Das Forum in Castrop-Rauxel ist ein riesiges Gebäudeensemble aus der Nachkriegszeit. Mit seinen Dimensionen wirkt es am Stadtrand fas ein wenig verloren. © Michael Rasche
Architektur

„Trutzburg der Demokratie“: Das Rathaus ist ein Betonklotz mit Charme

Im Rathaus in Castrop-Rauxel eröffnet die Ausstellung „Gesamtkunstwerke“ zu den dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling. Sie haben das Forum entworfen – mit politischen Hintergedanken.

Gewaltig, grau und fast ein bisschen verloren steht Castrop-Rauxels Rathaus fern des Stadtzentrums. Erbaut 1966 bis 1976 ist das „Forum“ ein Paradebeispiel für Nachkriegsarchitektur: postmodern und mit viel Beton erbaut.

Und doch sagt Bürgermeister Rajko Kravanja vor der Eröffnung der Ausstellung „Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland“: „Die meisten Menschen in der Stadt lieben ihr Rathaus. Seinen Charme entfaltet es auf den zweiten Blick.“

Nachkriegsarchitektur

Die Wanderausstellung des Museums der Baukultur Nordrhein-Westfalen informiert über das Werk des dänischen Architektenduos, das auch das riesige Gebäudeensemble „Forum“ zwischen den Ortsteilen Castrop und Rauxel entworfen hat. Sie eröffnet am Montag (6.9.) im Rathaus, mit Blick in den Ratssaal. Verschiedene postmoderne Bauwerke der Architekten, unter anderem in Mainz, Hamburg und Berlin, werden vorgestellt. So auch das „Forum“ als ein besonders beeindruckendes Beispiel für Nachkriegsarchitektur.

Der Titel „Gesamtkunstwerke“ drückt die Komplexität der Nachkriegsarchitektur aus. Denn beim Gebäude an sich hört es in der Postmoderne nicht auf. Arne Jacobsen etwa ist besonders bekannt für seine zeitlosen Möbel und Produktdesigns, die er aber fast immer im Zusammenhang mit einem Bauprojekt entwickelte.

Auch im Inneren des Castrop-Rauxeler „Forums“ ist viel Beton verbaut.
Auch im Inneren des Castrop-Rauxeler „Forums“ ist viel Beton verbaut. © Michael Rasche © Michael Rasche

Auch über die Postmoderne an sich informiert die Ausstellung: Welche Bedeutung hatten Architektur und Bauen nach dem Zweiten Weltkrieg? Mit welchen Visionen baute man in den 1960er- und 1970er-Jahren? Und in welchem Zusammenhang stehen Architektur und Politik?

Buchprojekt

Im Falle des Forums ist die letzte dieser Fragen klar zu beantworten: „Es ist eine Trutzburg der Demokratie“, sagt die Castrop-Rauxeler Stadtbaurätin Bettina Lenort. So kann jeder Bürger durch Glasscheiben im Erdgeschoss das Geschehen im darunterliegenden Ratssaal beobachten. „Die Bevölkerung guckt uns Politikern bei unserer Arbeit auf die Finger, was ich persönlich sehr angenehm finde“, sagt Kravanja.

Ihren Ursprung hat die Wanderausstellung in einem Buchprojekt ihrer beiden Kuratoren, des Journalisten Jan Dimog und des Architekten Hendrik Bohle. „Wir wollten den Einblick in die Postmoderne und gerade in die Arbeit von Jacobsen und Weitling nicht nur Fachleuten, sondern allen Interessierten öffnen“, sagt Hendrik Bohle. Und dazu eigne sich eine Ausstellung doch besser als nur ein Buch. „Gesamtkunstwerke“ macht bis 2023 unter anderem in Berlin, Mainz, Hamburg und auf der Ostseeinsel Fehmarn Station. Meist in Originalgebäuden der Architekten.

„Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland“: Forum und Rathaus Castrop-Rauxel (Ratssaalfoyer), Europaplatz 1 in Castrop-Rauxel, 6.9. bis 4.11. 2021, Mo -Mi 10-18 Uhr, Do 10-19 Uhr, Eintritt frei. Es gelten 3G-Regel und Maskenpflicht.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky

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