Mit Fairplay in die Niederlage: Darum loben alle Unions Iris Börsting

mlzFußball: Frauen-Landesliga

Das Führungstor für Union Wessum beim Derby in Oeding nahm der Schiedsrichter zurück, weil Unions Iris Börsting ehrlich war. Das Besondere an dieser Fairplay-Geste: Wessum verlor das Spiel.

Oeding/Wessum

, 02.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es lief die Nachspielzeit der ersten Hälfte im Landesliga-Derby zwischen dem FC Oeding und Union Wessum am Sonntagmittag. Nach einem langen Pass setzte Unions Iris Börsting an der Torauslinie zur Grätsche an, brachte den Ball damit in die Mitte und bediente Lea Stampfer. Die schoss zum vermeintlichen Führungstreffer für die Gäste ein. Doch diesen Treffer nahm Schiedsrichter Miktat Mercan aus Gronau kurze Zeit später wieder zurück.

„Es ging in einem Konter schnell nach vorne und ich war noch außerhalb des Strafraums, als die Flanke vors Tor kam“, schildert der Unparteiische. „Aus meiner Position konnte ich deshalb nicht erkennen, dass der Ball schon im Aus war. Also in meinen Augen ein regelrechtes Tor. Nach dem Tor haben die Oedinger dann reklamiert, also habe ich die Spielerin gefragt, ob der Ball vorher im Aus war.“ Iris Börsting habe ihm dann erklärt, dass der Ball die Linie schon überquert hatte.

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Miktat Mercan nahm den Treffer also zurück und entschied auf Abstoß. „Ganz große Hochachtung für die Spielerin, dass sie so ehrlich war.“ Im Anschluss an die Szene habe es dann Applaus gegeben, sowohl von Oedinger als auch von Wessumer Seite. „Und ganz ehrlich: Ich habe auch applaudiert“, sagt der Schiedsrichter. Er werde die Aktion noch an den Vorsitzenden des Kreisschiedsrichterausschusses herantragen und als Fairplay würdigen.

Für Union ging das Spiel am Ende mit 1:2 verloren. Umso mehr sei die Geste der Wessumerin hervorzuheben. Hinzu kommt noch, dass Iris Börsting schon zuvor das Führungstor wegen einer Abseitsposition verpasst hatte – aus Wessumer Sicht eine Fehlentscheidung.

Leimbach: „Das war eine Riesennummer“

Bei Union herrschte nach dem Schlusspfiff Katerstimmung in der Kabine, wie Trainer Marco Leimbach am Montag berichtete: „Aber es waren sich alle Spielerinnen und auch wir Trainer einig, dass das eine Riesennummer von Iris war. Ich habe das in meiner langen Laufbahn als Spieler noch nie in der Form erlebt. Das Spiel stand auf Messers Schneide, ich weiß nicht, ob ich das zugegeben hätte. Deshalb Hut ab vor Iris.“

Dass die Partie verloren ging, sei nicht auf das zurückgenommene Tor zurückzuführen. „Das 1:0 wäre sicherlich unser Dosenöffner gewesen. Aber wir hatten ausreichend Chancen, das Spiel für uns zu entscheiden“, so Leimbach, dessen Team als Titelaspirant auf Platz sechs abgerutscht ist.

Anerkennung vom FC Oeding

Große Anerkennung äußerte daher auch die Oedinger Trainerin Meike Roters: „In so einer Drucksituation wie sie Wessum hatte, ist das ganz großes Kino. Viele unserer Spielerinnen haben in der Kabine gesagt, dass sie das nicht zugegeben hätten. Wir haben uns wegen der Aktion schon beim Fußballkreis gemeldet.“

Iris Börsting selbst wollte sich auf Nachfrage am Montag übrigens nicht weiter zu der Aktion äußern: Für sie sei das selbstverständlich gewesen.

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