Diese Ahauser haben sich ihren eigenen Hindernisparcours in den Garten gebaut

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Wie viel Zeit und Geld sie schon in ihr Projekt gesteckt haben, wollen Thorben Birkenfeld, Sina und Raphael Endejann gar nicht so genau wissen. Aber das Ergebnis ist durchaus spektakulär.

Ahaus

, 16.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fährt man durch die Wirtschaftswege in Wüllen-Oberortwick, fällt einem inmitten der vielen Felder und wenigen Häuser ein Garten ganz besonders ins Auge: der der Familie Endejann. Hier haben die Geschwister Sina (18) und Raphael (27) gemeinsam mit Kumpel Thorben Birkenfeld (28) ein durchaus spektakuläres Projekt erschaffen. Weil die Extrem-Hindernisläufer im Ahauser Umland kaum Möglichkeiten fürs Training vorgefunden haben, bauten sie sich ganz einfach ihren eigenen Parcours. Der sieht auf den ersten Blick aus wie ein großer Spielplatz für Erwachsene. Und irgendwie ist er das auch.

Idee kam durch Internet-Video

Allerdings haben die Übungen, die die Sportler an etlichen Seilen, Ringen, Sprossen, einer Mauer und anderen Hindernissen vorführen, weniger mit entspanntem Spaß zu tun als mit gehöriger Anstrengung. „Wir können hier bis zu 45 Varianten üben, die bei Survival- oder Extrem-Hindernisläufen vorkommen“, erklärt Raphael Endejann.

Ein paar Jahre zurück: 2015 kamen Raphael Endejann und Thorben Birkenfeld auf den Geschmack, als sie Videos von einem Extrem-Hindernislauf im Internet sahen. Aus Spaß meldeten sich dann einfach mal zum Mud Masters in Weeze an. „Das hat uns so gut gefallen, dass wir in dem Jahr noch an zwei weiteren Veranstaltungen teilgenommen haben“, erzählt Raphael Endejann. Im Jahr darauf wurden es 10, dann 15 und 2018 sogar 30.

Diese Ahauser haben sich ihren eigenen Hindernisparcours in den Garten gebaut

Einen eigenen Hindernisparcours haben sich Thorben Birkenfeld, Sina und Raphael Endejann (v.l.) selbst gebaut. © Markus Gehring

Doch um sich vernünftig darauf vorzubereiten, mussten sie immer nach Münster oder in die Niederlande fahren, wo es entsprechende Trainingsgelände gibt. So reifte die Idee, sich selbst eine Übungsmöglichkeit zu verschaffen. Der Garten der Familie Endejann mit großer Rasenfläche und dem ein oder anderen Obstbaum bot genügend Platz. Im Dezember 2018 ging es dann los.

Das grundsätzliche handwerkliche Geschick bringen Raphael Endejann als Elektriker und Thorben Birkenfeld als Schweißer mit. Beim Errichten des Grundgerüsts aus großen Holzpfählen half ein Onkel mit, der Zimmermann ist. Nach und nach versahen sie den Aufbau mit einzelnen Passagen aus Seilen, Sprossen, Ringen und anderem.

Bei den Wettkämpfen schauten sie sich die Geräte fortan ganz genau an und bauten sie frei nach Schnauze nach. „Man macht sich vorher einen Plan mit Zeichnungen, der dann aber meistens beim Bauen wieder über den Haufen geworfen wird, weil es sich in echt doch anders darstellt als geplant“, so Raphael Endejann.

Nur ganz spezielle Elemente wurden bei einem Spezialhändler in den Niederlanden dazugekauft, der Großteil selbst hergestellt. Sogar ein großes Kletternetz wurde eigenhändig geknüpft. „Das war aber echt mühselig, das machen wir sicher nicht noch mal“, sagt Sina Endejann lachend.

Diese Ahauser haben sich ihren eigenen Hindernisparcours in den Garten gebaut

Nicht nur Kraft, sondern vor allem Technik ist gefragt, wenn es an den Ringen nach oben geht. © Markus Gehring

Die technischen Disziplinen können die Ahauser schon jetzt fast durchweg in Endejanns Garten trainieren, zum Laufen bieten die umliegenden Feldwege ohnehin genügend Platz. Und für Kraftübungen kommen schon mal Sandsäcke oder Fußplatten von Verkehrsschildern – regulär gekauft, wie die Sportler klarstellen – zum Einsatz. Für Spaziergänger könne das schon mal ein seltsames Bild abgeben. „Aber von den Leuten, die hier in der Nachbarschaft wohnen, wundert es keinen mehr, wenn hier jemand mit Sandsäcken rumläuft“, sagt Thorben Birkenfeld.

Wie viel Zeit und Geld sie bisher schon in ihr Projekt gesteckt haben, wollen die Ahauser so genau gar nicht wissen. „Vielleicht um die 3000 Euro“, schätzen sie. „Aber das rechnet man ja nicht durch, wenn es um das Hobby geht. Ein Tuner wird auch nicht sagen können, wie viel er in sein Auto gesteckt hat. Da geht es um die Leidenschaft für die Sache“, so Raphael Endejann.

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Und diese Leidenschaft leben die Ahauser nicht nur beim wöchentlichen Training zu Hause aus, sondern auch bei großen Wettkämpfen, auch außerhalb von Deutschland. Ein Highlight in diesem Jahr war die Weltmeisterschaft in London, bei der Endejann und Birkenfeld gemeinsam auf Platz 16 von 28 Teams in ihrer Klasse das Ziel erreichten. Viele weitere Wettkämpfe sollen folgen, damit sich das Trainingsgelände auch lohnt.

Auch andere sollen das Gelände nutzen können

Den Parcours wollen sie übrigens nicht nur für sich selbst nutzen, wie Raphael Endejann erklärt: „Wir können uns vorstellen, das Gelände auch für andere Interessierte zu öffnen. Zum einen, um ihnen zu zeigen, dass unser Sport viel mehr als nur ein Matschlauf ist, zum anderen, damit sie sich auf Veranstaltungen wie zum Beispiel den Adventurelauf in Ottenstein vorbereiten können.“

Sicher sind sich die Ahauser schon jetzt, dass ihr Garten noch weiter wachsen soll. So werden die Passanten in Zukunft wohl noch größere Augen machen, wenn sie durch die Feldwege von Oberortwick spazieren.

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