Ibrahim Kouyate ist über den Fußball in Vreden angekommen

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Seit seiner Flucht nach Deutschland hat sich für Ibrahim Kouyate alles verändert. Das Fußballspielen bei der SpVgg Vreden ist für den jungen Guineer ein wichtiger Faktor, um anzukommen.

Vreden

, 28.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Allein ist Ibrahim Kouyate nach Deutschland gekommen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Über Münster und Ibbenbüren verschlug es ihn im Januar 2018 nach Vreden. Hier hat er einen Job gefunden und sich als Fußballer in der Westfalenliga-Mannschaft der SpVgg einen Platz ergattert. „Man kann sagen, dass er ein Musterbeispiel an Integration ist“, sagt Tobias Sumelka. Der Jugendtrainer der SpVgg hat Ibrahim Kouyate bei sich zu Hause aufgenommen und unterstützt ihn in vielen Bereichen seines Alltags.

Im Gespräch vor dem Training im Vredener Hamalandstadion erzählt Kouyate in ziemlich gutem Deutsch, dass er freundlich aufgenommen worden sei in Vreden, und speziell bei den Blau-Gelben. „Hier im Team habe ich Freunde gefunden, mit denen ich oft etwas unternehme“, sagt Kouyate und nennt als Beispiele Leon Kondring und Bas Reekers.

Erster Pflichtspieltreffer

Dessen Vater Rob Reekers, Trainer der Vredener Westfalenliga-Elf, hat Kouyate zur aktuellen Saison in seinen Kader aufgenommen und bislang schon elfmal eingesetzt. Im Heimspiel gegen die SpVg Beckum Ende Februar gelang ihm sein erster Pflichtspieltreffer für Vreden, gleichzeitig das Siegtor zum 2:1. Trainer Rob Reekers freut sich über die Entwicklung seines Neuzugangs: „Ibra ist bei uns richtig aufgeblüht. Am Anfang saß er eher ruhig in der Ecke und hat sich alles angeguckt. Jetzt ist er mittendrin, mit viel Fleiß bei der Sache und hat sein Spiel seit Saisonbeginn klar verbessert. Natürlich gibt es noch Luft nach oben, aber ich kann ihn nur loben, auch wie er sich als Typ hier integriert hat.“

Seine Schnelligkeit und Dribblings zählen zu den Stärken von Ibrahim Kouyate.

Seine Schnelligkeit und Dribblings zählen zu den Stärken von Ibrahim Kouyate. © Sascha Keirat

Dass Kouyate schon so oft in der Westfalenliga auf dem Platz stand, ist durchaus erstaunlich. Immerhin fehlt ihm die taktische Grundausbildung, die seine Mitspieler auf hohem Niveau in der Jugend genossen haben, im Grunde komplett. Auch das Großfeld war für ihn ungewohnt. „Das Defensivverhalten ist sicher die größte Baustelle“, sagt Tobias Sumelka.

Ibrahim Kouyate hat in Guinea nie in einem Verein gespielt. Ein Ligensystem wie hierzulande gibt es dort nicht im Ansatz. „Ich habe schon zu meinem ersten Geburtstag einen Fußball geschenkt bekommen und als Dreijähriger angefangen, damit zu spielen. In der Schule gab es dann auch eine Mannschaft. Manchmal ging es gegen andere Schulen, aber das waren immer nur Freundschaftsspiele“, erklärt Kouyate. An seiner Schule sei er zweimal zum besten Spieler gewählt worden und habe daraufhin auch ein Angebot eines höher spielenden Klubs erhalten. „Aber mein Vater hat nicht erlaubt, dass ich das mache. Ich sollte mich auf die Schule konzentrieren und lernen.“

Dass er gut lernen kann, darauf deutet unter anderem sein Deutsch hin, das er sich zu großen Teilen selbst beigebracht hat. „Als ich noch im Camp in Ibbenbüren gelebt habe, hatte ich nichts zu tun. Da habe ich mir vier Bücher besorgt, um Deutsch zu lernen. Die Sprache ist ganz schön schwer.“ Doch sie ist für ihn ein entscheidendes Mittel, um anzukommen.

Und auch der Fußball spielt dabei eine wichtige Rolle. Sein erster Verein in Deutschland war der FC Eintracht Rheine. Als dessen B-Jugendtrainer erfuhr, dass Kouyate auf behördliche Vorgabe nach Vreden umziehen musste, gab er den Verantwortlichen der SpVgg den Hinweis: Da kommt ein guter Kicker in eure Stadt. Tobias Sumelka nahm Kontakt auf und lud den Guineer zum Training bei den B-Junioren ein. „Das Eins-gegen-eins auf engem Raum beherrscht Ibra wie kaum ein Zweiter. Beim Training in der Soccerhalle hat er unsere Jungs ganz schön frischgemacht“, erinnert sich Sumelka.

Ein Zuhause geboten

Nicht nur sportlich, sondern auch privat bot Sumelka dem Neuankömmling ein Zuhause. „Wir haben ein großes Haus, sodass ich Ibra ein Zimmer anbieten und ihn damit aus der Flüchtlingsunterkunft herausholen konnte“, erinnert sich der Trainer an den Jahresbeginn 2018. Weil es Unklarheit über das Alter seines Schützlings gab, musste Kouyate fortan bei den Senioren der SpVgg spielen. Unter Trainer Marcus Feldkamp trainierte er regelmäßig mit, unter Rob Reekers erhielt er im Sommer einen festen Kaderplatz.

Seine ersten Einsätze erhielt Ibrahim Kouyate im Sommer 2018 beim Ahauser Eintracht-Pokal.

Seine ersten Einsätze erhielt Ibrahim Kouyate im Sommer 2018 beim Ahauser Eintracht-Pokal. © Sascha Keirat

Und auch neben dem Fußball verlief die Integration bislang vielversprechend. Über Kontakte erhielt Kouyate die Chance, eine Einstiegsqualifizierung, sprich Langzeitpraktikum, bei der Firma Räckers in Ottenstein zu absolvieren. Mit Erfolg: Ab August startet er dort eine Ausbildung zum Lagerlogistiker.

Job, Berufsschule, Training - Langeweile kommt bei Ibrahim Kouyate keine auf. Mit den Vredener Fußballern will der Offensivspieler in den kommenden Wochen und Monaten so viele Punkte sammeln wie möglich und sich neben dem Platz weiter in der neuen Heimat eingewöhnen. Rob Reekers: „Der Fußball ist eine schöne Nebensache. Aber wichtig ist, dass er sich hier etwas aufbaut. So, wie ich ihn kennengelernt habe, wird er das schaffen.“

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