Bundesliga-Trainer Florian Kohfeldt macht Kindern eine klare Ansage

mlzBundesliga-Trainer in Stadtlohn

Florian Kohfeldt, Trainer vom SV Werder Bremen, zog mit seiner bodenständigen Art am Mittwoch die Zuschauer in Stadtlohn in seinen Bann. Egal welches Thema: Er nahm kein Blatt vor den Mund.

Stadtlohn

, 05.09.2019, 18:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn man sein Gesicht nicht aus dem Fernsehen kennen würde, Florian Kohfeldt (36) wäre am Mittwoch in den Räumen des Stadtlohner Unternehmens „Oberzaucher“ unter den zahlreichen Zuschauern nicht aufgefallen. Das obligatorische Trainingsoutfit tauschte er für einen Abend gegen Jeans und Pullover. Auch auf sein Markenzeichen – das Kaugummi – hat er für den zweistündigen Talk mit Moderator Jens Watermann verzichtet.

Den ersten, bodenständigen Eindruck bestätigte der „Trainer des Jahres 2018“ auch im Laufe des Abends. Sein spitzbübisches Lächeln immer auf den Lippen, mit allen per Du, gewährte er nicht nur tiefe Einblicke in den Verlauf seiner Karriere, sondern auch in sein Seelenleben.

Profi-Karriere nimmt keine Fahrt auf

Ohne Umschweife berichtete er von den Anfängen seiner aktiven Karriere als Torwart. Wie er bis zu seinem 17. Lebensjahr im Amateurbereich beim TV Jahn Delmenhorst kickte und erst bei einem Jugend-Turnier zufällig von einem Werder-Scout entdeckt wurde.

Bundesliga-Trainer Florian Kohfeldt macht Kindern eine klare Ansage

Die Fans ließen sich Autogramme geben. Auch für Fotos stand der Werder-Coach zur Verfügung. © Johannes Schmittmann

Doch auch danach wollte seine Karriere nicht so recht Fahrt aufnehmen: „Wenn ich ehrlich bin, merkte ich schon nach einer Woche, dass es bei mir für den Sprung zu den Profis nicht reichen wird. Mir fehlte es an Talent.“ In der U23 bei Werder Bremen II sitzt er damals auf der Bank. Für Einsätze reicht es nur bei der U21, die damals von Werder-Legende Viktor Skripnik trainiert wird.

Kohfeldt verdient sich erste Sporen als Trainer

Schnell kristallisiert sich heraus, dass Kohfeldt einen anderen Weg einschlagen muss. Sein strategisches Denken fällt seinen Förderern früh auf; sie legen ihm nahe, sein Glück als Trainer zu probieren. In den Jugendmannschaften des SVW verdient er sich seine erste Sporen. Nebenbei beginnt er sein zweites Studium der Sport- und Gesundheitswissenschaften.

Obwohl er im Trainer-Job aufgeht, war es keine leichte Zeit, wie er am Mittwoch offen zugab: „Meine Freundin war mit 25 fertige, verbeamtet Lehrerin. Wo mein Weg hinführen sollte, war damals völlig unklar. An die Bundesliga habe ich überhaupt keinen Gedanken verschwendet.“

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Schwierige Gespräche mit seinem Vater folgten: „Er war sauer auf mich, weil ich es für selbstverständlich genommen habe, studieren zu können. Er hatte sich damals alles hart erarbeiten müssen.“ Doch Florian Kohfeldt erklärte ihm, dass nur das machen könne, was ihm Spaß macht. Und das war nun einmal der Fußball.

Innerer Zwiespalt nach Trainer-Entlassung

2014 folgt der Sprung auf die ganz große Bühne. Durch die Entlassung von Robin Dutt rückt Viktor Skripnik auf dem Posten des Chef-Coaches. Sein Assistent: Florian Kohfeldt. Doch unter die große Freude mischt sich beim heute 36-Jährigen auch Mitgefühl: „Man ist in einem inneren Zwiespalt. Es ist keine Plattitüde, wenn ich sage, dass man eine Entlassung keinem seiner Kollegen wünscht. Egal, ob sich dadurch für einen selbst die Tür öffnet.“

In den zwei Jahren als Victor Skripniks Assistent erlebt er Höhen und Tiefen; die ganze Palette der Gefühlswelt: „Am Anfang war er der Heilsbringer; später gab es eine Busblockade am Kreuz Lotte, bei der die Fans skandierten: ‚Skripnik raus!‘“

Mit der Entlassung Skripniks rückte Kohfeldt zurück ins zweite Glied, trainierte fortan die U23. „Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg“, berichtete der 36-Jährige vom damaligen Gespräch mit Sportdirektor Frank Baumman. Mittlerweile hatte er den Fußballlehrer in der Tasche – als Bester seines Jahrgangs.

Über Umwege auf den Chefsessel

Wie im Bundesliga-Business üblich, brauchte es erneut eine sportliche Talfahrt, damit Florian Kohfeldt ins Flutlicht des Weserstadions zurückkehren durfte. Zunächst als Interimslösung, dann als dauerhafter Nachfolger für den geschassten Alexander Nouri. Der lange gehegte Traum geht endlich in Erfüllung. Doch erneut gibt es auch Momente des Zweifels.

„Diese Stelle ist Gefahr und Chance zugleich. Einerseits ist es mein Traumjob, auf der anderen Seite ist es klar, dass ich diesen Posten nicht ewig bekleiden werde – gewollt oder ungewollt“, erklärte der Werder-Coach dem Stadtlohner Publikum.

Bei Werder Bremen verschwendet man aktuell allerdings gar keinen Gedanken an ein solches Szenario. Kürzlich verlängerte man den Kontrakt mit dem Erfolgstrainer um zwei weitere Jahre bis 2023 – ohne Ausstiegsklausel. „Es wäre meinen Spielern und dem Verein gegenüber einfach unglaubwürdig gewesen“, so Kohfeldt.

Für Kohfeldt kommt in Zukunft auch das Ausland infrage

Kein Geheimnis machte er an diesem Abend daraus, dass es für ihn aber dennoch zwei, drei Vereine im Ausland geben würde, die ihn als Trainerstation in Zukunft noch einmal reizen würden. Gleichzeitig sagte er aber auch: „Daran jetzt Gedanken zu verschwenden, wäre völlig sinnlos.“

Denn zunächst hat er – trotz des holprigen Saisonstarts – mit Werder große Ziele. „Ich wäre gerne dabei, wenn wir mittwochs im Weserstadion noch einmal die Lichter an hätten.“ Das mittelfristige Ziel ist also klar: die Champions League.

Champions-League-reif war auf jeden Fall schon seine fingierte Halbzeitansprache, die er zum Abschluss des Abends vor 15 Kindern auf der Bühne hielt.

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