Ein Tag in der Redaktion: So arbeiten unsere Sportreporter

Einblicke in die Sportredaktion

Von der Morgenkonferenz bis zum fertigen Artikel am Abend: Der Alltag eines Sportreporters hat gewisse Strukturen – und trotzdem ist jeder Tag anders! Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen.

Ahaus

, 08.02.2021, 09:18 Uhr / Lesedauer: 4 min
Seit 2014 arbeite ich für die Sportredaktion der Münsterlandzeitung in Ahaus.

Seit 2014 arbeite ich für die Sportredaktion der Münsterlandzeitung in Ahaus. © Markus Gehring

Hallo! Meine Name ist Sascha Keirat, ich bin 1982 geboren, seit 2004 Sportjournalist und seit Sommer 2014 als Sportredakteur bei der Münsterland Zeitung in Ahaus. Ich mag es an meinem Job vor allem, Neuigkeiten schnell an unsere Leser weiterzugeben und mit Texten, Fotos und Videos interessante und persönliche Geschichten aus dem Lokalsport in Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden zu erzählen.

Auch die Abwechslung zwischen der Arbeit am Schreibtisch und „draußen“ sowie der Kontakt zu immer neuen Menschen machen den Beruf für mich so reizvoll.

Auch wenn jeder Tag unterschiedlich abläuft, gibt es gewisse Fixpunkte bei der Arbeit. Heute nehme ich Sie einmal mit in den Redaktionsalltag und verrate Ihnen, wie so ein Tag normalerweise abläuft.

An erster Stelle: Bestandsaufnahme

Der erste Blick geht am Morgen meist auf die Arbeit vom Vortag: Wie sehen die online und in der Zeitung erschienen Artikel aus? Gibt es Reaktionen der Leser, direkt auf unserer Website oder in den Sozialen Medien? Welche Beiträge wurden am meisten gelesen?

Morgens fällt der erste Blick auf die Website. Gibt es bei den Geschichten noch Klärungsbedarf oder weitere Blickwinkel, die wir für Sie aufgreifen können?

Morgens fällt der erste Blick auf die Website. Gibt es bei den Geschichten noch Klärungsbedarf oder weitere Blickwinkel, die wir für Sie aufgreifen können? © Markus Gehring

Dann wird der Posteingang auf den verschiedenen Kanälen gecheckt: E-Mail, WhatsApp, Facebook. Online schaue ich mich dann noch vor der Redaktionskonferenz im Netz um. Was gibt es Neues in der Welt des (Lokas-)Sports? Finden sich interessante Themen, werden entsprechende Vermerke in unserem Redaktionssystem angelegt, in das alle Mitarbeiter Einblick haben.

Das kurze Treffen am Morgen: Die Konferenz

Der Austausch mit den Kollegen ist enorm wichtig. Gerade in Zeiten von Corona, wo die meisten aus dem Homeoffice arbeiten und die Gespräche in der Redaktion wegfallen. Bei der Münsterland Zeitung berichten wir über die oben genannten sechs Städte und Kommunen.

In der Konferenz, die täglich einmal am Vor- und einmal am Nachmittag stattfindet, stellen die Kollegen aus der Lokalredaktion ihre Themen für den Tag vor. Manchmal bringen sie auch Ideen für mögliche Lokalsport-Themen ein. Das ist aber hauptsächlich meine Aufgabe. In der Konferenz werden die Themen nach ihrer Wichtigkeit für den Leser sortiert, dann wird das genaue Vorgehen für die Erstellung eines Beitrags beraten. Ist ein Vorort-Termin möglich, bietet sich ein Videodreh an, genügt die telefonische Recherche?

In den Konferenzen sprechen sich alle Reporter untereinander ab. Wegen der Pandemie finden sie im Moment online statt.

In den Konferenzen sprechen sich alle Reporter untereinander ab. Wegen der Pandemie finden sie im Moment online statt. © Sascha Keirat

Auch wird besprochen, welche Textform für welches Thema die passende ist. Zum Beispiel Reportage, Interview, Kommentar, Bilderserie, oder bei dringenden Nachrichten eine Eilmeldung.

Was will der Leser wissen? Die Themenfindung

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, passende Themen zu finden. Viele Vorschläge tragen unsere Leser an uns heran. Im Fall der Sportredaktion sind das oft Funktionäre aus den Sportvereinen- oder Verbänden, die uns auf ein Thema aufmerksam machen. Das kann die Verpflichtung eines neuen Spielers sein oder ein Event, das der Verein plant.

