Das Wohnungsunternehmen Belvona gehört als Nachfolgerin der Altro Mondo zu den neuen Großvermietern in Castrop-Rauxel. Aus Mietersicht wohl keine Verbesserung, so ein Mieterbund-Sprecher. © Thomas Schroeter
Corona-Pandemie

Mieten in Castrop-Rauxel ziehen seit April kräftig an

Die Mieten in Castrop-Rauxel steigen kräftig, seit der neue Mietspiegel erschienen ist. Das Verhalten von Wohnungsgesellschaften sei ein Paradebeispiel, sagt ein Mieteranwalt aus Castrop-Rauxel.

Die Mieten steigen. Das ist in Castrop-Rauxel nicht anders als in anderen Orten. In 97 von 110 deutschen Mittelstädten sind die Angebotsmieten in den vergangenen fünf Jahren dabei im zweistelligen Prozentbereich gewachsen, in 31 davon gar um mehr als 25 Prozent.

Bei der Analyse steht Castrop-Rauxel sogar noch vergleichsweise gut da. Doch auch hier sind die Mieten um 16 Prozent gestiegen. Diese Zahlen des Portals immowelt.de stammen von März. Konkret heißt das: Wer für seine Wohnung 2016 eine Monatsmiete von 500 Euro bezahlt hat, hat in diesem Frühjahr 580 Euro bezahlt.

Seit April drehen in Castrop-Rauxel nun aber viele private und Großvermieter aber weiter an den Mietpreisen, berichtet Rechtsanwalt Nils Himmelmann vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Castrop-Rauxel. Denn im April wurde der neue „Qualifizierte Mietspiegel“ vorgelegt.

Neuer Mietspiegel: Mieten sind angestiegen

Den letzten Mietspiegel davor gab es 2017, sodass viele Vermieter nun die Gelegenheit nutzen, um die Preise zu erhöhen. „Das ist ganz überwiegend auch in Ordnung, entspricht den Auflagen, die es dafür gibt“, lautet die Einschätzung des Mieteranwalts.

Für die Mieter in Castrop-Rauxel bleiben unter dem Strich aber steigende Kosten. In der Pandemie hatte es ein Moratorium der großen Wohnungsgesellschaften gegeben, auf Mietpreiserhöhungen erst einmal zu verzichten, um den durch Corona geplagten Menschen in dieser Hinsicht Druck zu nehmen.

Wie die WAZ nun berichtet, haben die Großvermieter inzwischen aber begonnen, die Mieten anzuheben. Etwa die LEG, die auch in Castrop-Rauxel viele Wohnungen besitzt. Nach Einschätzung von Nils Himmelmann haben die Großvermieter „aber sowieso keine Rücksicht genommen, ob ein Mieter das in der Pandemie tragen kann“.

Hat hier Grünpflege stattgefunden? Laut Mieteranwalt Nils Himmelmann gehören entsprechende Dienstleistungskosten zu den Mietpreis-Treibern bei großen Wohnungsgesellschaften.
Hat hier Grünpflege stattgefunden? Laut Mieteranwalt Nils Himmelmann gehören entsprechende Dienstleistungskosten zu den Mietpreis-Treibern bei großen Wohnungsgesellschaften. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Dafür sei etwa die Belvona ein Beispiel, die zuletzt schon von Mietern im Schophof angegriffen worden war. Aus Sicht des DMB habe sich von der Altro Mondo zur Belvona sowieso nur der Name geändert, nicht aber die Geschäftspolitik.

In einem engen Wohnungsmarkt, und darum handele es sich aus Mietersicht in Castrop-Rauxel, seien solche Großvermieter ein echtes Problem. Auch für Mieter, die etwa wegen einer Eigenbedarfskündigung eines Privatvermieters oft nicht so viel Zeit hätten, eine neue Wohnung in Castrop-Rauxel zu suchen.

„Die müssen dann, so unsere Erfahrung, oft zu einer Wohnungsgesellschaft gehen, um in der Stadt bleiben zu können“, berichtet der Rechtsanwalt. Das sei für viele Menschen ein schwerer Schritt, zumal diese Unternehmen die Vermietung anders als viele Privatvermieter als reines Geschäft sähen und den Profit maximieren wollten.

Mit Nebenkosten wird häufig das Geld gemacht

Bestes Beispiel dafür seien die Nebenkostenabrechnungen von Großvermietern. Die lockten manchmal mit günstigen Kaltmieten, würden dann aber sehr hohe Nebenkosten geltend machen, um auf ihren Schnitt zu kommen, so die DMB-Erfahrung. Himmelmann: „Gerade bei den Dienstleistungskosten ist das auffällig.“

Da würden etwa Hausmeisterleistungen oder Garten-Arbeiten in Rechnung gestellt, die oft nicht nachzuvollziehen seien. Denn längst nicht überall, wo ein Hausmeister abgerechnet werde, sei auch tatsächlich ein Hausmeister vor Ort. „Aber das kann eben kaum jemand überprüfen, schraubt aber die Kosten in die Höhe“, so Nils Himmelmanns Fazit.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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