Aufgeschreckt haben die Meldungen über ein mögliches Verbot von Gummi-Granulat auf Kunstrasenplätzen auch Amateurklubs in Ahaus und Umgebung. Das sagen die Städte und Gemeinden dazu.

Kreis

, 25.07.2019 / Lesedauer: 4 min

In Ahaus ist das Thema Kunstrasenplätze seit einiger Zeit ein sensibles. Von den acht Sportvereinen mit einer Fußballabteilung verfügt aktuell mit Eintracht Ahaus nur einer über einen Kunstrasenplatz. Den Planungen für mögliche neue Spielflächen – als erste Kandidaten galten bislang Union Wessum und der VfB Alstätte – ist die aktuelle Diskussion auf EU-Ebene nicht gerade zuträglich. Demnach ist ab 2022 ein Verbot von Mikroplastik geplant, das sich in Form von Granulat auf vielen Kunstrasenplätzen findet.

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Werner Leuker, Verwaltungsvorstand der Stadt Ahaus, erklärt: „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir nicht gerade mit dem Bau einen Kunstrasenplatzes fertig sind, sondern uns noch in der frühen Planungsphase befinden. Denn das Austauschen eines Belags würde uns sicher einen sechsstelligen Betrag kosten.“

Emissionsschutz und Wasserschutz ebenfalls auf dem Prüfstand

Die Stadt habe zur Begutachtung der städtischen Sportanlagen, die für einen Kunstrasenplatz infrage kämen, ein externes Fachbüro beauftragt. „Wichtige Punkte waren dabei bisher zum Beispiel Emissionsschutz und auch Wasserschutz. Denn etwa die Plätze des TuS Wüllen, TSV Ahaus und Union Wessum befinden sich im Wasserschutzgebiet Ortwick. Nun kommt mit dem möglichen EU-Verbot ein weiterer Punkt hinzu, der uns beschäftigt“, so Leuker.

Auch deshalb rechne er erst zum Ende der Sommerferien mit einem „finalen Gutachten“, das dann zeitnah mit den Fußballvereinen besprochen werden solle. „Wichtig ist, dass wir sehr genau hinschauen, was wir tun. Und eine Lösung finden, von der die Vereine langfristig profitieren.“ Zum Thema Kork als möglichen Füllstoff für Kunstrasen sagt Leuker: „Man muss bedenken, dass es nicht unendlich viele Korkeichen auf der Welt gibt und dass der Korkpreis schon jetzt 10- bis 20-fach so hoch ist wie etwa der von Quarz.“

Kunstrasen im Stadtpark könnte gefährdet sein

Zur Frage, ob der Kunstrasen im Stadtpark bei der Eintracht gefährdet sei, eventuell renoviert werden zu müsse, sagt Werner Leuker: „Wenn wir das, was in der EU geplant ist, als gegeben ansehen, dann würde ich durchaus glauben, dass wir 2021 in die Verpflichtung kommen könnten, da tätig zu werden.“ Allerdings müsse man zunächst abwarten, welche Früchte die Bemühungen von Politikern wie Innenminister Seehofer sowie des Deutschen Fußball-Bundes tragen, die zum Beispiel eine Übergangsfrist für bereits bestehende Plätze mit Gummi-Granulat fordern.

Abwarten ist derzeit auch die Devise der Stadt Stadtlohn sowie der Gemeinde Südlohn. „Wir werden uns mit der Angelegenheit selbstverständlich auseinandersetzen und dazu Abstimmungsgespräche führen, zum Beispiel mit den Nachbargemeinden, die vor den gleichen Problemen stehen werden“, erklärt Günter Wewers, Erster Beigeordeneter der Stadt Stadtlohn. Ob der Kunstrasen am Losberg gefährdet sei? „Das kann ich zurzeit nicht verbindlich beantworten. Möglicherweise gibt es Bestandsschutz. Auch das muss zunächst geprüft werden.“

„Lösungen müssen auf höherer Ebene erarbeitet werden“

Werner Stödtke, Stellvertreter des Bürgermeisters im Südlohner Rathaus, teilt mit, dass sich die Gemeinde derzeit mit der Herstellerfirma des 2017 erbauten Kunstrasens an der Doornte abstimme. Er verweist zudem auf die vielfältigen Initiativen aus der Bundes- und Landespolitik. Unter anderem hat auch der Städte- und Gemeindebund in einem Schnellbrief Hilfe für betroffene Gemeinden gefordert. Stödtke: „Auf dieser Ebene müssen Lösungen erarbeitet werden, die den Betrieb solcher Sportanlagen und den Umweltschutz in Einklang bringen.“

In Vreden stehen die Planungen zum Bau von neuen Kunstrasenplätzen noch ganz am Anfang. „Die EU-Richtlinien werden selbstverständlich bereits während der Planung berücksichtigt“, teilt Gabriele Terhalle vom Fachbereich Schule, Sport und Kultur der Stadt mit. Ob Gummi-Granulat für neue Plätze verwendet werden solle, sei noch nicht konkret geplant. Der Kunstrasen der SpVgg ist bereits damit verfüllt. Gabriele Terhalle: „Die Gefahr eines Rückbaus für den Kunstrasenplatz der SpVgg stufen wir als sehr gering ein, da die Bundespolitik die bisher vorgesehenen Rückbaufristen noch überdenkt.“

Sicher scheint derzeit also nur eines zu sein: dass das Thema die Städte und Gemeinden noch eine Weile beschäftigen wird.

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