Reguläre Saison bis zum 30. Juni? „Da muss man auch realistisch bleiben!"

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Der abermalige Lockdown im Amateurfußball macht die Ausgangslage gerade in den überkreislichen Ligen nicht einfacher. Die Hoffnung auf eine komplette Runde schwindet – auch bei den Vereinen.

Ahaus

, 05.11.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Recht zuversichtlich zeigt sich die Verbandsspitze, was eine Fortsetzung der Fußballsaison noch in diesem Jahr angeht. Zumindest den Trainingsbetrieb wolle man möglichst noch im Dezember wieder anlaufen lassen, sofern es die dann aktuelle Fassung der Coronaschutzverordnung zulassen sollte, erklärte der Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes (FLVW), Manfred Schnieders (wir berichteten).

Gleichsam ließ er durchblicken, dass man sich gegebenenfalls auch mit alternativen Modellen zur Saisonplanung beschäftigen muss, sollte die Zahl der nachzuholenden Partien ausufern. Dies ist aktuell schon in der Oberliga Westfalen mit 40 Spieltagen der Fall (siehe Infobox). Im Raum könnte das Ziel stehen, zumindest eine Halbserie in allen Ligen abzuschließen – dazu hätte man bis zum 30. Juni 2021 Zeit. Und in diese Richtung geht auch die Meinung der Trainer der überkreislichen Mannschaften im Verbreitungsgebiet, was eine kleine Umfrage zeigt. Zumal ein weiterer Lockdown nicht ausgeschlossen werden kann.

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50 Prozent aller Spiele in einer Liga müssten absolviert werden, damit die Saison gewertet werden kann. Das hat der Westdeutsche Fußballverband vor der Saison in seinen Statuten festgezurrt. Dort steht geschrieben: „Kann aufgrund der Coronavirus-Pandemie das Spieljahr nicht beendet werden, sind aber mindestens 50 % der Spiele einer Gruppe durchgeführt, so entscheidet der Tabellenstand unter Anwendung einer Quotientenregelung über Meister, Auf- und Absteiger.“ Heißt im Umkehrschluss: Sind es weniger als 50 Prozent und die Saison muss wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen werden, wird sie nicht gewertet.

Sollte es eine alternative Lösung geben, so ist es trotz der unterschiedlichen Ausgangslagen in den Ligen eher unwahrscheinlich, dass man für jede Spielklasse ein anderes Modell entwickelt.

„Spiel gegen Corona gewinnen wir nur gemeinsam“

Dass man zumindest noch eins, zwei Spieltage im Dezember schafft, das hofft Engin Yavuzaslan, Coach der SpVgg Vreden: „Sollten es die Umstände zulassen, würde ich das begrüßen.“ Sollte das nicht umsetzbar sein, dann schwinden seiner Ansicht nach auch die Hoffnungen auf eine komplette Spielzeit: „Da muss man dann auch realistisch bleiben, das ist selbst mit weiteren Englischen Wochen weder durchführbar noch den Spielern gegenüber verantwortbar.“

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Hinzu käme für die SpVgg zudem noch der Kreis- und Westfalenpokal, wobei der Leiter Westfalenpokal, Klaus Overwien, schon angedeutet hat, dass im Rahmenterminplan für diesen Wettbewerb eigentlich kein Platz mehr ist. Auch wenn er sich eine schnelle Rückkehr auf den Platz wünsche und er „Fußballer durch und durch“ sei, so stehe für Engin Yavuzaslan ein Motto über allem: „Corona ist unser größter Gegner – und das Spiel gewinnen wir nur gemeinsam.“

Hinrunde „irgendwie durchdrücken“

Ähnlich nüchtern betrachtet der Trainer der Ahauser Eintracht, Frank Wegener, die Lage. „Niemals!“: Auch wenn sich die Mannschaft auf einen möglichen „Tag X im Dezember“ vorbereite und „ihre Hausaufgaben mache“, so glaubt er nicht wirklich daran, dass in diesem Jahr noch um Punkte gespielt wird. „Die Einschläge kommen doch spürbar immer näher. Zudem wird die Witterung eine Rolle spielen, das Thema Bespielbarkeit der Plätze im Winter bleibt ja bestehen“, führt Wegener einen weiteren Einwand gegen eine schnelle Fortsetzung der Serie auf.

Selbst wenn es der zeitliche Rahmen noch zuließe, so wird auch die Bespielbarkeit der Rasenplätze ein weiterer Faktor werden bei der Beurteilung, ob die Durchführung einer ganzen Saison noch realistisch erscheint. Nicht alle Vereine genießen die Vorzüge eines Kunstrasens wie die Ahaus Eintracht mit Niclas Dormayer (r.). Die Folge können weiter verzerrte Tabellenbilder sein.

