Eine junge Mutter will nach Castrop-Rauxel ziehen, bekommt aber keinen Kitaplatz. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Kinderbetreuung

Mutter ohne Kita-Platz in Castrop-Rauxel: „Mein Kind wird gestraft!“

Eine Familie möchte nach Castrop-Rauxel ziehen und braucht einen Kitaplatz, den bekommt sie aber nicht. Für die junge Mutter eine große Belastung, jetzt sieht sie noch einen Ausweg.

Eigentlich hätte Linda Berg* jeden Grund, sich zu freuen. Sie zieht mit ihrer Tochter aus Kamp-Lintfort nach Castrop-Rauxel zu ihrem Lebensgefährten. Die beiden erwarten ein Kind. Doch etwas steht dem Familienglück im Weg: Für ihre Tochter gibt es in Castrop-Rauxel keinen Kitaplatz. „Sobald wir wussten, dass wir herziehen, haben uns gekümmert, angemeldet und eine Bedarfsanzeige geschrieben.“

Man stehe auf der Dringlichkeitsliste, habe es geheißen, danach habe man von der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel lange Zeit nichts gehört. Mehr Informationen habe es nicht gegeben. „Am Anfang waren noch alle motiviert und hilfsbereit, aber je öfter man sich erkundigt hat, desto schwieriger wurde es, die Stadt zu erreichen. Entweder waren die Leute krank, im Urlaub oder die Stellen waren nicht besetzt.“ Anfang August kam die Absage: Es gibt keinen Kitaplatz für die Tochter von Linda Berg.

Berufstätige Eltern haben es schwer

Die Mutter weiß nicht, wie sie die Situation lösen soll: „Mein Partner und ich wollen beide arbeiten, aber das geht so nicht. Man wird regelrecht bestraft, wenn man berufstätig ist.“ Obwohl die junge Mutter noch nicht wirklich in Castrop-Rauxel angekommen ist, fühle sie sich nicht gut aufgenommen: „Was ist das für ein erster Eindruck von einer Stadt, in die man ziehen will?“ Linda Berg wäre es egal gewesen, in welchem Stadtteil sie einen Kitaplatz bekommt: „Ich bin ja mobil. Das Fahren wäre kein Problem gewesen, Hauptsache, wir bekommen einen Platz.“

Eine Alternative zum Kitaplatz gibt es für Linda Berg nicht: „Meine Tochter ist über drei Jahre alt, die Kinder dürfen dann nicht mehr zur Tagesmutter.“ Und tatsächlich: Wenn Kinder über drei Jahre alt sind und keinen Kitaplatz haben müssen, gibt es für die Eltern in Castrop-Rauxel keine andere Lösung als sich selbst um das Kind zu kümmern. Die Regelung unterscheidet sich von Kreis zu Kreis. „Es wird einfach weg, ignoriert was für ein riesiges Problem das für die Familien ist. Wir können so gerade kein richtiges Familienleben führen“, sagt Linda Berg.

Einleben nicht möglich

Stadtpressesprecherin Nicole Fulgenzi bestätigt auf Anfrage der Redaktion, dass es keine Alternativen für die betroffenen Kinder gibt: „Diese Situation kann vereinzelt auftreten. Diese Kinder werden prioritär berücksichtigt.“ Für Linda Berg nur ein schwacher Trost. Neben dem Betreuungsproblem seien auch die fehlenden Sozialkontakte belastend: „Wie soll sie sich in einer neuen Stadt so eingewöhnen? Sie braucht Spielkameraden in der Umgebung und die gibt es vor allem in der Kita. Mein Kind wird gestraft.“ Der tägliche Kontakt zu anderen Kindern sei etwas, dass sie ihrer Tochter zu Hause nicht ersetzen könne.

Noch wohnt Linda Berg mit ihrer Tochter in Kamp-Lintfort. Mehrfach in der Woche pendelt sie jetzt die rund 60 Kilometer zwischen beiden Städten hin und her. Wenn sie in Castrop-Rauxel keinen Platz bekommt, wird sie vorerst in Kamp-Lintfort bleiben, dort gibt es einen Kitaplatz. Aber spätestens wenn ihr zweites Kind zur Welt kommt, wird das nicht mehr so einfach gehen.

Möglicherweise wird sie sich ihren Platz in Castrop-Rauxel mithilfe eines Anwaltes holen. Das wäre die letzte Lösung. „Ich habe von anderen Eltern gehört, dass sich dann wirklich was bewegt. Sobald man mit dem Anwalt droht, gibt es dann einen Platz. Aber das kann eigentlich nicht sein. Die Kinder haben einen Rechtsanspruch auf Betreuung.“ Ankommen und und in Castrop-Rauxel heimisch werden könne so aber keiner, weder sie noch ihre Tochter.

*Der Name der Mutter wurde geändert, ist der Redaktion aber bekannt.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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