Bei einer Polizeikontrolle ist ein BMW-Fahrer aufgefallen, weil er so langsam unterwegs war. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Verkehrskontrolle

Nächtliche Schleichfahrt mit einem BMW: Am Wagen stimmte fast nichts

Dass die Polizei Raser stoppt, ist nichts Besonderes. Aber auch wenn Menschen mit ihrem Auto zu langsam unterwegs sind, können die Beamten aufmerksam werden. Das hat nun ein Castrop-Rauxeler BMW-Fahrer feststellen müssen.

Eigentlich, so meinte ein Richter angesichts der Vergehen im Straßenverkehr, die einem 58-Jährigen vorgehalten wurden. „fehlt nur die Fahrerflucht, dann wäre die Sammlung komplett“. Der langzeitarbeitslose ehemalige Bergmann war im September 2020 weit nach Mitternacht mit einem BMW unterwegs gewesen, an dem so gut wie nichts korrekt war. Nun stand er deshalb vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht.

Zu den Vorwürfen Urkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Versicherungsschutz mit einem fahruntüchtigen Pkw und dazu stark betrunken, hatte der Angeklagte eine skurrile Geschichte parat.

Abenteuerlicher Kauf

Schon die Herkunft des Autos war abenteuerlich. Zwei Tage zuvor hatte der Mann den Wagen gekauft, auf einem Aschenplatz in der Nachbarstadt Dortmund, wo Vehikel verhökert werden, die künftig irgendwo in Afrika weiterfahren. Doch der Angeklagte hatte andere Pläne.

Er wollte seine Hartz IV-Bezüge aufstocken, den Wagen flottmachen und gewinnbringend weiterverkaufen, erzählte er vor Gericht. „Einmal mit einem BMW durch die Gegend kurven“, habe er sich dann gedacht und sei trotz starken Alkoholkonsums losgefahren. Von Waltrop in die Europastadt.

Schleichfahrt

Auf der B235 in Habinghorst wurde eine Polizeistreife auf das Gefährt aufmerksam. Nicht wegen Raserei, das Gegenteil war der Fall. „Wir haben uns gewundert, dass der Wagen so langsam war, in einer 70er-Zone gerade mal 40“, berichtete eine 35-jährige Polizistin im Zeugenstand.

Als der BMW rechts ran fuhr, hätten sie und ihre Kollegen gedacht, er wolle halten. Doch weit gefehlt, der Fahrer wollte das Polizeiauto vorbeilassen, um die Schleichfahrt fortzusetzen.

Auf dem großen Parkplatz vor Zweirad Schmitz an der B235 sei es dann besonders komisch geworden. Der BMW fuhr einen Kreis, die Polizisten entgegengesetzt. Mit Blickkontakt bei der Begegnung.

Die wurde intensiviert, als der BMW in Höhe der Marsstraße endlich anhielt. „Ich gebe alles zu“, habe der Fahrer gesagt. Da wusste er noch gar nicht, was alles zutage kommen sollte.

Harte Strafe

Den Alkohol rochen die Beamten sofort, 2,59 Promille wurden gemessen. Bei der Überprüfung der Kennzeichen dann die Überraschung. Nichts stimmte, das Nummernschild nicht zum Auto, die TÜV-Plakette nicht zum Nummernschild, und das Landessiegel war ebenfalls gestohlen. Alles in allem perfekt umgeklebt, da waren Profis am Werk, so die Polizei.

Das will der Fahrer beim Kauf nicht bemerkt haben. Doch das Bedauern über sein Fehlverhalten konnte ihn nicht retten. 22 Vorstrafen, darunter etliche einschlägige und eine Zahl von widerrufenen Bewährungsstrafen wogen schwer.

Das aktuelle Urteil sieht keine Bewährung vor. Zu den verhängten acht Monaten kommen weitere sechs aus einer Haftstrafe von 2019.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.