Wie sollte die Altstadt in Zukunft aussehen? Die Castrop-Rauxeler haben ganz verschiedene Vorstellungen, was jetzt mit den vielen Leerständen passieren sollte. © Timo Pianka
Leerstände

Von Dessous bis Cafés – So sollte die Castroper Altstadt aussehen

In der Castroper Altstadt stehen viele Ladenlokale leer. Wir haben uns umgehört, was sich die Castrop-Rauxeler hier jetzt wünschen. Die Meinungen könnten nicht unterschiedlicher sein.

Zu vermieten – Diese Worte lesen die Castrop-Rauxeler derzeit häufiger, wenn sie durch die Altstadt spazieren. Mehr als 20 leerstehende Ladenlokale gibt hier mittlerweile.

Zuletzt wurde bekannt, dass sich neben der Deutschen Bank auch die Commerzbank am Markt zurückziehen wird. Der Bürgermeister Rajko Kravanja würde dann in Zukunft gerne weitere Gastronomien sehen. Ein Vorbild könnte das Leuthold’s 1910 sein.

Mehr Cafés, um den Marktplatz zu beleben

Dort genießen die Eheleute Lammering gerade den sonnigen Nachmittag und blicken dabei auf den Markt: „Ein paar mehr Cafés würden diesem Platz bestimmt gut tun“, stellen sie fest. Für sie wäre das dringend notwendig, um „den Marktplatz mal wieder mehr zu beleben.“

Ein häufiges Bild in der Altstadt. Die Castrop-Rauxeler haben ganz verschiedene Vorstellungen, was jetzt mit den Leerständen passieren sollte.
Ein häufiges Bild in der Altstadt. Die Castrop-Rauxeler haben ganz verschiedene Vorstellungen, was jetzt mit den Leerständen passieren sollte. © Jonas Hildebrandt © Jonas Hildebrandt

Vor allem die jüngeren Castrop-Rauxeler würden sich freuen: „Es müsste kein Club sein, aber zumindest eine neue Bar wäre ganz schön“, sagt Kemi Adepoju. Derzeit besuche sie mit ihren Freunden regelmäßig die benachbarten Städte wie Dortmund, um etwas trinken zu gehen.

„Abends ist hier für uns nichts los“

So machen es auch Maria und Svenja. Zwar wohnen die beiden in Castrop-Rauxel, sagen aber: „Abends ist hier für uns leider nichts los, es ist ein wenig ausgestorben.“ Auch für Kinder und Jugendliche gebe es zu wenige Angebote.

„Ein Treffpunkt zum Billard spielen“ wäre für die beiden zum Beispiel eine Option. Nicht zuletzt, damit die Jugendlichen sich nicht mehr nur auf den Straßen der Altstadt aufhalten müssten: „Es fehlen ihnen einfach die Alternativen, wo sie hingehen könnten“, erzählen die Freundinnen.

Nach diesen Alternativen sucht auch Anna Zurkova vergeblich. Zwar arbeitet sie beim Leuthold’s 1910, wünscht sich aber trotzdem neue Mitstreiter am Marktplatz: „Eine größere Auswahl an kleinen Cafés oder Bars würde hier definitiv gut ankommen“, ist sie sich sicher.

„Kneipen gibt es hier genug“

Doch nicht für alle Castop-Rauxeler hätte das oberste Priorität: „Kneipen gibt es hier genug“, hält Luise Moryson dagegen.

Hat nicht mehr lange auf: die Commerzbank-Filiale am Marktplatz in Castrop.
Hat nicht mehr lange auf: die Commerzbank-Filiale am Marktplatz in Castrop. © Jonas Hildebrandt © Jonas Hildebrandt

„Ein kleiner Lebensmittelladen direkt hier am Markt“, sagt sie, „das fehlt!“ Gerade für ältere Leute sei es umständlich, für kleine Besorgungen oft längere Wege in Kauf nehmen zu müssen. In ihrem Bekanntenkreis wünschen sich das viele, so Moryson.

Dessous und Tapeten

Einen ganz anderen Bedarf sieht Anette Köster, die in Castrop-Rauxel seit 42 Jahren heimisch ist: „Früher gab es hier einen Dessous-Laden, seitdem der weg ist, fehlt so etwas einfach“, erzählt sie. Eine andere Castrop-Rauxelerin beteuert währenddessen, dass sie für Tapeten oder Stoffe zum Nähen immer in andere Städte fahren müsse.

Keine konkreten Ideen, aber einen generellen Wunsch hingegen hat Renee Weber-Gansel: „Man sieht in vielen Innenstädten eigentlich überall die gleichen Geschäfte der großen Ketten“, sagt sie und führt fort: „Es wäre schön, hier mehr inhabergeführte Läden zu sehen.“ So könne man sich auch von den benachbarten Großstädten abheben.

Dieser Meinung ist auch eine Hernerin, die am Mittag in der Castroper Altstadt unterwegs ist: „Zum Shoppen fahre ich gerne hierher“, erzählt sie. Dabei schätze sie vor allem das ruhigere Ambiente der Castrop-Rauxeler Fußgängerzone.

Das hebt auch Jens Reiter, Inhaber der Boutique Reiter Fashion am Markt, hervor: „Shoppen von heute bedeutet nicht nur, von Laden zu Laden zu laufen“, sagt er. „Hier mal eine Kleinigkeit essen, da mal einen Kaffee trinken – das Komplettpaket muss stimmen“, so Reiter. Dieses müsse bei der zukünftigen Stadtplanung berücksichtigt werden.

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