Der Baumkreis im Goldschmiedingpark wurde Opfer von Vandalismus. Nur an einem dünnen Strang hing die Krone von Zierpflaumen. Diese Bäume sind nicht zu retten. © Stadt Castrop-Rauxel
Polizei

Vandalismus an Gedenkstätte im Goldschmieding-Park: Bäume geköpft

Im Goldschmieding-Park haben Unbekannte Bäume beschädigt. Zwei Zierpflaumen wurden regelrecht geköpft. Sie haben eine besondere Bedeutung. Deshalb wurde auch der Staatsschutz informiert.

Sachbeschädigung – unter dieser Überschrift beschäftigt sich die Polizei in Castrop-Rauxel mit Vandalismus im Goldschmieding-Park. Dort haben am Wochenende Unbekannte Bäume mutwillig beschädigt oder zerstört. Doch es steckt mehr dahinter: Die Bäume bilden eine Gedenkstätte.

Am Samstagnachmittag (7.8.) war ein Castrop-Rauxeler Wanderer im Goldschmieding-Park wie so oft unterwegs. Da war auch noch alles in Ordnung. Am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr entdeckte er, dass zwei Bäume zerstört wurden. „Das war, als ob man sie regelrecht geköpft hätte“, beschreibt er es im Gespräch mit unserer Redaktion.

Stadt und Polizei, die der Castrop-Rauxeler informierte, entdeckten noch mehr. Klaus Breuer, Leiter des städtischen Bereichs Stadtgrün und Friedhofswesen, zieht ein verheerendes Fazit:. „Zwei der elf rotlaubigen Zierpflaumen wurden komplett abgesägt. Zwei weitere wurde angesägt und sind vermutlich ebenfalls nicht zu retten. Alle weiteren Bäume im Außenring wurden in der Rinde geschädigt, einzig der mittlere Baum blieb unbeschädigt.“

„10 + 1 Bäume für die Opfer rassistischen Terrors“

Die Polizei geht auf Anfrage davon aus, dass es sich um einen spitzen Gegenstand gehandelt hat. „Wie mit einer Machete reingeschnitten“, so beschreibt es der Castrop-Rauxeler Wanderer, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Denn er vermutet einen politischen Hintergrund. Sein Eindruck: „Das ist gezielt gemacht worden.“

Der Baumkreis bildet die Gedenkstätte „10 + 1 Bäume für die Opfer rassistischen Terrors“. Erst im März wurde sie eingeweiht. Die elf jungen, im Kreis gepflanzten Bäume stehen „für eine offene, tolerante, multikulturelle (Stadt-)Gesellschaft, in der Menschenverachtung, Rassismus und Terror keinen Platz haben“, so die Stadt in einer Stellungnahme.

Zwei der Bäume aus dem Baumkreis wurden abgesägt, zwei weitere sind vermutlich nicht zu retten.
Zwei der Bäume aus dem Baumkreis wurden abgesägt, zwei weitere sind vermutlich nicht zu retten. © Nora Varga © Nora Varga

„Die zehn Bäume erinnern an die zehn durch die Terror-Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) Ermordeten. Der elfte Baum in diesem Kreis steht für all diejenigen Menschen, die in jüngerer Vergangenheit durch rassistische Angriffe zu Tode gekommen sind.“ Der Baumkreis symbolisiere so die Einigkeit im Engagement für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Staatsschutz wurde routinemäßig informiert

Ob es sich um eine politisch motivierte Tat handelt, steht noch nicht fest. Vor Ort wurden keinerlei Hinweise entdeckt. Die Gedenktafel mit den Namen der zehn NSU-Opfer, die auf die Bedeutung des Ortes hinweisen soll, wurde bisher noch nicht aufgestellt. Polizeipressesprecher Andreas Lesch sagte am Montag, dass der Staatsschutz informiert wurde. Das sei Standard in solchen Fällen.

Bei der Stadt Castrop-Rauxel steht fest, dass die Gedenkstätte wieder komplett werden soll. Klaus Breuer betont: „Die vier zerstörten Bäume werden wir auf jeden Fall ersetzen, und die übrigen versuchen wir zu retten.“ In ein paar Jahren sollen die Baumwipfel zu einer gemeinsamen Krone zusammenwachsen.

Stadt Castrop-Rauxel hofft auf Zeugen

Die Stadt Castrop-Rauxel hat Anzeige erstattet. Wer etwas beobachtet hat, kann sich mit Hinweisen an den Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen, Tel. (02305) 106-2790, oder an die Castrop-Rauxeler Polizeiwache, Tel. (02305) 304-2431, wenden.

Zwei der Bäume aus dem Baumkreis wurden abgesägt.
Zwei der Bäume aus dem Baumkreis wurden abgesägt. © Nora Varga © Nora Varga

„10 + 1 Bäume für die Opfer rassistischen Terrors“ ist eine Initiative des Landesintegrationsrates. Mit der Pflanzung des Baumkreises griff der Castrop-Rauxeler Integrationsrat im März 2021 als einer der ersten mit einem einstimmigen Ratsbeschluss aus der Politik und in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung dieses Projekt auf und pflanzte die Bäume „für die Opfer rechter Gewalt“.

Zehn der elf Bäume wurden beschädigt oder zerstört. Die Stadt hat bereits die Wunden im Stamm versorgt.
Zehn der elf Bäume wurden beschädigt oder zerstört. Die Stadt hat bereits die Wunden im Stamm versorgt. © Nora Varga © Nora Varga
Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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