Tim Zuthar, Mitarbeiter bei Kaufland in der Castroper Altstadt, hat am Freitagmorgen am Einkaufszentrum am Widumer Platz für eine Lohnerhöhung gestreikt. © Rebekka Wölky
Warnstreik

Streik im Video: Verdi fordert 12,50 Euro für Kaufland-Mitarbeiter

Am Freitag (30.7.) haben die Mitarbeiter von Kaufland in Castrop-Rauxel gestreikt. Im Video-Interview erklären Reiner Kajewski von Verdi und Kaufland-Mitarbeiter Tim Zuthar ihre Forderungen.

„Gewerkschaft ist Solidarität“, sagt Kaufland-Mitarbeiter Tim Zuthar und zeigt auf einen Kollegen, der seine kleine Tochter, vielleicht zwei oder drei Jahre alt, auf dem Arm trägt. „Da machen auch schon die ganz Kleinen mit.“

In einer gelben Weste mit dem Verdi-Logo steht Zuthar am Freitagmorgen (30.7.) zwischen 23 anderen Kaufland-Mitarbeitern vor dem Einkaufszentrum am Widumer Platz. Zuthar ist Warenleiter für den Bereich „Food“ im Kaufland in der Castroper Altstadt. Unter den Streikenden sind auch einige Kaufland-Mitarbeiter von der Dortmunder Bornstraße.

Herausforderungen durch Corona

Ihre Forderungen laut Gewerkschaftssekretär Reiner Kajewski: 4,5 Prozent mehr Lohn plus 45 Euro, außerdem ein Mindestentgelt von 12,50 Euro. Beides nicht nur bei Kaufland, sondern im gesamten nordrhein-westfälischen Einzelhandel.

„Einzelne Unternehmen haben die Löhne kürzlich erhöht, mal um zwei, mal um drei Prozent“, sagt Kajewski weiter. Durch einen Tarifvertrag abgesichert sei das aber bisher nicht, sodass die Lohnerhöhungen jederzeit zurückgezogen werden könnten. Rechtssicherheit hätten die Beschäftigten so nicht.

Besonders nach den neuen Herausforderungen der Corona-Pandemie sei die geforderte rechtliche Absicherung auch eine Frage der Wertschätzung. „Es reicht nicht, dass die Beschäftigten, die uns während der Corona-Pandemie eineinhalb Jahre lang versorgt haben, beklatscht werden“, sagt Kajewski.

Kunden reagieren ganz unterschiedlich auf den Streik

Während Kajewski spricht, verlässt ein älterer Herr das Einkaufszentrum, sieht die Streikenden und murmelt: „Keine Lust mehr auf Arbeiten?“ Tim Zuthar hat beobachtet, dass die Kunden auf den Streik sehr unterschiedlich reagieren.

Einige seien enttäuscht, wenn sie den einen oder anderen Artikel am Streiktag nicht bekämen. „Aber es gibt auch die, die sagen: Wir haben geklatscht, das war nicht genug. Wir wollen, dass ihr auch fair bezahlt werdet“, erzählt er. Einige würden sich dem Streik sogar indirekt anschließen und an den entsprechenden Tagen gar nicht einkaufen gehen.

Verhandlungen gehen im September weiter

Während des Streiks hatte Kaufland regulär geöffnet. Der Aussage des Markleiters, im Kaufland merke man von dem Streik nicht viel, widerspricht Zuthar aber: „Ich weiß, dass das Auswirkungen auf die Arbeit im Geschäft hat.“ In einer Stellungnahme äußert Kaufland den Wunsch, dass sich die Konfliktparteien zeitnah einigen.

Weil die Tarifverhandlungen stocken, hatte Verdi in der vierten Verhandlungsrunde vorgeschlagen, einen Teil der möglichen Entgelterhöhung in Freizeit oder mehr Urlaubstage umzuwandeln. Das hatten sich die Beschäftigten selbst gewünscht. Es hätte mehr Arbeitszeitsouveränität bedeutet und zum Gesundheitsschutz beigetragen. Die Arbeitgeber stimmten dem Vorschlag allerdings nicht zu. Am 1.9. sollen die Tarifverhandlungen fortgesetzt werden.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky

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