„Mr. Trial“ Werner Tippke reicht Staffelstab weiter – und hinterlässt ein Lebenswerk

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Die Entwicklung des Trial-Clubs hat Werner Tippke maßgeblich mitbestimmt. Nun trat er gesundheitlich bedingt nicht mehr zur Wahl des Vorsitzenden an. Als Ehrenvorsitzender blickt er zurück.

Stadtlohn

, 17.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Selten kommt es noch vor, dass eine Person so eng mit einem Verein und einer Sportart in Verbindung gebracht wird, wie es bei Werner Tippke der Fall ist. Am Mittwochabend endete die Jahrzehnte währende Ära beim Trial-Club Stadtlohn. Zumindest offiziell. Aus gesundheitlichen Gründen stellte sich der 75-Jährige nicht mehr zur Wiederwahl als Vorsitzender. Dieses Amt hatte er über 20 Jahre ausgeübt. Ein "Macher" im wortwörtlichen Sinne, der natürlich weiter "eng dabei bleiben" wird.

Ernennung zum Ehrenvorsitzenden

Der Verein, dessen Geschicke Tippke maßgeblich initiiert und geleitet hat, würdigte dieses unermüdliche Engagement mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. „Jetzt müssen auch mal andere ran – und ich bin mir sicher, dass wird klappen“, zeigte sich Tippke sichtlich bewegt, aber auch gefasst. Zwei Jahre hatte er die Übergabe des Staffelstabes schließlich vorbereiten können, der Entschluss war gefasst. Wie umfassend der Einsatz für den Verein und die Sportart war, das belegt, dass die Aufgaben – zumindest vorläufig – auf mehrere Schultern verteilt werden. Ein Zeichen von Respekt.

Ursprung im Motorrad-Trial

Der Ursprung seines Interesses für die Sportart lag allerdings nicht im Fahrrad-Trial, sondern im Motorrad-Trial. „Wir haben zunächst an unseren Motorrädern gebastelt und uns im Gelände bewegt. Zunächst war ich dann viel im Ruhrgebiet unterwegs, 1968 bin ich dann nach Stadtlohn gekommen. Ab 78 haben wir von dort aus weitergemacht“, so Tippke, der sportlich selbst große Erfolge feierte. Er erinnert sich noch an eine Ehrung als NRW-Meister im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen – gemeinsam mit seinem Bruder. „Da hatte Schalke an dem Tag gegen Duisburg 1:0 gewonnen. Da waren wir am Ende nur noch eine Randerscheinung“, so Tippke.

„Mr. Trial“ Werner Tippke reicht Staffelstab weiter – und hinterlässt ein Lebenswerk

Die Pflege und Entwicklung des Geländes wird künftig verstärkt von den weiteren Vereinsmitgliedern übernommen werden müssen. Dafür hat der Verein ein Patensystem entwickelt. © Michael Schley

Trial war nun einmal eine exotische Sportart, Werner Tippke kämpfte aber stets für die Interessen dieses spektakulären Sports. Er kämpfte auch, als es um das Finden einer sportlichen Heimat in Stadtlohn ging. Eine Interessengemeinschaft in der Sportart Motorrad-Trial hatte sich nämlich in den 80er-Jahren formiert.

Viele Freundschaften in den Niederlanden geschlossen

Der Start erfolgte auf einem Gelände in Almsick, 1982 fand die Gruppe eines in Holtwick, 1984 bekam man dann ein erstklassiges Gelände in den Barler Sandgruben zugeteilt. Der bestehende Kontakt zu befreundeten holländischen Vereinen wurde ausgebaut, sodass sogar holländische Meisterschaften auf diesem Gelände ausgetragen wurden. „In Holland hatte der Sport einen anderen Stellenwert“, berichtet Tippke. 1987 war auch in den Barler Sandgruben Schluss – sehr kurzfristig. „Wir hatten schon alle Planungen für einen Gedächtniswettbewerb für meinen Bruder Charly eingestielt. So mussten wir kurzerhand in die Niederlande ausweichen.“

Hohe Auflagen zwingen zum Umdenken

Dass man über die Kontakte in Holland das Fahrrad-Trial erst kennenlernen sollte, das sollte sich bald auszahlen. Denn: Motorrad-Trial konnte in Deutschland nur noch unter sehr hohen Auflagen durchgeführt werden. Um den Verein zu erhalten, nutzte man in den Folgejahren zwei Gelände in den Niederlanden. „Zweimal die Woche sind wir mit Sack und Pack über die Grenze gereist, der Aufwand war allerdings sehr hoch“, so Tippke. Und: „In Holland stand mir die Show zu sehr im Mittelpunkt, für zählte mehr der Sport an sich.“

Das Fahrrad-Trial wird etabliert

Man löste sich 1999 vom Motorrad-Trial und widmete sich nun ganz dem Fahrrad-Trial. Der Trial-Club Stadtlohn wurde gegründet. Seit 1995 hatte man ein erstes Gelände am Losberg zugewiesen bekommen – „mit 1200 Quadratmetern war dieses aber zu klein – vor allem, um Meisterschaften auszutragen“, erinnert sich Tippke zurück. Der 75-Jährige blieb hartnäckig – und auch der Zufall spielte dem Enthusiasten in die Karten.

