Ahauser Sergej Gessler quält sich für die WM und will für seinen Sport werben

mlzExtrem-Hindernislauf

Der frühere Boxer Sergej Gessler hat im Extrem-Hindernislauf seine neue Leidenschaft entdeckt. Binnen kurzer Zeit hat sich der 31-Jährige bis zur Weltmeisterschaft vorgearbeitet.

Ahaus

, 24.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Strecken von 15 Kilometern und mehr zu laufen, das ist für die meisten schon anstrengend genug. Sergej Gessler aus Ahaus muss dabei aber auch noch Wände überwinden, durch den Matsch kriechen oder sich an einem Gerüst entlang hangeln. Der 31-Jährige ist Extrem-Hindernisläufer, im Englischen auch Obstacle Course Athlet genannt. Und er betreibt seinen Sport mit großem Ehrgeiz. Nachdem er im Sommer bereits an der Europameisterschaft teilgenommen hat, quält er sich aktuell für die Weltmeisterschaft, die vom 11. bis 13. Oktober in London stattfindet.

„Für mich ist es eine Sensation, dass ich mich für die WM qualifiziert habe“, sagt Gessler. Denn richtig ambitioniert betreibt den Hindernislauf in dieser Form erst seit Anfang 2018. „Das erste Mal habe ich 2016 in Gelsenkirchen mit Freunden an der Xlethic Challenge teilgenommen, aber nur aus Spaß“, erklärt der Ahauser. Doch dieses Erlebnis weckte in ihm den Ehrgeiz. „Ich habe damals gedacht, dass ich mit ein bisschen Vorbereitung zwei bis drei solcher Läufe im Jahr schaffen kann. Daraus sind dann schnell sechs bis acht geworden.“

EM der bisherige Höhepunkt

Seither hat er schon etliche Hindernisläufe der Strong Viking Serie in Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und weiteren Ländern bestritten. Mit wachsendem Erfolg. Bisheriger Höhepunkt war die Teilnahme an der EM in Polen in diesem Jahr. In seiner Altersklasse (30 bis 34 Jahre) belegte Sergej Gessler über die Fünf-Kilometer-Distanz 59 von 341 Teilnehmern (1:44.33 Stunden), über 15 Kilometer Platz 51 von 264 Startern in 2:56:43 Stunden. Bei der WM peilt der Ahauser nun einen Top-50-Platzierung an.

Ahauser Sergej Gessler quält sich für die WM und will für seinen Sport werben

Sergej Gessler (M.) bei der Europameisterschaft in Polen. © privat

Um dieses Ziel zu erreichen, trainiert er derzeit bis zu fünfmal pro Woche. „Hier in Ahaus und Umgebung gibt es leider wenig Möglichkeiten dafür. Wenn ich für mich selbst trainiere, mache ich das in Münster oder Bochum. Seit diesem Jahr bin auch Mitglied beim Outdoor Team in Winterswijk. Da ist auch ein Parcours vorhanden, auf dem man an Hindernissen trainieren kann.“ Die Zeit für das Training ist für den 31-Jährigen rar. Schließlich ist er Familienvater und arbeitet im Schichtdienst als Maschinenführer. „Das muss man sich schon alles gut einteilen. Mein vierjähriger Sohn begleitet mich aber auch gern zum Training“, erklärt Gessler.

Früher Boxer in Vreden

Bevor mit dem Hindernislaufen begann, war er fünf Jahre lang Boxer beim TV Vreden, wo er insgesamt zehn Kämpfe bestritt. Kraft und Technik für die anspruchsvollen Hindernisse brachte er also bereits mit. „Die Technik liegt mir am besten, am Laufen arbeite ich weiter, um noch schneller zu werden. Da gibt es einige Konkurrenten, die das besser können.“

Als Boxer hatte sich Sergej Gessler im Kampf schon mal die Nase gebrochen, sodass eine Operation nötig wurde und er sich mehr und mehr vom aktiven Sport zurückzog und ins Trainergeschäft wechselte. Eine gewisse Verletzungsgefahr berge aber auch das Hindernislaufen, sagt Sergej Gessler. „Die Wände, über die man klettern muss, sind zum Teil vier Meter hoch. Wenn man da abrutscht, kann es schon gefährlich werden.“ Er habe schon Unfälle miterlebt, sei bislang aber selbst verschont geblieben. „Ich bin da aber auch sehr vorsichtig, überwinde die Hindernisse lieber mit Ruhe und Konzentration und probiere auf der Laufstrecke Gas zu geben.“

Bei Wind und Wetter in freier Natur

Die Hindernisse machen auf so einer Strecke schon einen großen Anteil aus. Alle 500 bis 100 Meter ist eins zu überwinden. Mal ein Klettergerüst, Seile, Kriechstrecken, mal ein Fluss, der überwunden werden muss, mal eine Reifenbarrikade, auch Balancieren und Gewichte schleppen gehören dazu – alles spielt sich auch bei Wind und Wetter in der freien Natur ab. „Es wird einem wirklich alles abverlangt, das begeistert mich so an diesem Sport.“

Dem 31-Jährigen ist es ein Anliegen, das Extrem-Hindernislaufen auch hier im Westmünsterland populärer zu machen, auch um sich mit anderen Sportlern zum Training zusammentun zu können. Der Adventure-Wottelrun, der 2018 erstmals in Ottenstein stattfand, sei schon ein guter Anfang gewesen, aber es sei noch mehr möglich.

Was für ihn und seine Kollegen aus Winterswijk bei der WM möglich ist, darauf ist der Ahauser schon jetzt gespannt. Für den Erfolg werde er bis dahin alles investieren – auch wenn‘s manchmal wehtut.

Infos zum Extrem-Hindernislauf

  • Als erster ziviler Hindernislauf gilt das Tough Guy Race in England, das 1987 erstmals ausgetragen wurde.
  • In Deutschland haben sich seither viele Veranstaltungen wie Strongman Run oder Tough Mudder etabliert, an denen sowohl ambitioniert Sportler teilnehmen als auch welche, die nur zum Spaß dabei sind.
  • Mittlerweile gibt es in Deutschland auch einen Dachverband, die Obstacle Course Racing Association Germany (OCRA), der Einzelsportler und Vereine unterstützt.
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