Nationalmannschaft? „Lass uns lieber einen Film gucken“

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Die Basis identifiziert sich derzeit kaum mit der Nationalelf. Das hat sich auch bei unserer Umfrage in Ahaus und Umgebung gezeigt. Die hiesigen Fußballer kritisieren vor allem den Trainer.

Kreis

, 14.11.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon seit einiger Zeit müssen sich Jogi Löw und die Nationalelf viel Kritik von Fans und Medien anhören. Die Identifizierung mit der Mannschaft scheint derzeit so gering wie lange nicht mehr zu sein.

Als Indiz wurde in dieser Woche häufig der Vergleich der TV-Quoten zwischen dem Freundschaftsspiel Deutschland gegen Tschechien am Mittwoch und der parallel ausgestrahlten TV-Trödelshow „Bares für Rares“ genommen: Die Nationalelf war mit weniger als 5,5 Millionen Zuschauern in diesem Vergleich unterlegen.

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Dass der Trend vor dem Spiel am Samstag gegen die Ukraine eher zum Desinteresse an der Nationalmannschaft geht, zeigen auch die Gespräche mit den Fußballern aus Ahaus und Umgebung. Wir haben gefragt: Wie sehr identifizieren Sie sich derzeit mit der Nationalelf?

„Wusste nicht mal, dass Deutschland spielt“

Andre Stroetmann, Spielertrainer der Sportfreunde Ammeloe, erwischten wir am Telefon zufällig gerade in einer Besprechung mit seinem Trainerkollegen Jürgen Banken. „Um ganz ehrlich zu sein, wusste ich vorher nicht mal, dass Deutschland gegen Tschechien spielt“, gesteht Andre Stroetmann. Generell finde er, dass einfach zu viele uninteressante Spiele stattfinden, wie etwa das Testspiel am Mittwoch. Das Spiel am Samstag in der Nations League werde er sich aber anschauen. „Löw hat ja gesagt, dass er jetzt endlich wieder eine Mannschaft aufstellen will, die sich bis zur EM einspielen soll.“

Die Kaderzusammenstellung ist genau das Thema, das viele Fußballfans stört. Auch Jürgen Banken sagt: „Für mich müssen die besten deutschen Fußballer in der Nationalmannschaft spielen. Löw hat gerade in seiner Anfangszeit viel Gutes für den Deutschen Fußball getan, gekrönt mit dem WM-Titel. Aber mittlerweile ist der Weg, den er bestreitet, nicht mehr der, den die Fans sehen wollen. Mir ist das im Moment alles zu jung und zu wild, daher habe ich momentan auch wenig Interesse, mir die Spiele anzuschauen.“

Andre Stroetmann (l.) und Jürgen Banken von den SF Ammeloe hoffen, dass bald wieder die besten deutschen Fußballer in der Nationalelf spielen.

Andre Stroetmann (l.) und Jürgen Banken von den SF Ammeloe hoffen, dass bald wieder die besten deutschen Fußballer in der Nationalelf spielen. © Sascha Keirat

Banken findet, dass etwa ein Führungsspieler wie Thomas Müller in seiner aktuellen Form in der Nationalelf gesetzt sein müsste. Genau das gleiche sagt Marcel Dziuba, Sportlicher Leiter beim SC Südlohn. „Bei dem Kader am Mittwoch hätte der durchschnittliche Zuschauer ja schon googeln müssen, um alle Spieler zu erkennen. Gerade für die Nationalmannschaft ist ein Grundgerüst mit Typen wie Thomas Müller wichtig.“ In das Spiel am Mittwoch habe Dziuba nur kurz reingezappt. „Dann habe ich zu meiner Frau gesagt: ‚Lass uns lieber einen Film gucken.‘“

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Auch Günter Boll, Abteilungsleiter Fußball bei der DJK Stadtlohn, hat das Spiel am Mittwoch nicht am Fernseher verfolgt. „Obwohl ich begeisterter Fußball-Gucker bin und in den letzten 30 Jahren kaum ein Länderspiel verpasst habe, hat es mich diesmal nicht wirklich interessiert.“

Löws Personalentscheidungen stören

Der Grund dafür liegt auch bei ihm in den Personalentscheidungen des Bundestrainers: „Löw geht seinen eigenen Weg, den kaum jemand nachvollziehen kann. Da stehen Leute im Kader, die bei ihrem Verein keine große Rolle spielen.“ Er habe momentan mehr Spaß an den Spielen des FC Bayern, am Samstagabend werde er der Nationalelf aber wieder eine Chance geben.

Christina Krause, Spielertrainerin bei Landesligist SuS Legden, hat sich auch das Spiel am Mittwoch angesehen. „Ich gucke eigentlich alles an Fußball. Bei der Nationalmannschaft hält sich die Begeisterung im Moment aber in Grenzen. Vor allem verstehe ich die Kader-Entscheidungen nicht. Warum spielen nicht die Besten?“

Fazit: Eigentlich würden die Befragten gern Länderspiele der Nationalelf sehen. Aber es soll am Besten um Punkte gehen und die bestmögliche Elf auf dem Rasen stehen. Einigkeit herrscht auch darin, dass ein Wechsel auf der Trainerbank dem Team mittelfristig guttun würde.

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