Bundesliga – Coesfelder Schiri Philipp Hüwe ist dabei

Fußball

Die großen Arenen des deutschen Fußballs wird Philipp Hüwe aus Coesfeld in der neuen Saison hautnah erleben – und das nicht als Zuschauer, sondern als Schiedsrichter.

Coesfeld

von Frank Wittenberg

, 08.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Philipp Hüwe (l.), hier mit Marcel Benkhoff (Eintracht Ahaus) und Holger Derbort (ASV Ellewick), assistiert künftig in der Bundesliga.

Philipp Hüwe (l.), hier mit Marcel Benkhoff (Eintracht Ahaus) und Holger Derbort (ASV Ellewick), assistiert künftig in der Bundesliga. © Heike Derbort

So richtig fassen kann er es noch nicht. „Das ist einfach Wahnsinn“, schüttelt Philipp Hüwe den Kopf. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass alles so wunderbar funktioniert.“ Denn der 30-Jährige darf sich ab der kommenden Saison auf die großen Fußball-Arenen in Deutschland freuen, auf Stadien wie die Allianz-Arena in München oder das Berliner Olympia-Stadion. Und dort wird er nicht als Besucher vor Ort sein, sondern als Schiedsrichter-Assistent an der Seitenlinie – der Coesfelder hat den Sprung in die Fußball-Bundesliga geschafft!

Als er die Nachricht bekam, musste er erst einmal den Einkaufskorb abstellen und diese außergewöhnliche Neuigkeit sacken lassen. „Ich war in der Mittagspause im Rewe, als ich den Anruf bekommen habe“, lacht er. Jan-Hendrik Salver, der als Coach für die Schiedsrichter-Assistenten der ersten und zweiten Liga verantwortlich ist, informierte Hüwe per Telefon über die bevorstehende Beförderung – und die wurde einige Stunden später durch die Pressemitteilung des DFB-Präsidiums offiziell, das den Vorschlag der Schiedsrichterführung für den Elitebereich unter Leitung von Lutz Michael Fröhlich bestätigte.

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Klingt kompliziert, bedeutet aber ganz einfach: Philipp Hüwe, der seit drei Jahren in der Zweiten Bundesliga „winkt“, steigt in die höchste Spielklasse auf. „Davon träumen so viele“, staunt er. „Das wirklich zu schaffen, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Schon gar nicht vor 15 Jahren, als er zum ersten Mal ein Spiel leitete. „Bei Raspo Coesfeld, das müsste eine C-Jugend gewesen sein“, kramt er in seinen Erinnerungen. „Christoph Dastig hat mich damals begleitet.“ Ein paar Jahre lang war Philipp Hüwe zweigleisig unterwegs, pfiff Partien und kickte für die DJK-VBRS.

Bis zur A-Jugend, dann entschied er sich, auf den Weg als Schiedsrichter zu setzen – im Nachhinein goldrichtig. Und der 30-Jährige weiß auch noch genau, wem er das zu verdanken hat. „Willy Westphal hat mich davon überzeugt, dass mein Talent an der Pfeife größer ist als am Ball“, erzählt er mit Blick auf den damaligen Kreisschiedsrichterobmann und heutigen Kreisvorsitzenden. Westphal sei einer seiner besten Förderer gewesen – und zählte zu den ersten Personen, die Hüwe nun nach der außergewöhnlichen Nachricht angerufen hat.

Schnell ins Perspektivteam

Der Coesfelder ging seinen Weg durch die Ligen und schnell bis ins Perspektivteam des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen. „Anfangs bin ich mit Schiedsrichtern wie Sören Storks oder Marcel Neuer, dem Bruder von Manuel Neuer, in der Regionalliga und Jugend-Bundesliga unterwegs gewesen“, berichtet er. Schon mit 22 Jahren leitete er selbst Spiele in der Regionalliga, als Assistent schaffte er 2015 den Sprung in die dritte Liga. Bereits seit drei Jahren steht Hüwe an der Seitenlinie in Liga zwei, zunächst im Team mit Schiri Martin Thomsen, zuletzt mit Sven Waschitzki. „In der Regionalliga zu pfeifen und in der Zweiten Liga zu assistieren, war für mich schon ein Privileg“, hat er die Bodenhaftung nie verloren.

Es jetzt tatsächlich in die Bundesliga geschafft zu haben, ist für den Polizisten, der in Hürth wohnt und als Pressesprecher bei der Polizei Köln tätig ist, vor allem eines: „Wahnsinn!“ Mit einem kleinen Wermutstropfen ist die Karriere an der Linie verbunden: Selbst wird er künftig nicht mehr pfeifen oder nur noch ganz vereinzelt. Das sei aber okay, versichert er, denn den Job als Assistent macht er sehr gerne. „Irgendwann musst du dich entscheiden“, zuckt er mit den Schultern. „Dann wird auch aus dem Stürmer kein Torwart mehr.“ Hüwe konzentriert sich auf die eine Sache, und das ist die Unterstützung von der Seitenlinie aus.

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Mit wem er künftig ein Gespann bilden wird, ist noch offen. Was er aber jetzt schon weiß: Regelmäßig wird er eine Gänsehaut verspüren, wie auch bei seinen bisherigen Einsätzen – vor allem, wenn wieder Zuschauer die Tribünen bevölkern dürfen und die Stadien proppevoll sind. „Arenen mit Flair und grandioser Stimmung gibt es auch in den unteren Ligen“, weiß der Coesfelder aus Erfahrung und denkt unter anderem an den Betzenberg in Kaiserslautern oder den Volkspark in Hamburg.

Dortmund, Schalke und Bielefeld sind tabu

Jetzt also Bundesliga. Darauf freut er sich riesig, auch wenn ihm einige der stimmungsvollsten „Tempel“ verwehrt bleiben werden: Als Mitglied des Landesverbandes Westfalen darf er in Partien der heimischen Clubs wie Schalke 04 und Borussia Dortmund oder auch Arminia Bielefeld nicht assistieren. „Damit bin ich groß geworden, das ist okay“, kann er mit der Einschränkung leben.

Ohnehin kann er kaum benennen, auf welche Arenen er sich am meisten freut. „Jedes Spiel ist ganz besonders“, sagt Philipp Hüwe, der absolut zu schätzen weiß, wie gut es sein Hobby mit ihm meint. „Das ist wohl der Traum eines jeden Schiedsrichters, in der Bundesliga dabei zu sein“, lächelt er. „Durch dieses kleine Nadelöhr habe ich es geschafft.“ Oder um es mit einem Wort auszudrücken: Wahnsinn!

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