„Ich habe zum Schluss schon ein paar Tränchen verdrückt“

mlzFußball: Trainerinterview

Uwe Stampfer spricht im Interview mit der Sportredaktion über Ziele, Erfolge und auch Enttäuschungen in seiner dreijährigen Trainertätigkeit bei den Landesligafrauen von Union Wessum.

Ahaus

, 03.06.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit dem Gewinn des Fußballkreispokalwettbewerbs durch den 7:0-Endspielerfolg über den FC Oeding hat Uwe Stampfer seine dreijährige Trainertätigkeit bei den Fußballerinnen der Union beendet. Wir haben mit dem Wessumer Coach am Tag nach dem Finale gesprochen.

Hallo Herr Stampfer, wie war die Feier nach dem Pokalerfolg?

Wir hatten eine Superfete. Nach dem Endspiel der Männer haben wir im Planwagen auf dem Weg nach Wessum angefangen. Dann haben wir zu Hause bei Christin Holtkamp weitergemacht. Ich muss sagen, meine Spielerinnen können nicht nur gut Fußball spielen, sie können auch sehr gut feiern.

Gibt es zum Abschluss noch eine Mannschaftsfahrt?

Wir werden Ende der dritten Juniwoche mit den beiden Frauenmannschaften für vier Tage verreisen. Das Ziel ist unbekannt. Die Trainer sind natürlich mit dabei, jemand muss doch auf die Mädels aufpassen.

Was fühlt man, wenn das letzte Spiel als Trainer bei einem Verein beendet ist?

Das war eine hammerschöne, total intensive Zeit. Ich habe zum Schluss schon ein paar Tränchen verdrückt. Die Mannschaft und das gesamte Umfeld in Wessum sind einfach top. Der Verein hat es mir als Trainer recht leicht gemacht und die gesamte Truppe hat voll mitgezogen. Der Abschied fällt mir wirklich sehr schwer.

Wie lange waren Sie insgesamt in Wessum tätig?

Mehr als zehn Jahre. Meine Tochter Lea wollte damals unbedingt ein Schnuppertraining bei den Wessumer Fußballmädchen mitmachen. Es hat ihr sofort gefallen und wir haben sie in Wessum angemeldet. Ich habe dann zunächst im Jugendbereich die Übungsleiter unterstützt.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz nach drei Jahren als Coach in der Frauenlandesliga aus?

Ich habe die Mannschaft direkt nach dem Aufstieg von Mechtild Wissing übernommen. In der ersten Saison sind wir durch die Liga geflogen. Da haben wir die Aufstiegs-Euphorie voll mitnehmen können und sind Zweiter geworden. Im zweiten Jahr haben wir Platz drei belegt. Vor dieser Saison hatten wir uns den Aufstieg als Ziel gesetzt. Da hat uns in einigen Begegnungen etwas das nötige Quäntchen Glück gefehlt und wir haben einige Punkte liegen lassen. Trotzdem glaube ich, dass wir spielerisch nicht schlechter sind als der neue Landesliga-Meister SSV Rhade. Wir haben lange um den ersten Platz mitgespielt.

Was war für Sie als Trainer in den drei Jahren der größte Erfolg?

Der Gewinn des Kreispokalwettbewerbs mit dem 7:0-Erfolg über den FC Oeding in meinem letzten Spiel als Union-Coach. Dabei haben wir den Favoriten und vielfachen Kreispokalsieger VfL Billerbeck im Halbfinale deutlich mit 5:1 geschlagen. Im Winter hatten wir ja auch schon die Hallenkreismeisterschaft für uns entschieden.

Und Ihre größte Enttäuschung?

Da muss ich erst einmal nachdenken. Große Enttäuschungen gab es in den drei Jahren eigentlich kaum. In dieser Saison haben wir das Punktspiel bei GW Nottuln klar verloren. Da war ich von meiner Mannschaft enttäuscht.

Wie hat sich Ihre Mannschaft in den drei Spielzeiten entwickelt?

Wir haben zunächst die Abwehr stabilisiert, weil wir zu viele Gegentreffer kassiert haben. Dann lege ich auch großen Wert darauf, dass die Kondition stimmt und alle Spielerinnen 90 Minuten problemlos gehen können. Spielerisch haben wir ein schnelles Angriffsspiel entwickelt. Gegen unseren Powerfußball muss sich ein Gegner erst einmal durchsetzen können.

Was können die Wessumer Frauen in der kommenden Saison erreichen?

Die Mannschaft bleibt für die nächste Spielzeit zusammen, zudem kommen einige Spielerinnen aus der Jugend hinzu. Ich bin davon überzeugt, dass die Union-Frauen um den Titel mitspielen werden.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Frauenfußballs im Fußballkreis Ahaus-Coesfeld?

Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt. Bei vielen Vereinen spielen schon Frauen. In der Stadt Ahaus gibt es Frauenteams in Wessum, Alstätte, Ottenstein, Graes, Wüllen und Oldenburg mit der SG Heek/Oldenburg. Bei Union Wessum sind auch alle Nachwuchsmannschaften gut besetzt. Talente sind reichlich vorhanden. Sie müssen halt gefördert werden und das ist harte Arbeit, dabei darf man sich nicht ausruhen. Union Wessum überlegt im Moment, ab August eine dritte Frauenmannschaft zum Spielbetrieb anzumelden.

Am 7. Juni beginnt in Frankreich die WM für Fußballfrauen. Welche Chancen räumen Sie der DFB-Mannschaft ein?

Die deutsche Frauennationalmannschaft ist im Umbruch. Die WM kommt daher etwas zu früh. Wenn alles gut läuft, kann die Elf von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg das Halbfinale erreichen. An einen Titelgewinn glaube ich aber nicht.

Mit welchen Erwartungen wechseln Sie in die Männerbezirksliga zum TuS Wüllen?

Wüllen setzt wie Wessum auf die eigenen Fußballer und ist mit Erfolg bemüht, Wüllener zurück zum TuS zu holen. Wir haben im Bezirksliga-Kader ein paar Abgänge zu verkraften, ich denke aber, das können wir kompensieren und werden auch die Klasse halten. Beim TuS rücken junge Spieler nach und ich arbeite als Trainer gern mit jungen Fußballern.

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