Die Computer-Animation zeigt die Dimension des neuen Verteilzentrums von Levi Strauss in Dorsten. Unter viel Grün verstecken sich riesige Hallen. © Delta Development Group
Levi Strauss

In Dorsten entsteht das „grünste Logistikzentrum Deutschlands“

Im Industriepark Große Heide entsteht in den nächsten Jahren das „grünste Logistikzentrum Deutschlands“. Die Projektentwickler sind bemüht, die Nachhaltigkeit zu betonen. Doch was heißt das?

Auf einer ehemaligen Bergbaufläche zu bauen, das hatte für die Delta Development Group offenbar einen besonderen Charme. Wo sonst ließe sich das „grünste Logistikzentrum Deutschlands“ besser errichten als auf einer alten Industriebrache? Mehr Gegensatz, mehr Strukturwandel, mehr Innovation geht wohl kaum.

Der Projektentwickler aus Düsseldorf, dessen Zentrale sich in den Niederlanden befindet, baut im Industriepark Große Heide bis 2023 ein riesiges Verteilzentrum und vermietet es für mindestens 20 Jahre an den Jeans-Weltmarktführer Levi Strauss. „Wir freuen uns sehr, dass unsere ganzheitliche Herangehensweise im Bereich Logistik nun auch in Deutschland Anwendung findet“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.. „Die Immobilie in Dorsten verstehen wir als wichtigen nächsten Schritt, auf den wir in Zukunft noch viele weitere folgen lassen wollen.“

Alle Baumaterialien auf Wiederverwertung ausgelegt

Fachleute sprechen von „Cradle to Cradle“ und meinen damit „eine Bauweise, die auf den Prinzipien der Wiederverwertung, Ressourcenschonung und Abfallreduktion basiert“. Alle Baumaterialien sind laut Delta auf Wiederverwertung ausgelegt und werden in einer Material-Datenbank erfasst. Am Ende der Nutzungsperiode ermögliche eine spezielle architektonische Verwendung die problemlose Trennung nach Materialtyp. Um die Luftqualität der Innenräume konstant hoch zu halten, würden ausschließlich schadstoffarme Materialien verwendet.

Eine Ansicht auf das Distributionszentrum von Levi Strauss, das bis 2023 im Industriepark Große Heide entsteht. © Delta Development Group © Delta Development Group

Grün ist der Firmenstandort sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne: Neben den Grünflächen im Außenbereich verfüge die Immobilie über einen Dachgarten, der auch als Sammelstelle und Kläranlage des gebäudeinternen Wasserkreislaufs eingesetzt wird. Durch den Einsatz erneuerbarer Energiequellen könne das Zentrum einen Großteil seines Energiebedarfs selbst decken.

In den Niederlanden hat Delta laut eigener Aussage mit Immobilien wie dem „ABC Square“ oder dem „Fokker Logistics Park“ in Schiphol bereits zahlreiche nachhaltige Logistik-Großprojekte realisiert – in Deutschland steht der Projektentwickler noch am Anfang. Mit dem Logistikzentrum in Dorsten wolle das Unternehmen die Expansion nun weiter vorantreiben.

Sogar ein Kindergarten soll vorgesehen sein

Levi Strauss denkt dem Vernehmen nach auch über einen firmeneigenen Kindergarten nach. Eine Entscheidung ist nach Angaben des Unternehmens aber noch nicht gefallen. Der Jeans-Produzent bestätigte auf Anfrage, dass die Waren von Dorsten nicht nur europaweit ausgeliefert, sondern möglicherweise auch „endproduziert“ werden. „Da es kein reines Verteilzentrum sein wird, werden dort Arbeitsplätze verschiedenster Ausrichtungen entstehen.“

Levi Strauss & Co. ist nach eigenen Angaben eine der weltweit größten Bekleidungsmarken und Weltmarktführer für Denim-Produkte. Die Produkte sind in mehr als 110 Ländern erhältlich und werden von Modeketten, Kaufhäusern, Online-Stores sowie in weltweit etwa 3.000 Flagship-Stores und Shop-in-Shops verkauft. Der Nettoumsatz von Levi Strauss & Co. betrug im Finanzjahr 2018 5,6 Milliarden US-Dollar.

Das sagt die Politik zur Ansiedlung

  • Die Vorsitzenden der Ratsfraktionen waren frühzeitig in die Pläne eingeweiht worden. Bernd Schwane (CDU) war „ganz begeistert“ und meint mit Blick auf die anvisierten 650 Arbeitsplätze. „Das mussten wir machen.“ Friedhelm Fragemann (SPD) sprach von einer „wunderbaren Nachricht weit über die Stadtgrenzen hinaus. Das sind mehr Arbeitsplätze, als damals prognostiziert wurden.“
  • Seine Parteikollegen aus Wulfen pochen indes auch darauf, „frühzeitig eine Lösung zu finden, um die zunehmende Verkehrsbelastung in Alt-Wulfen erheblich zu minimieren“, so Ortsvereinsvorsitzender Swen Coralic. Denkbar seien im ersten Schritt Schallschutzmaßnahmen für Anwohner der B 58, weiterhin müsse „offen über den Bau einer Umgehung diskutiert werden, insbesondere die Westumgehung, die durch das vorhandene Gewerbegebiet führt“.
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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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