22. Mai 1968: Als Eintracht Ahaus den Weltpokalsieger empfing

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Heute vor 52 Jahren spielte die Eintracht gegen den großen FC Santos. Die Anwesenheit der Brasilianer sorgte in Ahaus für großes Aufsehen, wie auch der damalige Torwart berichtet.

Ahaus

, 22.05.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht nur Jahrhundertfußballer Pelé begann seine eindrucksvolle Karriere 1956 beim FC Santos. Auch spätere Stars wie Robinho oder Neymar. Der Klub aus dem Bundesstaat São Paolo zählte gerade in den 1960er Jahren zum Besten, was der Weltfußball zu bieten hatte. Zu einem Freundschaftsspiel bei Eintracht Ahaus kam der FC Santos 1968 bereits als vierfacher Weltpokalsieger.

Die Ahauser traten seinerzeit in der Landesliga an. Torhüter der damaligen Mannschaft um Trainer Ludwig Kwiatkowski aus Gelsenkirchen war Hans Bagus. „Mit der Eintracht hatten wir damals einen richtigen Höhenflug, 1969 sind wir sogar in die Verbandsliga aufgestiegen“, erinnert sich der heute 82-jährige Ahauser. „Das war eine tolle Zeit, und im Stadtpark war richtig was los. In der Liga waren oft über 2000 Zuschauer da.“

Eine Attraktion in Ahaus

Sogar über 4000 Menschen hätten bei der Partie gegen den FC Santos am Seitenrand gestanden. Und die Brasilianer waren auch schon vor der Partie am Abend des 22. Mai eine Attraktion in der Stadt gewesen. „Umlagert von Autogramm heischender Jugend waren die Fohlenspieler des FC Santos bei ihrer Ankunft in Ahaus“, heißt es im damaligen Zeitungsbericht der Ruhr Nachrichten.

Offenbar war auch die Tatsache, dass die meisten der Spieler dunkler Hautfarbe waren, den Westmünsterländern ungewohnt, wie die nächste Passage des Berichts zeigt: „Nach kurzer Begrüßung im Eintracht-Vereinslokal DAB-Stuben durch Vorsitzenden Langerbeins zog die kaffeebraune Elf durch den Schloßgarten zum Rathaus, wo sie von Bürgermeister Ikemann und dem Sportausschuß der Stadt empfangen wurde.“

In den 1960er Jahren eine der besten Fußballmannschaften der Welt: der FC Santos.

In den 1960er Jahren eine der besten Fußballmannschaften der Welt: der FC Santos. © Archiv

Die Aufgabe des Dolmetschers übernahm der Nienborger Brasilien-Missionar Pater Harding, der gerade im Heimaturlaub weilte. Er übersetzte die Worte des Bürgermeisters Josef Ikemann, der die völkerverbindende Kraft des Sports betonte und den Wunsch aussprach, dass es „ein schönes und faires Spiel werden möge, das dem großen Namen des FC Santos alle Ehre mache“.

In Topbesetzung konnte der FC Santos allerdings nicht antreten. So hatte sich etwa Almiro beim vorherigen Spiel gegen die Westfalenauswahl verletzt und Ribeiro, damals Nationalspieler, war noch am Tag des Spiels ein Zahn gezogen worden, wie dem Zeitungsbericht zu entnehmen ist. Auch Toninho Guerreiro, 1968 Torschützenkönig der brasilianischen Liga, lief nicht in Ahaus auf.

Vorspiel zwischen Eintracht III und SV Heek

Dennoch freuten sich die vielen Zuschauer auf die Partie im Stadtpark und konnten sich mit dem Vorspiel zwischen Eintracht Ahaus III und dem SV Heek schon mal auf das große Spektakel einstimmen.

Allerdings hinterließ die Mannschaft des FC Santos vor Spielbeginn auf den damaligen Berichterstatter offensichtlich keinen besonders imposanten Eindruck: „Eine körperlich sehr schwache Mannschaft, die schon über eine ausgefeilte Technik verfügen muß, wenn sie über 90 Minuten ein gutes oder sogar überlegenes Spiel führen will.“

Und so ganz überzeugend trat der FC Santos tatsächlich nicht auf. Das zumindest belegt der nur knappe 1:0-Sieg der Brasilianer, an den sich auch Hans Bagus noch gut erinnert. „Das Ergebnis war für uns völlig in Ordnung. Wir hatten eine gute, junge Mannschaft und haben gut mitgehalten.“ Beim entscheidenden Gegentreffer sei der Ahauser Schlussmann machtlos gewesen. „Ich habe in dem Spiel gehalten, was ich halten konnte. Aber dieser eine Ball flog genau in den Winkel. Da konnte ich nicht drankommen.“

Hans Bagus mit den Bildern der damaligen Eintracht-Mannschaft

Hans Bagus mit den Bildern der damaligen Eintracht-Mannschaft © Markus Gehring

Zufrieden mit ihrer gebotenen Leistung gingen die Ahauser nach der Partie noch gemeinsam mit den brasilianischen Gästen essen, im großen Saal des alten Rathauses. „Da gab es dann zum Beispiel Schnittchen mit Schinken“, erinnert sich Hans Bagus. „Das war den Brasilianern völlig fremd und sie haben auch die Finger davon gelassen.“

Für die Südamerikaner war Ahaus nur eine von mehreren Stationen im Rahmen ihrer Reise durch Europa. Im Jahr 1968 holte der FC Santos seinen sechsten und bis 2002 vorerst letzten Meistertitel in der brasilianischen Liga. Die Ahauser bestritten in dieser erfolgreichen Zeit auch Freundschaftsspiele gegen Roter Stern Belgrad oder Fortuna Düsseldorf. Der Vergleich mit dem FC Santos war dennoch ein Ereignis, das vielen Ahausern besonders in Erinnerung geblieben ist.

Zum Ahauser Kader 1968 zählten: Karl-Heinz Nienhaus, Gerd van de Maat, Klaus Buckting, Bernhard Hemming, Manfred Firedrich, Dieter Meis, Hartmut Maaß, Alfons Heßling, Josef Wesker, Helmut Türpitz, Gerd Frankemölle und Hans Bagus. Trainer: Ludwig Kwiatkowski

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