Drei Jahrzehnte mit Herz und Leidenschaft dabei gewesen: Klaus und Michaela Toschka. © Timo Pianka
Überraschendes Ende

Nach 31 Jahren: Beliebtes Castrop-Rauxeler Traditionslokal schließt

Am 1. Juni endet in Castrop-Rauxel eine Ära: Nach mehr als 30 Jahren schließen die Bürgerstuben ihre Türen – für immer. Grund dafür ist nicht nur die Corona-Pandemie.

Mehr als drei Jahrzehnte lang wurde hier gutbürgerlich gespeist und getrunken – vor allem aber auch viel gefeiert und gelacht. Doch ab dem 1. Juni ist Schluss im Gasthaus Bürgerstuben in Henrichenburg. Nach dem zweiten Lockdown haben sich die Betreiber Klaus und Michaela Toschka dazu entschlossen, ihre Türen nicht mehr zu öffnen.

Damit endet in Castrop-Rauxel eine Ära: Seit 1990 galt die gemütliche Gaststätte an der Borghagener Straße als Instanz im Norden der Stadt. Auf der Terrasse, an der Kegelbahn oder am Tresen – hier trafen sich viele Castrop-Rauxeler, um gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verleben.

Viele Freundschaften mit Gästen entstanden

Für das Ehepaar Toschka dabei immer im Vordergrund: das Wohl ihrer Gäste. „Wir wollten immer gleichbleibende Qualität bieten“, betont Michaela Toschka. Sie führt fort: „Daher haben wir uns immer ins Zeug gelegt, damit die Menschen gerne zu uns kommen.“ Gemeinsam haben die beiden dabei stets „an einem Strang gezogen“, erzählt sie.

Von „Gästen“ sprechen die Inhaber ohnehin nur ungern: „Über die Jahre hinweg sind hier tiefreichende Freundschaften entstanden“, erzählt Klaus Toschka. Am liebsten blickt das Ehepaar auf die Grillabende im Biergarten zurück. „Das war wie eine große Familienfeier. So etwas hat natürlich zusammengeschweißt“, erzählt der Wirt.

Erinnerungen an besondere Zeiten: An die Grillabende in ihrem Biergarten denken die Toschkas gerne zurück.
Erinnerungen an besondere Zeiten: An die Grillabende in ihrem Biergarten denken die Toschkas gerne zurück. © Privat © Privat

Zweiter Lockdown kam unerwartet

Doch vor knapp sieben Monaten wurde es auch hier still. „Mit den erneuten Schließungen im letzten Herbst haben wir nicht gerechnet“, gibt Klaus Toschka zu. Ein Schlag ins Gesicht für das Ehepaar. Der Wirt: „Als wir nach dem ersten Lockdown wieder loslegen konnten, war das eine tolle Zeit. Viele bekannte Gesichter wieder zu sehen, das hat uns Auftrieb gegeben.“

Lange währte die Freude allerdings nicht: Anfang November folgte die zweite Zwangspause für die Gastronomen aus Leidenschaft. Zwar reagierten sie auf die Situation und stellten ihren Betrieb auf Lieferservice um. Doch durch die Distanz zu ihren Gästen schlich sich bei dem Ehepaar auch eine Distanz zu ihrem gesamten Geschäft ein. Im Biergarten – dort, wo das Paar einst seine großen Grillabende veranstaltete – stand bis zuletzt nur noch Klaus Toschkas Sonnenliege.

Corona Pandemie nicht als einziger Grund

Aber: Ihre Entscheidung nur auf die Corona-Pandemie zu schieben, wäre ihnen zu einfach. Ohnehin wäre der Ruhestand in zwei Jahren geplant gewesen: „Wenn man sich jahrelang ins Zeug legt, hinterlässt das leider auch körperliche Spuren“, gestehen sich die Gastronomen ein. Die Pandemie habe ihren Entschluss nun vorgezogen.

In der vergangenen Woche teilten sie dann ihren Mitarbeitern mit, „den Motor nicht noch mal neu anzuwerfen.“ Einige von ihnen sind bereits mehr als 20 Jahre dabei. Dennoch reagierten sie „traurig, aber verständnisvoll“, erzählen die Gastronomen mit gedrückter Stimme. Sobald es wieder möglich ist, soll eine große Abschiedsfeier stattfinden.

Hinter diesem Tresen verbrachten sie 31 Jahre. Am 1. Juni legen die Toschkas die Zapfhähne der Bürgerstuben endgültig trocken.
Hinter diesem Tresen verbrachten sie 31 Jahre. Am 1. Juni legen die Toschkas die Zapfhähne der Bürgerstuben endgültig trocken. © Timo Pianka © Timo Pianka

„Dass die Menschen über viele Jahre zu uns gekommen sind, war ein großes Glück für uns“, resümieren die Toschkas. Es werde seine Zeit dauern, bis man das verarbeitet hat. Danach möchten sie sich aber Dingen widmen, für die sie in den vergangenen 31 Jahren keine Zeit hatten.

Eine Radtour durch Deutschland, eine Küstenreise zu den norwegischen Fjorden. Viel Programm also für die frischen Ruheständler. Den Kontakt zu ihren ehemaligen Gästen aber, den möchten Michaela und Klaus Toschka aber unbedingt halten.

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