Auf vielen kleinen Grundstücken wurde in den vergangenen Jahrzehnten Gebäude errichtet. Das ist hier aber nicht erlaubt. © Jens Lukas
Außenbereich

Post von der Stadt für 50 Grundstücksbesitzer: Ihre Bebauung ist illegal

An der Victorstraße in Castrop-Rauxel reihen sich 50 Parzellen aneinander. Auf vielen stehen Gartenlauben. Doch jede Bebauung ist dort illegal. Jetzt bekommen die Eigentümer Post von der Stadt.

Zwischen Victorstraße und Bahndamm, Schloss Bladenhorst fast in Sichtweite, suchen Castrop-Rauxeler Muße abseits des Alltags. Ihnen gehören rund 50 kleine Parzellen. Viele haben dort auch kleine Hütten, Gewächshäuser oder Hundezwinger.

Vor allem im östlichen Teil stehen die Bauten sehr dicht zusammen. Das hat einen Bürger aufmerksam gemacht. Seine Meldung bei der Stadt Castrop-Rauxel hat jetzt harte Konsequenzen. Für alle rund 50 Grundstückseigentümer.

Mangelnder Brandschutz und fehlende Rettungswege hatten den Castrop-Rauxeler alarmiert, sich an Stadtbaurätin Bettina Lenort zu wenden. Er fürchtete, auf dem Gelände werde teilweise auch übernachtet. Bei einem Brand könnte es gefährlich werden.

Bei der Überprüfung kristallisierte sich dann eine Situation heraus, die die Stadt jetzt zum Handeln zwingt. Alle Eigentümer bekommen zum Wochenende (3.9.) Post von der Stadt. Die Tatsache in Kurzform heißt: Jede Bebauung ist hier illegal und muss wieder weg. „Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden“, schickt Bettina Lenort im Gespräch mit unserer Redaktion vorweg. In Panik müsse niemand verfallen.

Der Außenbereich ist unantastbar

Anders als vom besorgten Bürger vermutet, handelt es sich hier nicht um Grabeland. Grabeland sind Grundstücke, die jeweils für ein Jahr verpachtet werden. Deshalb dürfen hier nur einjährige Pflanzen gesetzt werden. Auch Gewächshäuser sind dann unzulässig.

Auf den vielen Parzellen an der Victorstraße stehen viele kleine Häuschen und Lauben.
Auf den vielen Parzellen an der Victorstraße stehen viele kleine Häuschen und Lauben. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

An der Victorstraße aber sind in der Vergangenheit eben diese vielen kleinen Grundstücke mit ebenso vielen Eigentümern entstanden. Die Fläche umfasst insgesamt rund 16.000 Quadratmeter.

Das Luftbild, zu finden auf dem Geoportal der Metropole Ruhr, stammt aus dem Jahr 1969, Es ist das erste Luftbild, auf dem zu erkennen ist, dass das dreieckige Gelände genutzt wird. Oben links sieht man Schloss Bladenhorst. © Hansa Luftbild GmbH, Aerowest GmbH © Hansa Luftbild GmbH, Aerowest GmbH

Tatsache ist, dass es sich hier um Außenbereich handelt. „Der ist unantastbar“, sagt die Stadtbaurätin. Alles, was sich vor Ort vorfindet, sei baurechtlich unzulässig: die Wege und jede Bebauung. Einen „städtebaulichen Missstand“ nennt das Bettina Lenort. Erlaubt sei nur die leere Parzelle.

Bebauung ist ab den 1980er-Jahren entstanden

„Die Ursprünge kennen wir nicht“, sagt Bettina Lenort. Ob hier die Emschergenossenschaft Grundstücke verkauft hat oder eine Firma an treue Mitarbeiter – das sind nur Spekulationen. Es gebe keine Unterlagen bei der Stadt. Und das alles müsse Jahrzehnte her sein. Luftbilder zeigen, dass ab Ende der 1980er-Jahre langsam Bebauung zunimmt. Möglich sei es auch, sagt Bettina Lenort, dass die Parzellen hier für die Versorgung von Bewohnern von Mietwohnungen als Anbaufläche zur Verfügung gestellt wurde.

Das Luftbild, zu finden auf dem Geoportal der Metropole Ruhr, stammt aus dem Jahr 1990. Hier ist bereits Bebauung zu erkennen. Oben links sieht man Schloss Bladenhorst. © Aerowest GmbH, EUROSENSE GmbH © Aerowest GmbH, EUROSENSE GmbH

Doch wie kann mit der Situation umgegangen werden? Erst einmal hat die Stadt alle Eigentümer mit dem Brief informiert. Zugleich fragt sie auch nach eventuell vorhandenen Genehmigungen. „Unsere Akten geben dazu nichts her“, sagt Planungsamtschef Philipp Röhnert. Auch nach möglicher Verpachtung wird gefragt und wie die Parzellen genutzt werden. Mancher sei vielleicht nur dreimal jährlich für ein Wochenende dort, ein anderer täglich.

2006 entstand dieses Luftbild, es zeigt zunehmende Bebbauung auf der Grünfläche an der Victorstraße. © Hansa Luftbild AG, Geobasis NRW © Hansa Luftbild AG, Geobasis NRW

Später möchte die Stadt zu einer Eigentümerversammlung einladen. „Viele wissen sicher gar nicht, dass es illegal ist, was sie tun“, sagt Bettina Lenort. Doch sie ist jetzt schon sicher: „Wir werden es nicht legalisiert bekommen.“

Schaffung einer Kleingartenanlage ist möglich, aber unrealistisch

Eine Möglichkeit wäre, eine förmliche Kleingartenanlage zu schaffen. Doch dafür müsste jeder seinen Einzelbesitz aufgeben und in eine Betreibergesellschaft überführen. Und es müsste alles erschlossen werden: Kanalisation, Wasser, Strom.

Auf den vielen Parzellen an der Victorstraße stehen viele kleine Häuschen und Lauben. Auch ein Taubenhaus gehört dazu.
Auf den vielen Parzellen an der Victorstraße stehen viele kleine Häuschen und Lauben. Auch ein Taubenhaus gehört dazu. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Und trotzdem müssten die Gebäude zurückgebaut werden, so die Stadtbaurätin. Es kämen also hohe Kosten auf die Eigentümer zu, die noch dazu ihren Besitz aufgeben müssten. „Ich halte diesen Weg für ausgeschlossen“, schätzt sie die Lage ein.

In den kommenden Wochen will die Stadt deshalb in individuelle Abstimmungen gehen. Dabei kann es auch um Duldungszeiträume gehen. Oder um Fristen. Im schlimmsten Fall um eine Beseitigungsverfügung. Ziel ist null Bebauung, so die Stadtbaurätin. Und: Es werde in einer überschaubaren Zeit etwas passieren.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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