Fünf Männer, ein Rollstuhl, ein Ziel

Leichtathletik: Stadtlohner Staffel beim Münster Marathon

Ein Langstreckenläufer, der einen Rollstuhlfahrer schiebt – damit sorgten „The Real Wheel Deal“ alias Stephan Weise und Stefan Frechen schon im vergangenen Jahr beim Ottensteiner Wottellauf und beim Stadtlohner Silvesterlauf für viel Aufsehen. Jetzt gehen sie mit ihrer anfänglichen Schnapsidee, die mittlerweile zum ernsthaften Projekt gewachsen ist, in die nächste Phase.

STADTLOHN

, 03.08.2017, 18:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Münster Marathon am 10. September treten neben Stephan Weise drei weitere Läufer aus Stadtlohn als Staffel an, um Stefan Frechen im Rollstuhl über 42,195 Kilometer ins Ziel zu bringen. Jeder der vier Läufer übernimmt dabei eine Etappe und läuft die restliche Strecke für sich.

Die Startplätze für Staffeln sind beim Münster Marathon immer rar gesät. „Der Veranstalter war von unserer Idee aber begeistert und hat uns schnell eine Zusage gegeben“, erzählt Stephan Weise. Er, Stefan Frechen und die neuen Mitstreiter Patrick Holtkamp, Dieter Frechen und Daniel Hambach wurden sogar zu einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch eingeladen.

Viel Zuspruch geerntet

Generell haben die Stadtlohner mit ihrem Projekt sehr viel Aufmerksamkeit und Zuspruch geerntet. Weise: „Obwohl wir noch nicht mal richtig angefangen haben, für Münster zu trainieren, sind jetzt schon fast 1000 Euro an Spenden zusammen gekommen. Zum Teil haben uns Leute einfach auf der Straße angesprochen und uns Geld gegeben.“ Das liegt sicher auch daran, dass sich „The Real Wheel Deal“ für den Bundesverband Kinderhospiz engagiert, dem die Spenden zugute kommen.

Diese Resonanz beflügelt das Team weiter, wobei die Motivation bei Initiator Stephan Weise nie verblasst ist. Er selbst hat bereits 17 Marathons gemeistert, unter anderem in New York, Paris oder Hamburg. Seinen Freund Stefan Frechen während des Laufens im Rollstuhl zu schieben, gebe ihm viel, wie der 43-Jährige auf der Facebookseite des Teams beschreibt: „Ich merke, wie viel Spaß diese verrückten Aktionen Stefan machen. Ich kann ihm für solche Momente meine Beine leihen und genieße es wirklich, wie er immer die Arme in die Höhe reißt, wenn es ins Ziel geht.“

Spezialgefährt kostet 3500 Euro

Allerdings geht damit auch viel Anstrengung einher, wie Weise unter anderem beim 15-Kilometer-Lauf am Silvestermorgen in Stadtlohn erlebte. „Das Härteste dabei ist gar nicht, das Gewicht des Rollstuhls zu schieben, sondern dass einem beim Laufen die Armbewegung fehlt.“ Bei dem Rollstuhl handelt es sich um ein etwa 3500 Euro teures Spezialgefährt, das sich das Team vom Grenzland Sanitätshaus in Ahaus leiht. Er eignet sich vor allem wegen seines geringen Gewichts und der guten Rolleigenschaften mit seinen drei großen Reifen.

Mit der Handhabung beschäftigen sich ab kommender Woche, wenn der „Vierer mit Steuermann“ das gemeinsame Training aufnimmt, auch Stefan Frechens Vater Dieter, Patrick Holtkamp sowie Daniel Hambach. Alle verfügen zwar bereits über Marathon-Erfahrung, doch dabei einen Rollstuhl zu schieben, ist für alle eine ganz neue Erfahrung.

Training ab Montag

Patrick Holtkamp, der nach Weise als zweiter Läufer an der Reihe ist, beschreibt seine Motivation so: „Ich konnte mich direkt mit den Zielen identifizieren. Den Bundesverband Kinderhospiz zu unterstützen, aber auch zu zeigen, dass selbst mit Handicap eine Teilnahme an einem Marathon möglich ist.“

Dafür trainiert das Quintett ab Montag zwei bis dreimal die Woche. Eine konkrete Zielzeit für den Marathon gibt es nicht. Weise: „Wir wollen auf jeden Fall alle gleichzeitig ins Ziel kommen. Ich denke mal, dass wir so viereinhalb Stunden brauchen werden.“

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