Martina Hosse-Dolega und Daniel Hischke bieten tiergestützte Trauerbegleitung und hoffen auf finanzielle Unterstützung durch eine Spendenaktion. © Ronny von Wangenheim
Daniels kleine Farm

Tierische Tröster: Wie Alpakas trauernde Kinder und Familie aufbauen

Bei den Alpakas auf „Daniels kleiner Farm“ finden trauernde Kinder Kraft. Um Trauerbegleitung weiter zu ermöglichen, machen Daniel Hischke und Martina Hosse-Dolega bei einem Wettbewerb mit.

Daniels kleine Farm in Castrop-Rauxel ist ein ruhiger Ort. Auf großen Weiden, auf denen man weit weg ist vom Alltag und Lärm der Stadt, leben Alpakas. Sie sind freundlich, neugierig, aber auch jederzeit zur Flucht bereit. Sie fühlen sich weich an und haben sanftmütige Augen. Für Kinder sind sie eine Quelle der Kraft. Die wird hier für Trauerbegleitung angezapft.

Einige Kinder haben hier ihren letzten Familienausflug gemacht, ehe der Vater oder die Mutter gestorben sind. Oder sie finden hier nach dem Tod eines Elternteils eine Auszeit, wenn sie die Alpakas beobachten und mit ihnen kommunizieren. „Tiergestützte Intervention“ nennt sich das, was Daniel Hischke (45) auf seiner Farm an der Bochumer Straße nahe der Stadtgrenze zu Bochum anbietet. Seit 2015 arbeitet er mit Trauerbegleiterin Martina Hosse-Dołęga (54) zusammen.

In den vergangenen Jahren hat dieses Angebot mehr Raum eingenommen. Doch die Finanzierung ist wackelig: „Die Familien sollen nicht dafür zahlen“, sagt Martina Hosse-Dołęga. Denn die sind, gerade wenn einer der Eltern jung stirbt, finanziell meist sowieso sehr belastet.

Palliativnetz Bochum bewirbt sich bei LBS-Wettbewerb

Hier kommt der LBS-Wettbewerb „Vorausdenker“ ins Spiel. Das Palliativnetz Bochum, mit dem Martina Hosse-Dołęga zusammenarbeitet, bewirbt sich mit dem Projekt. Es heißt: „Zuhause für die tiergestützte Kinder- und Familientrauerbegleitung mit Alpakas in Castrop-Rauxel“. 338 Stimmen wurden Stand 27.9. dafür abgegeben. Daniel Hischke, der selbst Fachkraft für tiergestützte Intervention ist, und die Castrop-Rauxeler Trauerbegleiterin hoffen aber auf noch mehr Stimmen.

Alpakas sind für Kinder Quellen der Ruhe und der Kraft.
Alpakas sind für Kinder Quellen der Ruhe und der Kraft. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Wenn Martina Hosse-Dołęga von den Begegnungen der Familien mit den Alpakas spricht, gerät sie ins Schwärmen. „Kinder sind Entdecker“, sagt sie, „sie erkunden alles, beobachten die Tiere, nehmen Kontakt auf.“ Für Daniel Hischke haben Alpakas eine „unfehlbare Wirkung gerade bei Belasteten“. Allein durch ihre Anwesenheit würden die Tiere Ruhe ausstrahlen.

Die beiden erzählen von Familienausflügen, bei denen viel gelacht wird, wo der Alltag weit weg ist, wo Erinnerungen geschaffen werden – und „Herzensvermächtnisse“: „Ich erlebe Familien in einem herzensnahen Miteinander, glücklich, auch wenn sie wissen, dass es vielleicht der letzte gemeinsame Ausflug ist“, sagt die Trauerbegleiterin und Traumapädagogin.

Tiere werden nicht dressiert

Kinder toben hier herum, malen, schreiben, bewegen sich frei in der Natur. Alpakas werden gestreichelt oder versorgt. Oder man macht Wanderungen mit ihnen. „Sie sind im Hier und Jetzt“, beschreibt sie.

Daniel Hischke ist es dabei ganz wichtig, dass die Alpakas in ihrem Lebensraum besucht werden. „Sie sind Fluchttiere“, sagt er. „Wir nötigen die Tiere nicht, sich unseren Bedürfnissen anzupassen, sondern passen uns an.“

Durch die Bewegung und die schönen Erlebnisse, so Martina Hosse-Dołęga, schaffe man eine emotionale Stabilisierung. Kinder und Erwachsene lernen, dass Körper und Gefühle in Wechselwirkung zueinander stehen. Sie sagt: „Kinder öffnen sich, wenn sie sich wohl fühlen. Und dann öffnen sich Herzenstüren.“

Der Besuch auf Daniels Farm ist oft nur eine der Begegnungen zwischen der Trauerbegleiterin und den Familien. Aus dieser Erfahrung heraus sagt sie, dass die Glücksmomente, die im Herzen oder auch in Form von kleinen Filmen oder Andenken gesammelt werden, lange halten. Manchmal jahrelang.

Vorausdenker 2021

  • „Vorausdenker“ ist ein Wettbewerb der LBS für Nordrhein-Westfalen und Bremen. Unterstützt werden maximal 150 Projekte von Vereinen oder gemeinnützigen Organisationen für Projekte aus den Bereichen Umweltschutz, Familie und Kinder sowie Bauen und Wohnen/Digitalisierung.
  • Es gibt Fördergelder zwischen 500 und 5000 Euro. Insgesamt werden 90.000 Euro verteilt.
  • Eine Jury vergibt einige Geldpreise. Für die große Masse aber zählt die Abstimmung online. Abgestimmt werden kann bis zum 4. Oktober, 12 Uhr.
  • Das Projekt Kindertrauerarbeit im Palliativnetz Bochum findet sich unter LBS-Vorausdenker.de.
Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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