„Die Jungs nicht verheizen“ – Lokalsportler äußern sich zur Altersgrenze im Fußball

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16-Jährige in der Bundesliga – das könnte bald zur Regel werden. Wir haben Fußballer im Kreis gefragt, ob das vertretbar ist. Und wie die Senkung der Altersgrenze im Amateursport ankäme.

Kreis

, 24.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Selten zuvor war ein 15-Jähriger in ganz Fußball-Deutschland derart bekannt wie aktuell Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund. Damit Ausnahmetalente wie er künftig noch früher in der Bundesliga zu sehen sein können, denkt die Deutsche Fußball Liga (DFL) laut Berichten mehrerer Medien über eine Senkung der Altersgrenze nach.

Soll heißen: Künftig könnten auch 16-Jährige im Oberhaus des deutschen Fußballs auflaufen. Aktuell gilt noch die Regelung, dass ein Spieler entweder volljährig sein oder mindestens zum Jungjahrgang der A-Junioren zählen muss, um bei den Profis eingesetzt werden zu dürfen. Im Amateurbereich dürfen nur Spieler des älteren A-Juniorenjahrgangs bei den Herren mitspielen. Und dazu ist eine frühzeitige Seniorenerklärung notwendig.

Wir haben mit Trainern, Spielern und Funktionären der Fußballvereine in Ahaus und Umgebung sowie einem Arzt über das Thema gesprochen. Zum einen im Profibereich, zum anderen auf lokaler Ebene. Und die Meinungen dazu gehen durchaus auseinander.

Hendrik Maduschka aus Stadtlohn hat als Trainer von Junioren- und Seniorenteams sowie der Kreisauswahl langjährige Erfahrung mit jungen Kickern. Sportlich sei es sicher in Einzelfällen vertretbar, dass ein 16-Jähriger im Profibereich mitspielt. „Aber die Frage ist immer: Was macht das mit der Persönlichkeit eines jungen Spielers? Da sehe ich eine sehr hohe Verantwortung bei den Vereinen.“

Sahin, Tanko und Ødegaard als Beispiele

Dass ein zu früher Sprung zu den Profis nicht immer positive Auswirkungen hat, habe auch die Vergangenheit gezeigt: „Es gibt Spieler wie Nuri Sahin oder Ibrahim Tanko, bei denen das Ganze vielleicht zu früh kam. Auch aktuell ein Martin Ødegaard, der schon mit 15 Jahren in der norwegischen Profiliga gespielt hat und total gehypt wurde, braucht jetzt mit Anfang 20 länger, um die nächsten Schritte zu machen.“

Für den Amateurfußball sei es auf keinen Fall positiv, junge Spieler schon mit 16 Jahren bei den Herren einzusetzen. „Das hätte dann wahrscheinlich zur Folge, dass die Jungs verheizt werden und einige Vereine nach der B-Jugend keine Mannschaft mehr stellen könnten.“

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Das sieht Dietmar Vögeding, Jugendleiter beim SuS Legden, genauso. „Für den ein oder anderen Verein würde es personell sehr eng werden im Nachwuchsbereich.“ Grundsätzlich sagt der Legdener aber, dass es einzelne Spieler gibt, die sich auch mit 16 bei den Erwachsenen behaupten können, allen voran einer wie Moukoko. „In Ländern wie England ist das ja gang und gäbe. Deshalb denke ich, dass es auch in Deutschland so weit kommen wird, damit die Bundesliga wettbewerbsfähig bleibt.“

Dieser Entwicklung steht Frank Bajorath von der SpVgg Vreden, erfahrener Jugendtrainer und Trainerausbilder, zwiegespalten gegenüber. „Eine spezielle Förderung für sehr talentierte Spieler mag ja im Einzelfall funktionieren und sinnvoll sein. Wenn es aber nur darum geht, dass andere Leute noch früher Geld mit den Spielern verdienen können, dann hat das einen faden Beigeschmack.“

Auf den Fußballkreis Ahaus/Coesfeld bezogen sieht Bajorath die Gefahr, dass junge Spieler zu schnell verheizt werden könnten, gerade wenn sie in den unteren Kreisligen eingesetzt würden. „Wir als Vereine haben da auch eine Fürsorgepflicht. Der Sprung von Junioren zu Senioren ist jetzt schon groß und wäre dann noch größer. Bei einem 16-Jährigen ist die Muskulatur meist noch nicht ganz ausgewachsen und im Seniorenfußball knallt es in den Zweikämpfen schon mehr als in der Jugend.“

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Zur körperlichen Komponente haben wir Dr. Thomas Brüning aus Ahaus befragt. „Eine Pauschalisierung ist bei so einer Altersgrenze sicher nicht sinnvoll. Also nicht jeder 16-jährige Spieler ist körperlich geeignet, schon in der Bundesliga zu spielen. Aber wenn jemand talentiert ist und aus sportärztlicher Sicht nichts dagegen spricht – warum nicht? Schwerwiegende körperliche Beeinträchtigungen sind sicherlich nicht zu erwarten.“

Neben der körperlichen Eignung muss aber auch der Kopf mitspielen. Und das kann laut Rainer Hackenfort, Spielertrainer beim SV Heek, problematisch werden: „Mit 16 sind die Jungs noch Kinder - und die sollte man schützen. Gerade vor dem, was in der Bundesliga und vor so großer Öffentlichkeit auf sie einprasseln kann. Sicher gibt es Ausnahmen, die mit so einer psychischen Belastung besser umgehen können. Grundsätzlich halte ich aber nicht viel davon, Spieler schon in so jungen Jahren diesem Druck auszusetzen.“

Schon als 18-Jähriger in der Oberliga

Anders liegt der Fall für Hackenfort, früher selbst schon als 18-Jähriger im Oberliga-Team des SuS Stadtlohn, im Amateurbereich. „Hier bei uns auf dem Land geht es beim Fußball ja hauptsächlich um Spaß. Wenn es für einen jungen Spieler, seine Eltern und alle Beteiligten passt, dann kann man auch schon als jüngerer Spieler bei den Herren mitspielen.“

Verschiedene Sichtweisen also bei den Befragten, die sich aber alle in einem Punkt einig sind: Letztlich kommt es immer auf den Einzelfall an.

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