Selbst wenn es der zeitliche Rahmen noch zuließe, so wird auch die Bespielbarkeit der Rasenplätze ein weiterer Faktor werden bei der Beurteilung, ob die Durchführung einer ganzen Saison noch realistisch erscheint. Nicht alle Vereine genießen die Vorzüge eines Kunstrasens wie die Ahaus Eintracht mit Niclas Dormayer (r.). Die Folge können weiter verzerrte Tabellenbilder sein. © Michael Schley

Zudem sei schließlich den Vereinen auch eine kleine Vorlaufzeit bis zur Fortsetzung zugesichert worden – „dann sprechen wir schon fast von Mitte Dezember“, so Wegener. Mit Blick auf die gesamte Saison ist er der Meinung, dass man „irgendwie die Hinrunde durchdrücken“ werden wird. Danach könne man die Lage ja von Spieltag zu Spieltag bewerten. Umso mehr freuen ihn die bereits 13 Punkte auf dem Konto.

Gibt es eine Generallösung oder nicht?

Vor diesem Hintergrund eine nicht minder rosige Ausgangslage hat der SuS Stadtlohn in der Bezirksliga 11, die aktuell 22 Zähler aus acht Spielten wären schon eine Bank. „Ich denke aber, dass eine Bezirksliga-Saison noch problemlos zu Ende gespielt werden kann, sollten es die Umstände zulassen“, zeigt sich Trainer Stefan Rahsing gelassen. Letztlich sei entscheidend, ob der Verband eine „Generallösung“ für die überkreislichen Klassen anstrebe. Sollte diese gefunden werden, dann tendiere auch er dazu, dass „eher nicht eine komplette Saison gespielt“ wird.

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Da der Verband sich dahingehend geäußert habe, dass man im Dezember durchaus noch mit einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs rechne, werde sich der SuS auch entsprechend darauf vorbereiten: „Unser Konzept für den November ist darauf ausgelegt und erste Rückmeldungen belegen, dass es funktioniert.“

Von Januar bis März geht platztechnisch nicht viel

Punktemäßig noch Aufholbedarf hat der Aufsteiger SV Heek. Und so hat Spielertrainer Rainer Hackenfort aufgrund der unsicheren Gesamtsituation seinen Mannen auch die Aufgabe mit auf den Weg gegeben, auf den Punkt fit zu sein, wenn es weitergeht: „Dann müssen wir sofort punkten.“ Gerne würde er mit seinen Schützlingen noch in diesem Jahr „auf den Acker zurückkehren“, die Zahlen sprächen aber dagegen.

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Und so müsse man die dann sechs, sieben ausgefallenen Spiele irgendwie noch nachholen, um „zumindest 15 Spieltage auf die Platte zu bekommen“. Und dabei könne man die Monate Januar bis März bei vielen Vereinen aufgrund der Witterung in Sachen Heimspiele aus Erfahrung schon aus der Wertung nehmen. „Es ist aber ein eher milder Winter vorhergesagt. Wir lassen uns überraschen.“

Und womöglich überrascht der FLVW nach „vorgezogener Winterpause“ ja auch damit, dass man schon früh im Januar Versäumtes aufholen will – sofern es Corona und die Witterung zulassen.

Enormer Nachholbedarf

  • Die aktuellen Zahlen hinsichtlich der bisher absolvierten Spiele in den überkreislichen Ligen sprechen eine eindeutige Sprache. Je höher die Liga, desto kleiner werden die Puffer, die Hoffnung auf eine komplette Runde machen.
  • In der Oberliga Westfalen mit der SpVgg Vreden stehen satte 420 Spiele auf dem Programm, 210 müssten für eine Wertung absolviert werden. Aktuell wurden 87 gespielt (20,71 Prozent), geplant waren bis Ende November – bis dahin sind weitere Spieltage untersagt – 35 Prozent.
  • Kaum besser sieht es in der Landesliga 4 mit Eintracht Ahaus aus: Derzeit sind 19,61 Prozent der Spiele absolviert, die Klasse umfasst aber auch nur 18 Mannschaften.
  • Noch am wenigsten betroffen von coronabedingten Ausfällen ist die Bezirksliga 11, in der schon 27,5 Prozent der Partien absolviert wurden – und das bei einer 16er-Staffel.
  • Die Problematik wird dadurch noch verstärkt, dass in den Spielklassen die Mannschaften teils ein sehr unterschiedliches Pensum an Spielen absolviert haben, was jetzt schon für verzerrte Tabellenbilder sorgt.
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