Der Sozialbericht zeigt, wie gut die Lebenslagen in 25 Sozialräumen sind. © Quelle Stadt Castrop-Rauxel/Grafik Martin Klose
Neuer Bericht

Wo man in Castrop-Rauxel besonders gut und besonders schlecht lebt

Um sozialen Problemen begegnen zu können, braucht man Daten. Ein neuer Bericht zeigt, in welchen Ortsteilen Castrop-Rauxels es sich besonders gut oder schlecht lebt. Mit echten Überraschungen.

Demografische und soziale Veränderungen werden die Stadt Castrop-Rauxel vor zentrale Herausforderungen stellen. Um Einrichtungen oder Angebote gezielt ausbauen oder einrichten zu könne, muss die Stadt wissen, wo sie handeln muss.

Ein neuer Sozialbericht, der jetzt erstmals erstellt wurde und den politischen Gremien vorgestellt wird, zeigt, an welchen Orten besonders viel Handlungsbedarf besteht. Und wo es sich sehr gut leben lässt.

Die positivsten Lebensbedingungen haben die Menschen in Dingen

25 Sozialräume wurden detailliert betrachtet, Stadtteile zum Teil noch einmal untergliedert. Dabei ging es etwa um die soziale Lage, um Erziehung und Bildung oder um kulturelles Zusammenleben. 26 Indikatoren führten zu den Ergebnissen.

Die positivsten Lebensbedingungen haben demnach die Menschen, die in Dingen wohnen. Mit einem Gesamtindex von 4,8 Punkten liegt dieser Stadtteil deutlich über dem Durchschnitt.

Genauso deutlich unter dem Durchschnitt ist Habinghorst Nord. Mit -6,4 Punkten steht man dort vor deutlichen Herausforderungen: In drei von vier Teilindizes schneidet dieser Sozialraum deutlich unter dem Durchschnitt ab.

Dingen ist der einzige Sozialraum mit weit überdurchschnittlichen Lebenslagen. Zehn Sozialräume haben ein überdurchschnittliches Ergebnis, fünf ein durchschnittliches, sechs ein unterdurchschnittliches und drei ein weit unterdurchschnittliches Ergebnis.

Gefühlte Lagen und statistische Daten können sich widersprechen

Michael Fritsch (CDU) wunderte sich im Ausschuss über den Spitzenreiter: „In Dingen ist nichts los. Da ist doch tote Hose.“ Für Maxi Belitz, die für die Stadt den Sozialbericht vorstellte, eine gute Gelegenheit, auf die Bedeutung des Berichts hinzuweisen: „Man sieht, dass gefühlte Lagen und statistische Größen nicht übereinstimmen müssen.“ Man könne also die eine oder andere Überraschung erleben.

Ein Hinweis auf die Lebensqualität liefern die Einwohnerzahlen. Zum Stichtag 31.12.2018 lebten in Dingen nur 905 Menschen und in Pöppinghausen/Bladenhorst 870 Menschen. Auch in Merklinde mit 1134 und Henrichenburg-West mit 1499 Einwohnern leben nicht sehr viele Personen. Gleichzeitig weisen diese Sozialräume mit die günstigsten Werte für die Lebenslagen auf. Auch Merklinde überrascht an dieser Stelle.

Gute Werte haben auch noch:

Ickern-Süd Nord, Gesamtindex von 3,5,

Henrichenburg-Ost,

Rauxel-Süd Süd,

Rauxel-Nord Ost,

Schwerin West,

Frohlinde

Obercastrop-West mit Indizes von je 1,6.

Habinghorst-Nord hat die meisten Bürger und größten Probleme

Anders Habinghorst-Nord: Mit 7088 Bürgern ist es sowohl der bevölkerungsreichste Sozialraum als auch der mit den größten Entwicklungs-hemmnissen. Dafür sprechen Indikatoren wie Ambulante Hilfen zur Erziehung, Fälle der Jugendgerichtshilfe und sowohl Mitteilungen als auch tatsächliche Kindeswohlgefährdungen.

Und: 23 Prozent der Einwohner haben hier einen Migrationshintergrund, die meisten davon stammen aus Rumänien, der Türkei oder Polen. Zwei Drittel von ihnen haben eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit.

Unterdurchschnittliche Lebenslagen finden sich außerdem in:

Rauxel-Süd Nord, Gesamtindex von -5,9,

Bövinghausen,

Castrop Süd,

Obercastrop Ost,

Deininghausen,

Schwerin Ost,

Habinghorst Süd

Ickern-Süd Ost alle mit Indizes von -1,8.

Die Ergebnisse zeigen auch, so Maxi Belitz, dass es sinnvoll ist, Stadtteile wie Rauxel-Süd oder Rauxel-Nord noch einmal aufzuteilen. In Rauxel-Süd sind die Lebenslagen in Rauxel-Süd Nord weit unterdurchschnittlich, in Rauxel-Süd Süd hingegen überdurchschnittlich ausgeprägt.

Die größten Anteil junger Menschen hat Bövinghausen

Weitere Erkenntnisse gibt es auch zur Altersstruktur der Bevölkerung, die mitunter sehr stark variiert. Der Anteil der unter 20-jährigen Bevölkerung beträgt in Castrop-Rauxel 29 Prozent. Der niedrigste Jugendquotient ist mit 23 Prozent in Henrichenburg-West und 24 Prozent in Dingen und Rauxel-Süd Süd vorzufinden. Auf die höchsten kommen Bövinghausen (38 Prozent), Deininghausen (37 Prozent) und Obercastrop Ost (36 Prozent).

Erst bei einem Jugend-Anteil von 44 Prozent wären die Alterskohorten übrigens gleich stark besetzt. Die Zahlen sind also auch ein Hinweis dafür, dass es bei fehlendem Ausgleich durch Zuwanderung in der Zukunft zu einem abnehmenden Arbeitskräftepotenzial kommt.

Politik lobt den neuen Bericht als „ein Juwel“

„Der Bericht kann und soll keine schnellen Antworten auf die sozialpolitischen Herausforderungen in einzelnen Sozialräumen liefern. Als Bestandsaufnahme bildet er eine Grundlage für die Entwicklung von strategischen und operativen Zielen“, schreiben Bürgermeister Rajko Kravanja und Beigeordnete Regina Kleff im Vorwort.

Im Betriebsausschuss 2 gab es jetzt viel Lob für das Werk. Ausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson nannte den Bericht „ein Juwel“, aus dem man noch viel „Honig saugen“ könne. So sieht es auch Regina Kleff. Sie erklärte, man werde die Erkenntnisse künftig für Projekte nutzen. Stadtteilkonferenzen nannte sie als ein Beispiel.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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