„Mr. Trial“ Werner Tippke reicht Staffelstab weiter – und hinterlässt ein Lebenswerk

Der Verein würdigte das außergewöhnliche Engagement mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden (v.l.): Elke Oing (Schriftführerin), Werner Tippke mit Ehefrau Elli und Siegfried Hoge-Schöneseiffen (2. Vorsitzender). © Michael Schley

Da der SuS Stadtlohn am Losberg erweitern wollte, musste das Trial-Gelände geräumt werden. Man konnte in die direkte Nachbarschaft zum heutigen Standort umziehen und diesen unter Fahrrad-Trial-technischen Gesichtspunkten gestalten. „Jetzt haben wir insgesamt an die 6000 Quadratmeter. Sicher einzigartig in Deutschland, was uns unsere auswärtigen Gäste immer wieder bestätigen.“

Trial-Gelände als Lebenswerk

Neben seinem Einsatz gerade für die sportliche Entwicklung wurde fortan die Gestaltung des Geländes sein Steckenpferd. Die sogenannten Sektionen, also Prüfungsabschnitte, wurden nach Urlaubszielen benannt, die Tippke mit seiner Frau Elli ansteuerte. „Das ist mein zweites großes Hobby.“ Die Reisen habe er losgelöst vom Trial angetreten – natürlich habe er sich in Spanien auch mal Trial-Kurse angeschaut, schmunzelt er. Die Inspirationen nahm er mit in die Heimat. Besondere Erfahrungen machte er auch auf Radtouren, zum Beispiel zur Insel Korfu, als er Spenden für die Aktion Familie in Not sammelte.

Losberg wird zum zweiten Zuhause

So sammelte er immer wieder neue Kraft, die er in die Verwirklichung seines Lebenswerkes am Losberg einsetzte. „Ich glaube, es gibt auf dem gesamten Gelände kaum einen Stein, den du nicht mindestens einmal in den Händen gehalten hast“, brachte es Schriftführerin Elke Oing bei der Jahreshauptversammlung auf den Punkt.

„Mr. Trial“ Werner Tippke reicht Staffelstab weiter – und hinterlässt ein Lebenswerk

Jannis Oing zählt aktuell zu den erfolgreichen Sportlern des TMSC, unter anderem startete er bei er Weltmeisterschaft in China. © Michael Schley

Werner Tippke habe nahezu seine gesamte Freizeit auf dem Gelände verbracht: das Training geleitet, Clubräder repariert, sich um Geländearbeiten gekümmert – und natürlich die nicht immer einfachen Behördengänge durchgeführt. Alles übrigens sorgfältig dokumentiert in einem großen Aktenordner.

Jugendarbeit steht im Mittelpunkt

Große Veranstaltungen wie Nacht-Trials wurden organisiert, besonders wichtig war es ihm, den Kontakt zur Jugend aufrechtzuerhalten. „Ich bin immer direkt in die Schulen gegangen“, so Tippke. Große Meisterschaften wie Norddeutsche Meisterschaften und NRW-Meisterschaften wurden gemeistert – einzig die Deutsche Meisterschaft fehlt. „Ich hab es immer wieder versucht, es hat nicht sollen sein“, so Tippke. Parallel sattelte er im gesetzteren Alter selbst noch aufs Fahrrad um – „körperlich muss man da schon aufpassen“, so Tippke. Auch auf dem nichtmotorisierten Zweirad feierte er Erfolge.

„Mr. Trial“ Werner Tippke reicht Staffelstab weiter – und hinterlässt ein Lebenswerk

Die sogenannten Sektionen, die Prüfungsbaschnitte, sind nach Urlaubszielen benannt und durch diese inspiriert, die Werner Tippke mit seiner Frau Elli angesteuert hat. © Michael Schley

Parallel galt es, den Verein fortzuentwickeln, den Sport auch auf Kreis- und Landesebene bekannter zu machen. Ein letzter Meilenstein war 2014 die Fusion des Trial-Clubs mit dem Motorsport-Club Stadtlohn: Der neue Verein trägt fortan den Namen Trial-Motorsport-Club (TMSC) Stadtlohn.

"Verein war noch nie so attraktiv"

Heute – so denkt er – hinterlasse er ein bestelltes Feld. „Ich hatte eine Idee im Kopf, die ich sehr gut umsetzen konnte. Das Fundament ist stark“, blickt Tippke nach vorne. Sportlich seien in Stadtlohn viele Grundsteine für Erfolge gelegt worden. „Wenn man sieht, dass jüngst noch zwei unserer Sportler in China unterwegs waren oder dass Deutsche Meisterschaften errungen werden, dann macht mich das auch stolz."

Der Verein sei noch nie so attraktiv wie heute gewesen. „Wenn sich alle weiter darauf besinnen, dass sie sich die ersten blauen Flecken im Training in Stadtlohn geholt haben, dann wird es weiterlaufen. Die Krone müssen sie sich dann selbst holen.“

"Ich habe es für euch gemacht"

Werner Tippkes Blick schweift am Donnerstagmorgen nach seinem offiziellen Abschied als Vorsitzender noch einmal über das weitläufige Gelände: „Wenn ich in zwei Jahren hier stehe und alles sieht noch genauso aus, dann bin ich zufrieden.“ Und schon am Mittwoch hatte er seinen Mitstreitern eines mitgegeben: „Das Herzblut habe ich nicht für mich investiert, sondern für euch. Vergesst das nicht!“

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