Unser Anspruch ist es aber, vor allem eigene Themen zu setzen. Besondere Menschen im Sport einmal genauer vorstellen, auf Probleme hinweisen, unterhaltsame, aber auch unbequeme Themen beleuchten. Immer geleitet von der Frage: Was will und was sollte unser Leser wissen?

Besonders wichtig: Wie sind unsere Artikel bei Ihnen als Leser angekommen? Auf unseren Dashboards können wir das ziemlich genau sehen.

Besonders wichtig: Wie sind unsere Artikel bei Ihnen als Leser angekommen? Auf unseren Dashboards können wir das ziemlich genau sehen. © Markus Gehring

Für mich als Sportredakteur sind normalerweise auch der Samstag und Sonntag wichtige Arbeitstage, schließlich finden hier die meisten Sportveranstaltungen statt. Bei denen kann ich mir nicht nur ein Bild vom Sport an sich machen, über den ich hinterher berichte, sondern auch interessante Gespräche führen, aus denen nicht selten die nächste Geschichte entsteht.

Auf Spurensuche: Die Recherche

Eine alte Weisheit sagt: Du musst nicht alles wissen, Du musst nur wissen, wo es steht. So ist das auch bei uns. Die typische Annäherung an ein Thema sieht in etwa so aus: Ich erhalte eine Mail von Verein XY, der schreibt, dass er zur neuen Fußballsaison einen neuen Trainer verpflichtet hat. Es wird kurz beschrieben, um wen es sich handelt, im Idealfall ist eine kurze Vita enthalten.

In vielen Fällen genügt die Recherche per Telefon.

In vielen Fällen genügt die Recherche per Telefon. © Markus Gehring

Diese Informationen würden mir aber für einen Beitrag nicht genügen. So folgen in der Regel noch ein persönliches Treffen und/oder ein paar Telefonate. Warum macht denn der bisherige Trainer nicht weiter? Warum passt der neue Trainer gut zum Verein? Wie tickt er so und welche Ziele verfolgt er?

Ich versuche erst einmal, so viele Informationen zu sammeln wie möglich. Dabei helfen in erster Linie Gespräche, aber auch Google und Co. Je heikler ein Thema ist, zum Beispiel ein Spielabbruch, desto mehr Quellen brauchen wir, um unseren Lesern ein möglichst vollständiges Bild bieten zu können.

Die heiße Phase bis zum fertigen Beitrag

Der fertige Beitrag: Sind alle Informationen zusammengetragen, geht es ans Schreiben. Ich überlege mir meist schon auf der Rückfahrt von einem Termin, wie ich den Beitrag aufbauen will, mit welchem Satz ich den Artikel beginnen könnte, welcher Rote Faden sich durch den Text ziehen sollte.

Habe ich dieses Gerüst im Kopf stehen, ist der eigentliche Schreibprozess relativ schnell erledigt. Der schwerste Teil dabei ist aber immer aufs Neue die Überschrift. Sie soll den Kern des Artikels zeigen, den Leser aber vor allem dazu anregen, den Text möglichst von Anfang bis Ende zu lesen. Steht der Text, kommt noch eine weitere wichtige Aufgabe: die Suche nach einem passenden Bild. Je komplexer das Thema, desto schwieriger, es in einem Foto abzubilden.

Ein Foto aus normaleren Zeiten: So sehen Termine in der Sportredaktion eigentlich aus.

Ein Foto aus normaleren Zeiten: So sehen Termine in der Sportredaktion eigentlich aus. © Raphael Kampshoff (A)

Bei größeren Veranstaltungen erstellen wir meist auch eine Fotostrecke, immer öfter auch Videos. Dieses Material muss gesichtet und bearbeitet werden.

Sind die einzelnen Elemente zum fertigen Beitrag zusammengefügt, schaut mindestens ein Kollege noch einmal gründlich drüber. Ist der Text fehlerfrei? Verständlich geschrieben? Erhält der Leser alle nötigen Informationen? Ist das alles der Fall, dann wird der Beitrag für unsere Webseite freigegeben und/oder mit dem Redaktionssystem auf der Zeitungsseite platziert.

Als ich damals in Münster als Journalist anfing, waren Online-Artikel und Soziale Medien oder Videos vom Spielfeldrand im Lokalsport noch Zukunftsmusik. Auch das ist reizvoll an meinem Job. Er entwickelt sich stetig weiter, sodass nie Langeweile aufkommt. Ich hoffe, ich konnte Ihnen hier einen interessanten Einblick bieten.

Mit besten Grüßen

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