Wer ohne gültiges Ticket fährt, darf 60 Euro bezahlen. © DSW21
Rassismus

,,Schwarzfahrer” war gestern: Nahverkehrsbetriebe nutzen neuen Namen

Verkehrsbetriebe in Berlin und München wollen den Begriff ,,Schwarzfahrer" nicht mehr verwenden. Diese aktuelle Meldung hat Aufsehen erregt. Die Unternehmen vor Ort beeindruckt das nicht.

Der Begriff ,,Schwarzfahrer” kann schnell als rassistisch aufgefasst werden. Vor diesem Hintergrund streichen Verkehrsbetriebe, unter anderem in Berlin und München, diesen Begriff und schreiben Plakate und Werbungen um. Dabei hat das Wort einen anderen Ursprung. Wir haben bei den Verkehrsbetrieben nachgefragt, die in Castrop-Rauxel unterwegs sind.

Nutzen Sie den Begriff überhaupt noch oder ist es einfach nur noch ein umgangssprachlicher Begriff? Die Vestische Straßenbahnen GmbH, sowie die Bogestra und die DSW21 benutzen den Begriff des Schwarzfahrens seit mehreren Jahren nicht mehr. ,,Der Begriff ist einfach nicht mehr aktuell”, heißt es aus der Pressestelle der Vestischen Straßenbahnen GmbH.

Dabei hat das Wort „Schwarzfahren“ laut Sprachwissenschaftler keineswegs einen rassistischen Hintergrund. Der Ursprung des Begriffs liegt im Jiddischen. Das Wort ,,Shvarts“ bedeutet Armut und hat nichts mit der Hautfarbe eines Menschen zutun. Es geht also um Menschen, die arm sind und sich kein Ticket für Bus oder Bahn leisten können.

Fahrgast ohne gültigen Fahrschein

Die Ankündigung aus Berlin und München hat viel Aufmerksamkeit erregt und unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Laut Berichterstattung im Stern weisen auf der einen Seite antirassistische Interessenvertretungen darauf hin, dass die Farbe „Schwarz“ in der deutschen Sprache häufig in einem negativen/rassistischen Kontext verwendet werde. Zitiert wird aber auch der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer: „Als ehemaliger Verkehrsminister kann ich nur noch den Kopf schütteln. Die haben doch alle einen Knall!“

In allen drei Nahverkehrsbetrieben, die in Castrop-Rauxel unterwegs sind, wurde der Begriff ,,Schwarzfahrer” schon in der Vergangenheit durch ,,Fahrgast ohne gültigen Fahrschein” ersetzt. Dieser Begriff wirft keine Doppeldeutigkeit auf.

Verkehrsbetrieb lebt die Vielfalt

Fahrgäste, die ohne ein gültiges Ticket unterwegs sind, können ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro bezahlen und damit bis zu ihrem Ziel weiterfahren. Bei der Deutschen Bahn spricht man in dem Zusammenhang von „Fahrpreisnacherhebung“.

In anderen Regionen Deutschlands wird noch mit solchen Plakaten und Aufklebern vor dem Schwarzfahren gewarnt. In Castrop-Rauxel findet man diesen Begriff seit Langem nicht mehr. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Der Begriff vom ,,Fahrgast ohne gültigen Fahrausweis” lässt sich mittlerweile in vielen Bussen und Bahnen der DSW21 auf Plakaten wiederfinden. Die Bogestra legt Wert darauf, dass die Vielfalt in ihrem Betrieb gelebt wird, da ihre Angestellten fast 30 verschiedene Nationalitäten besitzen. ,,Vielfalt gehört bei uns zum Alltag”, so Pressesprecherin Sandra Bruns.

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