs dürfen darüber entscheiden.“ Aus jeder Fachabteilung sei in der Klinik immer mindestens ein Arzt einsatzfähig. Eine Untersuchung sei also auch am fraglichen Abend möglich gewesen.

Beschwerdemanagement des Krankenhauses

Katja J. hat mittlerweile Kontakt zur Ärztekammer aufgenommen. „Die geht aber davon aus, dass der Arzt gar nicht wusste, dass wir überhaupt da sind“, sagt sie. In diesem Fall ist sie nicht zuständig, weil es kein Fehler des Arztes ist.

Also hat sie sich auch an das Beschwerdemanagement des Rochus gewendet. Allerdings habe auch die Empfangsdame selbst bereits am Tag des Vorfalls eine schriftliche Stellungnahme dort eingereicht. „Sie hat es natürlich so dargestellt, als hätten wir mit keinem Wort gesagt, um was es geht oder was meine Mutter hat“, sagt Katja J. „Ich bin sprachlos und auch wirklich sauer.“

Rechtlich wolle sie trotzdem nicht gegen das St.-Rochus-Hospital vorgehen. „Ich glaube nicht, dass wir damit Erfolg hätten, weil am Ende ja zum Glück nichts Schlimmes passiert ist. Wäre meiner Mutter etwas passiert, würde ich aber doch weitere Schritte einleiten“, sagt sie.

Mitgenommen und schockiert sei Annelie M. nach dem Vorfall nach wie vor.

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