Wieder (oder immer noch) ein Aufreger: Auf Termine im Bürgerbüro muss man lange warten. © Thomas Schroeter
Rathaus

Weiter lange Wartezeiten im Bürgerbüro / Stadt: Es kommt alles zusammen

Seit Monaten regen sich Castrop-Rauxeler über lange Wartezeiten im Bürgerbüro auf. Der Bürgermeister versprach jüngst mehr Termine. Bisher hat sich wenig geändert. Die Stadt räumt Rückschläge ein.

Mehrfach haben wir in den vergangenen Wochen darüber berichtet: Viele Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler sind sauer und wütend, dass die Wartezeiten im Bürgerbüro lang sind. Mehrere Monate musste man sich im Frühjahr bis zum Termin gedulden. In einem unserer Berichte war die Rede von einer „absolut lächerlichen“ Situation, von einer Stadtverwaltung im „katastrophalen Zustand“.

Bürgermeister Rajko Krananja ging daraufhin in die Offensive: Der SPD-Politiker kündigte an, es werde sich etwas tun. Und zwar ganz schnell.

Teams gesplittet wegen Corona

Zum Hintergrund: Die Stadt verwies bei der Buchungsproblematik immer auf die spezielle Corona-Situation. Um die Mitarbeiter vor Corona zu schützen, habe man die Teams splitten und daher mit weniger Personal als sonst parallel arbeiten können. Die Konsequenz: Es konnten weniger Termine als üblich angeboten werden.

Damit sei aber nun Schluss, kündigte Kravanja im Interview mit unserer Redaktion am 5. Mai an. Man habe so umstrukturiert und umgebaut, dass man wieder „in der vollen Mannschaftsstärke parat“ stehe und mehr Termine anbieten könne. Greifen sollte das Ganze bereits in der Woche nach dem Interview. Also, ab Montag, 10. Mai.

Termin für Express-Reisepass: 26. Oktober

Wer sich allerdings jetzt durchs Buchungsportal klickt, muss sich wundern. Stand Dienstagmorgen (18.5.) sind vor Mitte Oktober 2021 keine neuen Termine buchbar. Egal, welche Dienstleistung man auswählt: eine Erweiterung des Führerscheins, die Beglaubigung von Dokumenten, die Beantragung eines neuen Personalausweises oder eine simple Ummeldung. Kurios: Selbst die Beantragung eines Express-Reisepasses ist frühestens für den 26. Oktober buchbar.

Ein Blick in andere Städte zeigt, dass es schneller gehen kann: Hätte man beispielsweise in Bochum am Dienstagmittag einen Termin für die Beantragung eines Personalausweises ausmachen wollen, hätte man bereits am 16. Juni im Bürgerbüro Mitte vorbeikommen können.

Die Castrop-Rauxeler Bürger sind deshalb weiter auf dem Baum: Nachdem sich am Montag jemand bei Facebook über die langen Wartezeiten beschwert hatte, entwickelte sich sofort eine lange, aufgeregte Diskussion, in der die Stadt(-verwaltung) nicht gut weg kommt: Viele führen an, wie viele Monate sie jetzt schon auf einen Termin warten. Obwohl ihr Ausweis längst abgelaufen sei oder sie schon lange umgezogen sind.

„Traurig“ und ein „absoluter Wahnsinn“

Von „absolutem Wahnsinn“ ist die Rede, dass es „traurig“ sei und „ein Witz“. Ein User schreibt, der Service des Bürgerbüros sei so weit weg vom Bürger „wie die Erde vom Mars“. Andere werden sarkastisch: Man buche am besten jetzt schon einen Termin, wenn im kommenden Jahr der Perso ablaufe.

Manche Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler geben auch Tipps: Man solle jeden Morgen ab 8 Uhr reinschauen – mit etwas Glück sei etwas frei geworden und man bekomme einen früheren Termin. Und in der Tat: Auf diese Option verweist auch die Stadtverwaltung.

Tagesaktuell, immer morgens, würden im Bürgerbüro je nach Personallage weitere Termine freigeschaltet, schreibt Stadtsprecherin Uta Stevens auf unsere Anfrage. Weiterhin würden „im 14-tägigen Rhythmus in Abhängigkeit von der Urlaubssituation“ zusätzliche Termine vergeben. Außerdem könne es nach Stornierungen immer mal kurzfristig Termine geben.

„Manchmal kommt wirklich alles zusammen“

Insgesamt aber räumt die Stadtverwaltung ein, dass mit den neuen Terminen längst nicht alles so gelaufen sei wie geplant. „Manchmal kommt wirklich alles zusammen“, schreibt Uta Stevens.

Sie erläutert, Anfang Mai habe man Einzelarbeitsplätze geschaffen und mehr Termine anbieten können. Nun habe man aber an einem Ausfall im Rechenzentrum des Kreises Recklinghausen zu knabbern.

Durch diesen Ausfall sei am 6. und 7. Mai die benötigte Software „komplett“ weggebrochen, insgesamt 300 Termine seien an beiden Tagen zusammen ausgefallen. „Zusätzlich fielen auch die vereinbarten Ausgabezeiten für Dokumente an diesen Tagen weg, da auch hierfür die Software benötigt wird“, fügt Stevens hinzu.

Ausfall des Rechenzentrums bedeutet herben Rückschlag

Nun sei man dabei, neue Termine für die Kundinnen und Kunden zu finden, die von diesem Ausfall betroffen waren. Diese seien aufgerufen, möglichst die kurzfristig morgens eingestellten Termine zu nutzen. Allerdings, schreibt Stevens weiter, sei „nicht allen Kunden diese Kurzfristigkeit möglich“.

Hinzu komme: Um Menschen zu helfen, die bestimmte Dokumente wirklich dringend bräuchten, würden die verbliebenen kurzfristigen Termine „vorrangig an diese Notfälle vergeben“. Auch die zusätzlich aufgelaufenen Termine, die durch die technische Störung verursacht wurden, kämen hinzu und müssten abgearbeitet werden.

Deshalb wies Stevens bereits am Dienstag darauf hin, dass frühestens gegen Ende der Woche wieder mit freien tagesaktuellen Terminen zu rechnen sei. Bis der durch den Ausfall im Rechenzentrum hervorgerufene Stau abgearbeitet sei, dürfte es noch einige Wochen dauern, erklärte Stevens. Die Lage werde durch die „vielen Feiertage im Mai sowie Personalausfall“ noch verschärft.

Strukturelle Verbesserungen um Wochen zurückgeworfen

„Nicht abzuschätzen“ sei die Entwicklung der Terminanfragen, die sich üblicherweise im Vorfeld der Sommerferien erhöht. Dies hänge sehr von der Corona-Entwicklung ab. Klar sei aber: „Die geschaffenen guten strukturellen Verbesserungen zur Verkürzung der Wartezeit, wie in Ihrem Artikel berichtet, sind aufgrund der aktuellen Entwicklung um einige Wochen zurückgeworfen.“

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Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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