Lehrer Ernst Schulz und Schüler Fynn Marlinbielitz bringen die selbst gebauten Sensoren an. © Leon Elspaß
Klimawandel

Schüler forschen: Wie entwickelt sich das Klima in Castrop-Rauxel?

Zehn neue Sensoren messen in Castrop-Rauxel künftig die Temperatur. Mehrere Schüler beteiligen sich an dem Projekt. Es geht um den Klimawandel – und die künftige Stadtplanung.

Fynn Marlinbielitz stand hoch oben auf seiner mitgebrachten Leiter, unmittelbar an der viel besuchten Castroper Bahnhofstraße, als ein Polizeiwagen an ihm vorbeifuhr. Die Beamten wurden langsamer, schauten einigermaßen verdutzt und kehrten dann noch einmal um. Was er denn gerade eben an die Laterne gebunden habe, wollten sie wissen. Fynns Lehrer Ernst Schulz klärte auf – dann konnte die Werkelei fortgesetzt werden.

An zehn Orten im Castrop-Rauxeler Stadtgebiet fanden am Freitag (21.05.) jene – zugegeben – durchaus auffälligen Arbeiten statt. Verantwortlich dafür zeichnete das Berufskolleg Ostvest aus Datteln. Die Schule, der Fynn Marlinbielitz angehört. Er, 16 Jahre, erklärt das Vorhaben wie folgt: „Wir bringen Temperatursensoren an, zehn Stück an der Zahl. Die messen sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit und den Luftdruck.“

Hitzeentwicklung in Castrop-Rauxel auf dem Prüfstand

Dadurch, so der Berufsschüler, könne man sehen, „wie die Hitzeentwicklung in der Stadt ist und wie sich die Temperaturen verändern“. Denn, ergänzt Lehrer Ernst Schulz: Das Klima in Städten verhalte sich durchaus anders „als in ländlichen Umgebungen. Es bilden sich unter anderem sogenannte Wärmeinseln.“ Wie genau sich die Temperatur in Castrop-Rauxel entwickelt, will er gemeinsam mit seinen Schülern ergründen.

An der Castroper Bahnhofstraße wurde ein Temperatursensor angebracht. Kurz darauf schaute die Polizei vorbei.
An der Castroper Bahnhofstraße wurde ein Temperatursensor angebracht. Kurz darauf schaute die Polizei vorbei. © Leon Elspaß © Leon Elspaß

Dafür rückten am Freitag zwei Teams aus und brachten ihre mit einem 3D-Drucker erzeugten Sensoren im Stadtgebiet an. Jeweils auf rund drei Meter Höhe – „damit niemand auf die Idee kommt, sie einfach mal vom Mast zu hauen“. Sie sollen nun schließlich erst einmal auf unbestimmte Zeit dort hängen bleiben und die Temperatur messen. Auch die Stadt, so Schulz, interessiere sich dafür.

Denn, so erklärt er: In der künftigen Stadtentwicklung könne mithilfe von derlei Daten der Effekt des Klimawandels berücksichtigt werden. Mit Stadt und Kreis kooperiert die Schule, außerdem mit der RÜTGERS Stiftung, die das Projekt „Mikroklima“ finanziell unterstützte. Es bearbeite Zukunftsthemen, erhebe wichtige Klimadaten, mit denen Wissenschaftler letztlich weiterarbeiten könnten, begründet Ralph Gorski, Geschäftsführer der RÜTGERS Stiftung, die 1900 Euro große Förderung.

Lehrer Ernst Schulz vom Berufskollege Ostvest aus Datteln mit seinen Schülern aus dem Projekt
Lehrer Ernst Schulz vom Berufskollege Ostvest aus Datteln mit seinen Schülern aus dem Projekt „Mikroklima“. © Leon Elspaß © Leon Elspaß

Gorski sagt: „Es ist eine schöne Win-win-Situation. Die Schüler haben etwas davon, sie können praktisch arbeiten und ein Projekt verfolgen. Und die Messungen wiederum helfen, um herauszufinden, wie es in Castrop-Rauxel aktuell aussieht.“ Alle zehn Minuten lieferten die Sensoren neue Daten, erklärt Lehrer Schulz – und fügt hinzu: „Sie sind für alle öffentlich einsehbar.“ Im Internet auf opensensemap.org.

RÜTGERS Stiftung: „Fördern rund 25 Projekte im Jahr“

Der Klimawandel sei eines der beherrschenden Themen der aktuellen Zeit, darum habe man sich diesem Thema gewidmet, so Lehrer Schulz. Gorski von der RÜTGERS Stiftung fand Gefallen daran – und unterstützte. „Rund 25 Projekte im Jahr fördern wir“, sagt er. „Wenn wir sehen, dass ein naturwissenschaftliches Projekt gut durchdacht ist, wenn klar umrissen ist, was herausgefunden werden soll, dann fördern wir die Schulen gern. Vor allem regional“, sagt er.

Fynn Marlinbielitz nimmt am Projekt „Mikroklima“ teil.
Fynn Marlinbielitz nimmt am Projekt „Mikroklima“ teil. © Leon Elspaß © Leon Elspaß

Fynn Marlinbielitz hatte Spaß daran. Wobei er das nicht mit steigendem Interesse für Klimaschutz, Umweltdebatten oder Fridays for future erklärt. Nein, ihn habe „das Technische interessiert. Also: Wie werden Daten gesendet? Wie messen wir die Daten? Wie programmieren wir und bereiten die verschiedenen Daten auf?“ Dies habe ihm die größte Freude bereitet. „Und jetzt schauen wir mal, was dabei herauskommt.“

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Leon Elspaß
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