Auf Schiedsrichter könnte nach Zwangspause intensiver Endspurt warten

mlzCorona-Krise

Stillstand herrscht auch bei den Schiedsrichtern im Amateurfußball. Alle warten auf Signale. Die Verantwortlichen blicken schon über den Tellerrand hinaus. Teils mit leichten Bauchschmerzen.

Ahaus

, 15.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Samstags Juniorenspiele, sonntags oft noch Auftritte bei den Senioren, manchmal auch Einsätze unter der Woche – so sieht der Alltag von vielen Amateurschiedsrichtern aus. Doch nun ruht der Ball. Die aktuelle Corona-Krise trifft nun nicht nur Sportler und Vereinsverantwortliche, auch den Schiedsrichtern ist aktuell eine Zwangspause verordnet.

Die Wochenenden müssen aktuell anders gestaltet werden, in der Freizeit kann man sich anderen Dingen widmen. Und die Mitglieder des Kreisschiedsrichterausschusses befassen sich schon mit der Zeit nach Corona – teils auch mit ein wenig Bauchschmerzen.

Adnan Engin war der fleißigste Referee

Bemerkenswerte 140 Spiele hat Adnan Engin im vergangenen Jahr für den SV Heek gepfiffen. Damit zählte er zu den fleißigsten Referees im Fußballkreis Ahaus. Nun ist Stillstand angesagt – das spürt der erfahrene Unparteiische, „Baujahr 64“, tagtäglich. „Ich werde überall schon angesprochen, wann man sich endlich wieder auf dem Platz sieht“, lacht der Jugendtrainer beim SV. Für die einen ist er der Mann an der Pfeife, für die anderen ist er der Coach.

„Ich bitte dann immer um Geduld und darum, Abstand zu wahren. Wir müssen die Situation einfach akzeptieren“, erklärt der leidenschaftliche Fußballfan. Er selbst geht auch in dieser Krise seiner Maxime nach: „Man muss etwas dafür tun, um Körper und Geist fit zu halten.“ Neben dem Joggen stöbert er aktuell im Archiv von Sport- und Schiedsrichterzeitungen, um „sich ständig weiter zu verbessern“.

Holger Derbort zählt zu den ganz erfahrenen Schiedsrichtern

Zu den ganz erfahrenen Schiedsrichtern im Kreis zählt auch Holger Derbort vom ASV Ellewick. Er nutzt die Zeit, um weiteren Hobbys noch mehr Zeit zuzugestehen: „In der Woche reiße ich rund 80 bis 100 Kilometer im Laufen ab, am Wochenende entspanne ich derzeit beim Angeln.“

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Viel Zeit, um Energie zu tanken – auch wenn „alle schon mit den Hufen scharrten“. In Sachen Prüfungen weiche die Ungewissheit immer mehr den unvermeidlichen Kompromisslösungen: „Auf Verbandsebene behalten alle wohl die Qualifikation, die sie in der laufenden Saison besitzen.“ Sprich, sie dürfen in der gleichen Spielklasse pfeifen.

Prüfungen werden wohl ausfallen

Ebenso Dinge, die sonst durch das Hobby auch einmal ein wenig zu kurz kommen, hat Daniel Fischer (SpVgg Vreden), Lehrwart im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld, unternommen. „Viel mit den Kids in der Natur, den Garten auf Vordermann gebracht“, erklärt er. Parallel schaue man, wie sich andere Kreise in Sachen Lehrarbeit aufstellten.

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„Online-Anwärterlehrgänge brauche wir noch nicht, wir haben ja einen frisch abgeschlossen und starten im August einen weiteren, der hoffentlich stattfinden kann“, erklärt er. Ansonsten musste erst eine Monatsschulung für die Schiedsrichter abgesagt werden.

In Sachen Prüfungen werde man wohl der Verbandsvorgabe folgen, dass die Schiedsrichter ihre Qualifikation behalten können. „Wir halten natürlich diejenigen, die gerne aufsteigen wollen, im Blick. Diesen werden wir natürlich Aufstiegschancen eröffnen.“ Dazu werde man im September einen Prüfungstermin für die A- und B-Liga-Schiedsrichter anberaumen.

Kommunikation über Video-Konferenzen

Wie „Urlaub“ kommt dem Vorsitzenden des Kreisschiedsrichterausschusses die aktuelle Situation vor, der Job ist bekanntlich zuweilen stressig genug. Natürlich sagt er das mit einem Augenzwinkern. Paulo Goncalves kommuniziert mit seinen Kollegen ebenfalls in Video-Konferenzen oder über WhatsApp. „Das klappt sehr gut, es ist aber nicht wirklich viel los, alles läuft auf Sparflamme.“

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Wie alle warte man auf Signale von den Behörden und Verbänden. „Bis dahin lohnt sich kein Kopfzerbrechen. Das kann noch früh genug kommen“, denkt der Stadtlohner auch schon an die Option, dass die Fußballsaison verlängert wird – womöglich gar über den 30. Juni hinaus.

„Dann kann es für uns Schiedsrichter haarig werden.“ Schon jetzt gibt es durch die zurückgehende Zahl an Referees im Kreis hin und wieder Engpässe. „Wenn wir dann auch noch in die Urlaubsphase kommen...“ Speziell in den ersten drei Wochen der Sommerferien würden erfahrungsgemäß viele verreisen.

Saisonverlängerung könnte zu Engpässen führen

Sollte die Ampel „auf grün gestellt“ werden, seien viele seiner Schiedsrichterkollegen sicher „heiß auf Einsätze“ und würden womöglich auch mehr Spiele pfeifen als sonst. Fehlten aber Schiedsrichter durch Urlaub, dann gebe es vor allem Probleme mit der Besetzung in unteren Ligen und in Englischen Wochen. Aber auch in höheren Spielklassen könnte es heikel werden.

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So weit denkt Goncalves aktuell noch nicht: „Wir haben es doch noch komfortabel, da wir keine Entscheidungen treffen müssen. Wir müssen nur Lösungen im Rahmen der Vorgaben finden. Und das schaffen wir gemeinsam.“ Den nötigen Weitblick behält er schon einmal...

Nächster Anwärterlehrgang

  • Schon jetzt weist der Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) auf den nächsten Anwärterlehrgang hin, die Nachfrage nach Schiedsrichtern ist groß.
  • Der Kurs beginnt am 20. August in der Kreisgeschäftsstelle in Coesfeld, Anwärter müssen das 14. Lebensjahr vollendet haben.
  • Insgesamt sind fünf Termine angesetzt, die Prüfung soll am 5. September erfolgen.
  • Interessierte können sich bereits jetzt beim KSA-Vorsitzenden Paulo Goncalves, Tel. (0172) 2890059 oder E-Mail: vksa@gmx.de, melden.
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